Demokratieerziehung
Eines der obersten Ziele schulischer Bildung überhaupt ist es, junge Menschen zu befähigen, sich in der modernen Gesellschaft zu orientieren und politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Fragen und Probleme kompetent zu beurteilen. Dabei sollen sie ermuntert werden, für Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Gerechtigkeit, wirtschaftliche Sicherheit und Frieden einzutreten. Diesem übergeordneten Ziel sind grundsätzlich alle Unterrichtsfächer verpflichtet, insbesondere aber die des gesellschaftswissenschaftlichen Bereichs.
Den 90. Jahrestag der Konstituierung der Weimarer Republik und der Annahme der ersten praktizierten demokratischen Verfassung auf deutschem Boden, den 60. Jahrestag des Grundgesetzes und den 20. Jahrestag der friedlichen Revolution in der DDR im Jahr 2009 sowie den 20. Jahrestag der Deutschen Einheit im Jahr 2010 hat die Kultusministerkonferenz bei ihrer 325. Sitzung am 05./06.03.2009 zum Anlass genommen, die herausragende Bedeutung der Erziehung zur Demokratie als Aufgabe schulischer Arbeit in Form einer Erklärung abermals hervorzuheben und demokratisches Engagement im Rahmen schulischer Aktivitäten zu würdigen (Pressemitteilung
hier). Als Auftaktveranstaltung fand vom 24. bis 25.06.2009 in Potsdam eine von den Ländern Brandenburg und Thüringen verantwortete Fachtagung unter dem Thema "Demokratie in der Schule: Partizipation - Historisch-Politische Bildung - Werte" statt. Die Tagungsdokumentation und Materialien finden Sie
hier.
Im Rahmen ihrer 326. Sitzung am 18.06.2009 hat die Kultusministerkonferenz darüber hinaus empfohlen, in den Sekundarstufen I und II zur Stärkung der Demokratieerziehung jährlich am 09. November einen Projekttag zur Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert durchzuführen.
Die Bundeszentrale für politische Bildung, die Bundesstiftung Aufarbeitung und Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik haben diesen Beschluss zum Anlass genommen, ein Angebotspaket mit didaktischen
Materialien zur Gestaltung eines solchen Projekttags zusammenzustellen.
Die Kultusministerkonferenz unterstützt die von einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen getragene Initiative
DemokratieErleben, die unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht.
Europäische und internationale Initiativen zur Demokratieerziehung
Mit der von der Kultusministerkonferenz in 2010 unterstützten Charta des Europarates zur Demokratie- und Menschenrechtsbildung (EDC/HRE) liegen erstmals für alle 50 Zeichnerstaaten der Kulturkonvention des Europarates abgestimmte Definitionen der Demokratie- und Menschenrechtsbildung und damit einhergehende Zielsetzungen vor.
Die Charta begreift Demokratie- und Menschenrechtsbildung als Aufgabe lebenslangen Lernens. Ihre Handlungsempfehlungen zielen auf eine Verankerung der EDC/HRE in der formalen allgemeinen Bildung, in der beruflichen Bildung, in der Hochschulbildung und Forschung sowie in der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften und Erziehern. Bei der Vermittlung der Demokratie- und Menschenrechtsbildung sollen außerschulische Akteure, wie z.B. Nichtregierungs- und Jugendorganisationen, stärker miteinbezogen und unterstützt werden.
Die mit Österreich und der Schweiz abgestimmte deutsche Arbeitsübersetzung der Charta finden Sie
hier.

