23.10.2014 - 11:17
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Bildung / Schule |  Qualitätssicherung in Schulen |  Bildungsstandards

Überblick

Im Oktober 1997 hat die Kultusministerkonferenz beschlossen, das deutsche Schulsystem im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen international vergleichen zu lassen (Konstanzer Beschluss). Ziel ist es, gesicherte Befunde über Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler in den zentralen Kompetenzbereichen zu erhalten. Durch die Ergebnisse von TIMSS, PISA und IGLU ist deutlich geworden, dass die in Deutschland vorrangige Inputsteuerung allein nicht zu den erwünschten Ergebnissen im Bildungssystem führt. Die Festlegung und Überprüfung der erwarteten Leistungen müssen hinzukommen. Außerdem zeigen die Ergebnisse skandinavischer und einiger angloamerikanischer Staaten, dass Staaten, in denen eine systematische Rechenschaftslegung über die Ergebnisse erfolgt – sei es durch regelmäßige Schulleistungsstudien, sei es durch zentrale Prüfungen oder durch ein dichtes Netz von Schulevaluationen –, insgesamt höhere Leistungen erreichen. Die Entwicklung und die Sicherung von Qualität, externe und interne Evaluation bedürfen klarer Maßstäbe. Deshalb hat die Kultusministerkonferenz einen besonderen Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Entwicklung und Einführung von bundesweit geltenden Bildungsstandards gelegt.

 

Bundesweit geltende Bildungsstandards

Bundesweit geltende Bildungsstandards gibt es derzeit

  • für den Primarbereich (Jahrgangsstufe 4) für die Fächer Deutsch und Mathematik,
  • für den Hauptschulabschluss (Jahrgangsstufe 9) für die Fächer Deutsch, Mathematik und Erste Fremdsprache (Englisch/Französisch),
  • für den Mittleren Schulabschluss (Jahrgangsstufe 10) für die Fächer Deutsch, Mathematik, Erste Fremdsprache (Englisch/Französisch), Biologie, Chemie und Physik,
  • für die Allgemeine Hochschulreife für die Fächer Deutsch, Mathematik und die fortgeführte Fremdsprache (Englisch/Französisch).


Diese von der Kultusministerkonferenz in den Jahren 2003, 2004 und 2012 vereinbarten Bildungsstandards finden Sie hier.

Damit kann die Qualitätsentwicklung in den Schulen aller Länder in der Bundesrepublik Deutschland an einem gemeinsam vereinbarten Maßstab, an abschlussbezogenen Bildungsstandards ausgerichtet werden.

Den Bildungsstandards kommt sowohl eine Überprüfungs- als auch eine Entwicklungsfunktion zu.

Mit ihrer Überprüfungsfunktion bieten Bildungsstandards die Möglichkeit, mit geeigneten Testverfahren zu untersuchen, in welchem Maße die in den Bildungsstandards ausgewiesenen Kompetenzen von den Schülerinnen und Schülern erreicht werden. Mehr zur Opens internal link in current windowÜberprüfung des Erreichens der Bildungsstandards.

Die Bildungsstandards können ihre Wirkung nur dann entfalten, wenn Sie Eingang in die alltägliche Praxis der Schulen finden. Um die Entwicklungsfunktion der Bildungsstandards zu stärken, hat die Kultusministerkonferenz eine Opens internal link in current windowKonzeption zur Nutzung der Bildungsstandards für die Unterrichtsentwicklung verabredet. 

Ausführliche Hintergrundinformationen zu den Bildungsstandards, ihrer Konzeption und Überlegungen zu ihrer Implementation enthält das Argumentationspapier undefinedBildungsstandards der Kultusministerkonferenz vom 16.12.2004.

Die Bildungsstandards stehen zum Opens internal link in current windowDownload bereit und können im Buchhandel bzw. direkt beim Opens external link in new windowVerlag bestellt werden.


Kompetenzstufenmodelle zu den Bildungsstandards

Durch die Normierung und Überprüfung der Bildungsstandards können die darin festgelegten Anforderungen systematisch in Abstufungen dargestellt werden. Die Ermittlung von empirisch validierten Kompetenzstufenmodellen macht es möglich, für alle (Lehrkräfte, Lernende und Eltern) festzustellen, in welchem Maße die gesetzten Standards erreicht werden, d.h. wie groß die Schüleranteile sind, die die Standards erreichen bzw. verfehlen. Die repräsentative Kompetenzmessung anhand der Bildungsstandards liefert damit einen Vergleichsmaßstab für individuelle Schülerleistungen.

Die bisher vorliegenden Kompetenzstufenmodelle zu den Bildungsstandards wurden vom IQB entwickelt.


Überprüfung des Erreichens der Bildungsstandards durch das IQB

Damit das Erreichen der Bildungsstandards durch Testverfahren überprüft werden kann, führt das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) die dafür notwendigen Arbeiten der empirischen Absicherung durch. Hierzu koordiniert es u.a. die Entwicklung der Aufgaben zu den Bildungsstandards durch Lehrkräfte in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern.

Das Erreichen der Bildungsstandards soll sowohl landesweit als auch länderübergreifend überprüft werden.
Die Opens internal link in current windowzentrale Überprüfung des Erreichens der Bildungsstandards auf der Basis von Länderstichproben (Ländervergleiche) wird durch das Opens external link in new windowInstitut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) durchgeführt. Mehr zu den Opens internal link in current windowIQB-Ländervergleichen.

Für die Opens internal link in current windowlandesweite Überprüfung der Leistungsfähigkeit einzelner Schulen und Klassen (Vergleichsarbeiten) werden flächendeckende Vergleichsarbeiten (VERA 3 und VERA 8) durchgeführt, die sich an den bundesweit geltenden Bildungsstandards orientieren.


Implementation der Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife

Die Kultusministerkonferenz hat im Oktober 2012 die Bildungsstandards in den Fächern Deutsch, Mathematik und der fortgeführten Fremdsprache (Englisch/Französisch) für die Allgemeine Hochschulreife verabschiedet, die mit Beginn der Einführungsphase des Schuljahres 2014/2015 die Grundlagen der fachspezifischen Anforderungen für die Allgemeine Hochschulreife bilden und für Abiturprüfungen ab dem Schuljahr 2016/2017 gelten werden. Die Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife liefern damit für die zentralen Fächer einheitliche Leistungsanforderungen, die für mehr Vergleichbarkeit zwischen den Bundesländern sorgen und langfristig ein gemeinsames Leistungsniveau sichern helfen.

Bereits im März 2012 hat die Kultusministerkonferenz für die genannten Fächer den Aufbau eines gemeinsamen Pools von standardbasierten Abiturprüfungsaufgaben beschlossen, der ab dem Jahr 2013 kontinuierlich aufwachsen und den Ländern als Angebot für den möglichen Einsatz im Abitur ab dem Schuljahr 2016/2017 zur Verfügung stehen soll. undefinedDie Arbeitsfassung der Konzeption für die Entwicklung und Nutzung eines Pools von Abiturprüfungsaufgaben ist online verfügbar.

Der Aufbau des Aufgabenpools und der vorbereitende Prozess, in dem auch Kriterien für die Gestaltung, Korrektur und Bewertung standardbasierter Abiturprüfungsaufgaben länderübergreifend entwickelt werden, wird vom Opens external link in new windowInstitut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) koordiniert. Die Arbeiten an diesem Projekt wurden im Sommer 2013 aufgenommen.

Der Aufgabenpool ist Bestandteil einer umfassenden undefinedKonzeption zur Implementation der Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife, welche die Kultusministerkonferenz im Oktober 2013 vereinbart hat.


 

 

Cover: Bildungsstandards im Fach Deutsch für den Hauptschulabschluss