| Kultusministerkonferenz-Pressemitteilung |
Bonn, 19.10.2001
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Gemeinsame Presseerklärung anlässlich des Gesprächs der
Kultusministerkonferenz
mit dem
Mitglied der Europäischen Kommission Viviane Reding
im Rahmen der 295. Plenarsitzung am 19. Oktober 2001 in Stuttgart
Die Kultusministerkonferenz und das für Bildung
und Kultur zuständige Mitglied der Europäischen Kommission Viviane Reding haben
im Rahmen der 295. Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz am 19.10.2001 ein
intensives Gespräch zu aktuellen Themen der europäischen Bildungs- und Kulturpolitik
geführt.
- Die Kultusministerkonferenz und Frau Reding als zuständiges
Mitglied der Europäischen Kommission stimmen darin überein, dass der gesamteuropäischen
Zusammenarbeit in der Bildungs- und Kulturpolitik angesichts des sich erweiternden
und vertiefenden Einigungsprozesses wie auch im Hinblick auf das friedliche
Zusammenleben von Menschen verschiedener kultureller Herkunft in Europa große
Bedeutung zukommt.
- Rahmen für alle Maßnahmen der Gemeinschaft in der Bildungs-
Berufsbildungs- und Kulturpolitik sind Art. 149, 150 und Art. 151 des EG-Vertrages.
Dementsprechend achtet die Gemeinschaft die Gestaltungsrechte und Verantwortung
der Mitgliedstaaten für die Inhalte, Organisation und Finanzierung ihrer Bildungssysteme
sowie ihrer Kulturpolitik; jegliche Harmonisierung von Rechts- und Verwaltungsvorschriften
der Mitgliedstaaten ist ausgeschlossen. Die kulturelle und sprachliche Vielfalt
ist ein besonderer Reichtum Europas, die einerseits bewahrt, andererseits
in ihrer Kompatibilität für alle weiter entwickelt werden muss. Wichtiges
Ziel, insbesondere der allgemeinen Bildung, ist die Entwicklung eines europäischen
Bewusstseins bei den jugendlichen Bürgern in den verschiedenen Staaten.
- Die Kultusministerkonferenz betont in diesem Zusammenhang
die föderale Struktur der Bundesrepublik Deutschland und den sich daraus ergebenden
eigenständigen Beitrag, den die Länder im Rahmen ihrer verfassungsmäßigen
Kompetenzen zur Bildungs- und Kulturpolitik in Europa leisten und den es auch
künftig zu wahren und weiter zu entwickeln gilt. Die Kultusministerkonferenz
begrüßt deshalb alle Formen der fördernden Unterstützung durch die europäischen
Institutionen, die im Einklang mit dem Prinzip der Subsidiarität stehen und
die Gestaltungsrechte und Verantwortung der Mitgliedstaaten berücksichtigen.
- Die Kultusministerkonferenz und Frau Reding sind sich
ferner darin einig, dass die Herausforderungen der Globalisierung einer europäischen
Antwort bedürfen. Der Europäische Rat von Lissabon hat der Bildungs- und Berufsbildungspolitik
durch die Betonung der Wissensgesellschaft einen neuen und perspektivischen
Stellenwert zugewiesen. Gemeinsame Herausforderung ist es, die Elemente der
allgemeinen und beruflichen Bildung in einem ständigen Prozess und nach Maßgabe
der Bedingungen in den Mitgliedstaaten den sich wandelnden Erfordernissen
unserer Zeit anzupassen. Dafür gilt es nun, gemeinsam Lösungen und Strategien
zu entwickeln, mit denen die Qualität der Bildung und das lebenslange Lernen
in Europa verbessert werden können. Dies kann nur auf der Grundlage und unter
Berücksichtigung der gewachsenen Vielfalt der nationalen Bildungssysteme geschehen.
- Die Kultusministerkonferenz und Frau Reding stimmen weiter
überein, dass eine europäische Zusammenarbeit in diesem Sinne einen gezielten
und intensiven Informations- und Erfahrungsaustausch über politische Konzepte,
Umsetzungsmaßnahmen und Beispiele guter Praxis aus den Mitgliedstaaten erfordert,
wobei die Bereiche Qualität, Zugänglichkeit und Öffnung des Bildungswesens
gegenüber der Welt im Vordergrund stehen, wie sie im Bericht der EU-Bildungsminister
an den Europäischen Rat in Stockholm aufgeführt sind. Im Hinblick auf das
gemeinsame europäische Ziel eines offenen und vielfältigen Raums des lebenslangen
Lernens für alle sind die Ausweitung der Mobilität, die verstärkte Einbeziehung
der Informations- und Kommunikationstechnologien und die Internationalisierung,
insbesondere des Hochschulbereichs, von besonderer Bedeutung.
- Die Kultusministerkonferenz und Frau Reding stimmen auch
überein, dass Beispiele und Beleg für die positiven Ergebnisse der europäischen
Bildungszusammenarbeit vor allem die EU-Förderprogramme sind, die in Deutschland
eine hohe Akzeptanz finden, weil sie zu unmittelbarer Kooperation zwischen
den Bildungseinrichtungen führen sowie Mobilität und den Austausch innovativer
Entwicklungsmodelle in Europa ermöglichen. Das spricht für eine Fortentwicklung
dieser Programme. Besondere Aufmerksamkeit gilt weiterhin der Nutzerfreundlichkeit
dieser Programme, um Akzeptanz und Beteiligung zu sichern und weiter zu steigern.
- Die Kultusministerkonferenz und Frau Reding bekräftigen,
dass die Bewahrung der kulturellen Vielfalt sowie eine Vertiefung der Kenntnisse
um die gemeinsamen Werte und Wurzeln in Kultur und Bildung tragende Elemente
der kulturellen Selbstbehauptung Europas sind. Dazu bedarf es auch künftig
der Möglichkeit einer fördernden Kulturpolitik in den Mitgliedstaaten.
- Die Kultusministerkonferenz und Frau Reding stimmen überein,
die bewährte Praxis des Informationsaustausches und des politischen Diskurses
über bildungs- und kulturpolitische Ziele und Innovationspraktiken fortzusetzen
und ausbauen. Sie haben sich aus diesem Grunde entschlossen, gemeinsame Perspektiven
in diesen Bereichen zu entwickeln, und bekunden ihren Willen, den intensiven
und unmittelbaren Dialog auch in Zukunft fortzusetzen, z.B. durch europäische
Fachveranstaltungen zum Thema Qualitätssicherung, Bildungsbörsen auf europäischer
Ebene sowie die verstärkte Vernetzung durch moderne Kommunikationsmittel wie
das Internet.