23.5.2012 - 15:12
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Eine Kultur der Anstrengung entwickeln

Anhörung der Kultusministerkonferenz zur 3.Internationalen Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie (TIMSS) und der OECD-Studie
"Education at a Glance/Bildung auf einen Blick",
26./27.Juni 1997, Bonn

Die vom Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Minister Prof. Wernstedt (Niedersachsen), angeregte Anhörung der Kultusministerkonferenz zu den Ergebnissen und Auswirkungen der 3. Internationalen Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie (TIMSS) und der OECD-Studie "Education at a Glance/Bildung auf einen Blick" fand am 26. und 27.Juni 1997 in Bonn statt.
Unter Leitung der Vorsitzenden der Amtschefskonferenz der KMK, Staatssekretärin Renate Jürgens-Pieper, und unter Beteiligung weiterer hochrangiger Vertreterinnen und Vertreter der Kultusministerien der Länder wurden zahlreiche Repräsentanten interessierter Fachverbände und Lehrerverbände sowie Experten aus Hochschule und Wissenschaft zu den Ergebnissen angehört und mit ihnen die notwendigen Schlußfolgerungen aus den internationalen Studien diskutiert.

Die Kultusministerkonferenz hält es für erforderlich, sich insbesondere mit dem Befund der Studien auseinanderzusetzen, daß bei der Frage nach der individuellen Einstellung zum Mathematik- und Naturwissenschaftsunterricht die deutschen Schülerinnen und Schüler ein geringes Interesse an diesen Sachgebieten zeigen. In Zukunft darf es deshalb nicht allein darum gehen, die Qualität des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichtes und der Lehreraus- und -fortbildung wirksam und dauerhaft zu verbessern, sondern es wird ebenso wichtig sein, neue Wege zu finden, den gesellschaftlichen Stellenwert dieser Disziplinen zu befördern und die Motivation der Schülerinnen und Schüler wie auch der Lehrkräfte zu stärken.
Einvernehmlich wurde in der Anhörung festgestellt, daß in der künftigen Diskussion der Ergebnisse und Auswirkungen der Studien zu den Leistungen deutscher Schülerinnen und Schüler in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern folgende Handlungsfelder von entscheidender Bedeutung sind: Stärkung der allgemeinen Kultur und Wertschätzung des Lernens in Deutschland, Hebung des Stellenwertes der mathematisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen in der Gesellschaft und Verbesserung der Qualität und Organisation des entsprechenden Fachunterrichtes an den Schulen.
In diesem Zusammenhang wurde von allen Beteiligten die Entwicklung einer neuen Kultur der Anstrengung in Deutschland gefordert. Hierzu sind Lehrkräfte, Schüler, Eltern sowie alle gesellschaftlichen Kräfte im Bildungsbereich aufgefordert. Übereinstimmend stellten die Vertreterinnen und Vertreter der Kultusministerkonferenz, der Fachverbände und der Lehrerverbände fest, daß eine intensive Qualitätsdebatte notwendig sei.

Auch nach Überzeugung der Kultusministerkonferenz ist der Stand der mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächer ein wesentlicher Indikator für das Leistungsvermögen einer Gesellschaft und damit für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Dem Bedarf an Spitzenleistung entspricht ein Bedarf an breiter Ausbildung in diesen Sachgebieten. Die im Schulunterricht erworbenen Basisqualifikationen sind unabdingbare Voraussetzungen sowohl für die Studierfähigkeit als auch die Ausbildungsfähigkeit für die zahlreichen Berufsbereiche, die Zukunftsfelder der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland sind.
Die Kultusministerkonferenz wird sich in ihren Gremien anschließend mit den Ergebnissen der zweitägigen Anhörung befassen und sich in aller Offenheit mit möglichen Konsequenzen aus den Anhörungsergebnissen noch in diesem Jahr beschäftigen.