2.9.2014 - 13:31
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NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut

Im Dezember 1998 wurden auf der Washingtoner Konferenz über Vermögenswerte aus der Zeit des Holocaust „Grundsätze im Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden“ verabschiedet mit dem Ziel, zur Lösung offener Fragen im Zusammenhang mit den durch die Nationalsozialisten beschlagnahmten Kunstwerken beizutragen. Im Anschluss an diese Konferenz und die dadurch ausgelöste internationale Diskussion haben Bund, Länder und Gemeinden übereinstimmend ein gemeinsames Vorgehen bei der Auffindung und Rückgabe von Kulturgütern, die während der Zeit des Nationalsozialismus durch Beschlagnahmen, Enteignungen oder Zwangsverkäufe ihren Eigentümern weggenommen worden sind, beschlossen.

Im Dezember 1999 hat die Kultusministerkonferenz eine gemeinsame politische undefinedGrundsatzerklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz verabschiedet. Hier wird erneut die Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, unter nationalsozialistischer Herrschaft enteignete oder geraubte Kulturgüter in öffentlichen Archiven, Museen und Bibliotheken zu suchen und faire Lösungen für die Rückgabe oder Entschädigung früherer Eigentümer bzw. deren Erben zu finden. Die für Kunst und Kultur zuständigen Ressorts haben zur Umsetzung der Erklärung in den Ländern entsprechende Maßnahmen eingeleitet.

Ein bedeutender Schritt hierzu war die Umstrukturierung der bisherigen Koordinierungsstelle der Länder für die Rückführung von Kulturgütern: So hat die Kultusministerkonferenz im September 2000 die gemeinsame Finanzierung der nunmehrigen Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste ab dem 01.01.2001 beschlossen, deren Aufgabenspektrum um Maßnahmen zur Umsetzung der „Gemeinsamen Erklärung“ vom Dezember 1999 erweitert wurde. Überdies beteiligt sich der Bund seit 2001 hälftig an der Finanzierung der Koordinierungsstelle. Mit Beschluss vom Mai 2009 haben die Länder der Fortführung der gemeinsamen Finanzierung bis Ende 2016 zugestimmt und dabei gleichzeitig die Aufgaben der Koordinierungsstelle nochmals erweitert.

Ca. 1.100 Privatpersonen und Institutionen des In- und Auslandes dokumentieren zwischenzeitlich über die "Lost Art Internet Datenbase" rd. 120.000 detailliert beschriebene Einzelobjekte aus den Bereichen NS-verfolgungsbedingt entzogenen sowie kriegsbedingt verbrachten Kulturgütern. Daneben beinhaltet die Datenbank mehrere Millionen nur summarisch registrierte Kulturgüter (z. B. "eine Kiste Bücher", "ein Karton Archivalien"). Mittlerweile konnten dank www.lostart.de zahlreiche Identifizierungen erreicht und somit Rückgaben an die Berechtigten befördert werden. Die Unterzeichner der gemeinsamen Grundsatzerklärung von 1999 haben zum 5. Jahrestag dieser Erklärung einen Appell zur Intensivierung der Bemühungen zur Auffindung NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes in Deutschland beschlossen. Dieser Appell wurde am 27.01.2005 in einer gemeinsamen Presseerklärung veröffentlicht.

Schließlich hat die Kultusministerkonferenz im Februar 2001 die „Handreichung zur Umsetzung der Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz vom Dezember 1999“ verabschiedet, die im November 2007 überarbeitet wurde www.lostart.de

Die „Handreichung“ soll den Kulturgut bewahrenden Institutionen Hilfestellung leisten bei ihren Bemühungen um die Feststellung noch nicht identifizierter NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter und der Vorbereitung von Entscheidungen über deren mögliche Rückgabe. Die eigenverantwortliche Zuständigkeit der jeweiligen Einrichtungen bzw. deren Träger für alle damit zusammenhängen Entscheidungen bleibt davon unberührt. Weitere Informationen hierzu können über die „Lost Art Internet Database“ der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste abgerufen werden.

In einem weiteren Schritt wurde im Dezember 2002 nach eingehenden Erörterungen mit den an der Verabschiedung der „Gemeinsamen Erklärung“ vom Dezember 1999 beteiligten Ebenen (Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, Kultusministerkonferenz, kommunale Spitzenverbände) beschlossen, eine „Beratende Kommission“ einzurichten, die besonders problematische Fälle von Rückgaben beratend begleiten soll. Der Kommission kommt vor allem die Aufgabe zu, Anspruchsteller und den über das Kulturgut Verfügenden für eine Mediation zur Verfügung zu stehen. Die Geschäftsführung für die Kommission liegt in Abstimmung mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien bei der Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste in Magdeburg. Die konstituierende Sitzung der Kommission hat am 14.07.2003 stattgefunden. Einzelheiten über die Absprache zwischen Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden zur Einsetzung einer Beratenden Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischen Besitz, sind im undefinedBeschluss der Kultusministerkonferenz vom 05.12.2002 nachzulesen.

Einen weiteren Schritt zur Intensivierung von Provenienzrecherche und -forschung stellt die Einrichtung einer Arbeitsstelle Provenienzrecherche/-forschung am Institut für Museumforschung (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) zum 01.01.2008 dar. Zu den wichtigsten Aufgaben der Arbeitsstelle zählt die (finanzielle und fachliche) Unterstützung jener Einrichtungen, die keine oder nur geringe eigene Möglichkeiten für Provenienzforschung besitzen. Konzept und Arbeitsaufgaben dieser Stelle können über die Internetseite des Instituts für Museumsforschung abgerufen werden.