23.5.2012 - 15:20
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KMK-Präsident begrüßt hohes Maß der Übereinstimmung zwischen der Bundesregierung und der Kultusministerkonferenz in der beruflichen Bildung

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Minister Prof. Rolf Wernstedt (Niedersachsen) hat darauf hingewiesen, daß die Bundesregierung mit der Verabschiedung des Reformprojekts "Berufliche Bildung - Flexible Strukturen und moderne Berufe" wesentliche Teile der Konzeption der KMK zur Weiterentwicklung des dualen Systems der Berufsausbildung übernommen hat. Das sei auch das Ergebnis der Beratungen der Staatssekretäre in der KMK-Kommission zur Weiterentwicklung des dualen Systems der Berufsausbildung auf ihrer Tagung am 17.04.97 in Homburg. Die KMK begrüße - so der Präsident - insofern die Initiative der Bundesregierung und stelle ein hohes Maß an Übereinstimmung fest. Dazu gehöre insbesondere, daß überhöhte und praxisferne Anforderungen in den Ausbildungsanforderungen vermieden werden müssen und neue Formen der Ausbildung und Prüfungen zu entwickeln seien. "Hierzu erneuert die KMK ihr Angebot einer verantwortlichen Beteiligung der Berufsschule an den Prüfungen und appelliert an die Minister Rüttgers und Rexrodt, sie in diesem Anliegen zu unterstützen", so der Präsident. Zu der Frage, wie die Anwesenheit der Auszubildenden im Betrieb erhöht werden könne, habe die KMK in einem Bericht vom 31.01.97 die hohe Flexibilität in der Berufsschulorganisation in den Ländern dokumentiert, darüber hinaus bestünden hierzu Vereinbarungen mit den Kammern auf der Landesebene. Die KMK unterstütze die Feststellung des Bundes, daß auch die überbetriebliche Berufsausbildung mit einbezogen werden müsse.

Die KMK habe ihre Reformvorstellungen in einem Thesenpapier zusammengefaßt, das die Ergebnisse ihrer Expertenanhörung im November 1996 in Wittenberg einbezieht. "Für den 22./23. Mai 1997 habe ich als Präsident der KMK Bundesminister Rüttgers sowie die Spitzen der Wirtschaft und der Gewerkschaft nach Wolfsburg eingeladen, um über die notwendige Weiterentwicklung unseres dualen Berufsausbildungssystems zu diskutieren. Ziel des Spitzengesprächs ist, das über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland als beispielhaft bezeichnete System in den Stand zu versetzen, die berufliche Qualifizierung und Beschäftigung der jungen Generation zu sichern und durch bedarfsgerechte Strukturen und Inhalte die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe zu erhöhen", so der Präsident der KMK.

Die KMK halte am Konzept der Beruflichkeit fest und spreche sich gegen eine auf eingeschränkte Tätigkeiten abzielende Modularisierung als Qualifizierungsform aus. In ihren Thesen stelle die KMK fest, daß die Veränderungen in den Unternehmensstrukturen sowie der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft stärker Eingang in die Berufsausbildung finden müßten. Die Stichwörter hierzu seien Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Kundenorientierung und Verantwortungsbewußtsein. Berufsausbildung müsse sich zielgerichteter am Arbeitsprozeß orientieren, deshalb seien regionale und betriebsspezifische Anforderungen neben einer breiten beruflichen Grundqualifizierung bei der Ordnung der Berufsausbildung zu berücksichtigen. Die Betriebe müßten bereits in der Ausbildung auf aktuelle technologische und organisatorische Veränderungen reagieren können. Insofern sei eine breite und auf Flexibilität angelegte Berufsausbildung die richtige Antwort auf die immer kürzer werdenden Zeiträume zur Anwendung der erworbenen konkreten Kenntnisse und Fertigkeiten.

Weitere Vorschläge habe die KMK zur Förderung von Leistungsstärkeren und zur Unterstützugg von Jugendlichen, die besonderer Hilfe bedüfen, gemacht sowie zur Stärkung der Zusammenarbeit von Betrieb, überbetrieblicher Ausbildung und Berufsschule.

"Die Klagen über die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger nehme die KMK zur Kenntnis und mache darauf aufmerksam, daß sie kontinuierlich wiederkehren, wenn die Konjunkturlage schwach und die Ausbildungsplatzsituation angespannt ist. Unbeschadet dessen werde die KMK mit den Ministerpräsidenten Maßnahmen zur Verbesserung des Übergangs vom allgemeinbildenden Schulwesen in das duale System diskutieren."

Für ergänzungsbedüftig halte die KMK das Reformprojekt in den Bereichen Fremdsprachenvermittlung zur Förderung der Mobilität in Europa sowie Einbeziehung der Berufsschule in Ausbildungsverbünde, besonders aber auch bei der Anrechnung vollzeitschulischer Maßnahmen, die zur Entlastung des Ausbildungsstellenmarktes von den Ländern eingerichtet werden. "Insgesamt habe ich die Hoffnung", so der Präsident, "daß in dem sich abzeichnenden Konsens bildungspolitische Fragen einmal nicht als Katastrophenmeldungen, sondern als kooperativer Wettstreit um die beste Lösung Konjunktur haben."