Normungsfragen und Wirtschaftlichkeit im Bildungswesen

Die Zentralstelle für Normungsfragen und Wirtschaftlichkeit im Bildungswesen – ZNWB – ist ein überregionaler Dienst der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und Teil ihres Berliner Büros. Sie besteht seit 1985 zur Fortführung der Arbeiten des Schulbauinstituts der Länder im Bereich der Normung und Wirtschaftlichkeit von Bildungseinrichtungen. Seit 1986 ist die Zentralstelle auch für den Sportstättenbau und für Sportgeräte als Normenbeauftragte der Sportministerkonferenz tätig.
 

Richtlinien und Normenarbeit im Bildungswesen

Die Richtlinien- und Normenarbeit erfolgt in Zusammenarbeit mit den Regelsetzern, insbesondere mit dem Europäischen Komitee für Normung (CEN), den Gremien und Ausschüssen des Deutschen Instituts für Normung (DIN) und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) mit dem Ziel, die für das Bildungswesen bedeutsamen Normen, technischen Vorschriften und Sicherheitsvorschriften auf das sachlich notwendige Maß zu reduzieren und bei notwendigen Regelungen kostengünstige Lösungen zu erreichen. Über geltende Richtlinien und Normen informiert die Zentralstelle in der Bibliographie "Arbeitshilfen zum Schulbau. Vorschriften, Richtlinien und Normen zu Bau, Betriebstechnik und Sicherheit", die fortlaufend aktualisiert wird.

Die "Arbeitshilfen zum Schulbau" stehen als PDF-Datei zur Verfügung
 

Europäische Normungsvorhaben

Europäische Normen dienen der einheitlichen Zertifizierung von Produkten zum Abbau von Handelshemmnissen und betreffen auch Leistungsbeschreibungen bei Ausschreibung und Vergabe. Bund, Länder und Kommunen sind als Auftraggeber öffentlicher Bauten wie auch als Aufsichts- und Fachbehörden direkte oder indirekte Vertragspartner im europäischen Binnenmarkt. Europäische Normen dienen in Streitfällen wie nationale Normen als Referenzgrundlage. Ab 2000 senkt das Bundeswirtschaftsministerium den Zuschuß für die europäische Baunormung bis 2005 kontinuierlich auf 50% der bisherigen Förderung. Wirtschaft und Verbände haben auf Initiative der Arbeitsgruppe "Sportstätten" der Sportministerkonferenz und der Zentralstelle durch Erhöhung ihrer Beiträge bzw. Beihilfen eine rationalisierte Weiterarbeit gesichert.

Im Bereich Sportstättenbau wurden im Jahr 2000 Bodenbeläge und Bodenarten für Sporthallen und Sportplätze sowie Zuschaueranlagen behandelt. Durch gegenseitige Anerkennung und Korrelation von zwei bisher als unvereinbar geltenden Test- und Prüfverfahren wurde die Einigungsarbeit bei den Bodenbelägen und -arten entscheidend vorangetrieben. Auch die Anforderungen an die Funktionalität, Nutzungssicherheit, Gesundheits- und Umweltvorsorge wurden weitgehend geklärt, so daß die Vorhaben der Arbeitsgruppen 2-6 CEN/TC 217 "Sportböden" das Stadium der Ringversuche erreicht haben. Das Entwurfsmanuskript des Vorhabens CEN/TC 315 "Zuschaueranlagen" wurde im Hinblick auf die deutsche Versammlungsstättenverordnung überarbeitet.

Beim CEN-TC 332 für Laborabzüge waren für Vor-Ort-Installations- und Betriebsprüfungen wie auch Nutzungskonzepte britische Muster vorgesehen. Die Zentralstelle hat als Vertreter der öffentlichen Nutzer zusammen mit der Industrie wesentliche Verbesserungen im Hinblick auf deutsche Betriebsregelungen und einen umweltfreundlichen Energieverbrauch einbringen können.

Die Zentralstelle hat sich dafür eingesetzt, dass die Überarbeitung der Schluss-Entwürfe für die europäische Vornorm prENV 1729 "Tische und Stühle für Bildungseinrichtungen" Teil 1 und 2 ruht, um Langzeituntersuchungen an den sog. Mandal-Möbeln, die in die Vornorm Eingang gefunden hatten, abzuwarten.
 

Nationale Richtlinien- und Normenarbeit zur Sicherheit und Gesundheit

Die nationale Richtlinien- und Normenarbeit der ZNWB richtet sich vor allem auf die Regelungsbereiche Unfallverhütung und Sicherheit, Einrichtungen für Spiel und Sport und barrierefreies Bauen. In den Regelungsbereichen Brandschutz, Schallschutz, Wärmeschutz, Heizung, Lüftung, Elektrische Anlagen, Gas/Wasser/Abwasser, Beleuchtung und Kosten/Flächen/Rauminhalte beobachtet die Zentralstelle die Entwicklung und nimmt bei Bedarf Einfluss.

Unter Obmannschaft der Zentralstelle wurde im November 2000 im Arbeitsausschuss "Sicherheit im Schulbau" die Veröffentlichung des Weissdrucks der DIN 58125 "Schulbau – Bautechnische Anforderungen zur Verhütung von Unfällen" beschlossen. Die als Durchführungsanweisung dienende Norm und die Schutzziele der Unfallverhütungsvorschrift "Schulen" (GUV 6.3) waren im Hinblick auf das Sozialgesetzbuch VII überarbeitet worden. Mit dem Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung und den zuständigen Ministerien der Länder wurde eine klare Abgrenzung zwischen Schulen und Arbeitsstätten gemäß Arbeitsstättenverordnung vereinbart, um überhöhte Anforderungen für Schulen zu vermeiden. Doppelregelungen mit der Musterschulbaurichtlinie der Konferenz der für Städtebau-, Bau- und Wohnungswesen zuständigen Minister und Senatoren der Länder wurden beseitigt. Der Abschnitt "Sporthallen" blieb im Inhalt unverändert.

Im Rahmen ihrer Mitwirkung an der Überarbeitung der Muster-Versammlungsstätten-Verordnung hat die Zentralstelle, gestützt auf die Stellungnahmen ihres Beirats, überhöhte bautechnische Anforderungen für Schulkantinen und Schulbühnen sowie personelle Forderungen bei Veranstaltungen mit bühnentechnischen Einrichtungen abgewendet. Im neuen Entwurf der MVstättV vom 6.9.2000 wurde eine erhöhte Sicherheit ohne kostentreibende oder die Nutzung einschränkende Anforderungen erreicht.

In der Fachgruppe "Bildungswesen" des BUK wurde im Sachgebiet "Bau und Einrichtung" ein Merkblatt "Sicherheit auf Außensportanlagen" erarbeitet, das auch Sicherheitsfragen bei der Nutzung von Sportgeräten berücksichtigt.

Zur Überarbeitung und Erweiterung der KMK – "Empfehlung für Richtlinien zur Sicherheit im naturwissenschaftlichen Unterricht" ist die Grundstruktur der Richtlinie neu formuliert und der Abschnitt Biologie im Hinblick auf die neue Verordnung für biologische Arbeitsstoffe und das Gentechnikgesetz überarbeitet worden. Des Weiteren müssen die Strahlenschutzverordnung und die Gefahrstoffverordnung sowie novellierte Rechtsvorschriften berücksichtigt werden. Die neue KMK-Empfehlung wird auch die Fächer Kunst und Technik/Werken abdecken.
 

Wirtschaftlichkeit im Bildungswesen

Zur Qualitätssicherung und Kostendämpfung im Schul- und Sportstättenbau sowie zur Sicherheit und Gesundheit im Schulbetrieb erarbeitet die Zentralstelle Arbeits- und Planungshilfen. Sie werden in unterschiedlichen Schriftenreihen, Monographien, Informationsblättern und -broschüren veröffentlicht. Im Berichtszeitraum standen Planungshilfen zur kostentransparenten Modernisierung von Schulaltbauten der Altersklasse 1860-1920 sowie Arbeitshilfen für bauliche Maßnahmen in Regionen mit zurückgehenden Schülerzahlen im Vordergrund.
 

Schulbautätigkeit in den Ländern

Im Rahmen der "Statistik der Bautätigkeit im Hochbau" werden von den Statistischen Landesämtern auch die Baufertigstellungen von allgemein- und berufsbildenden Schulen erfasst. Diese Angaben zu neuen Schulgebäuden bzw. Baumaßnahmen im Bestand werden jährlich von der Zentralstelle für Normungsfragen und Wirtschaftlichkeit im Bildungswesen abgefragt und ausgewertet. Die Bautätigkeitsstatistik informiert über Anzahl und Flächen der neu errichteten Schulgebäude, unterscheidet jedoch nicht nach Schularten und enthält keine verlässlichen Angaben zu den Kosten der Baumaßnahmen. Daten hierzu enthält die Finanzstatistik, die wiederum nicht zwischen Neubauten und Baumaßnahmen im Bestand unterscheidet. Ein umfassendes Bild über die Entwicklung der Schulbautätigkeit lässt sich daher nur durch die gemeinsame Betrachtung beider gesetzlicher Statistiken herstellen.

Die aktuellen Auswertungen der ZNWB für beide Statistiken können als PDF-Dateien heruntergeladen werden:

Bautätigkeitsstatistik: "Baufertigstellungen Schulgebäude 1991-2000 / Allgemein- und berufsbildende Schulen" Bautätigkeit 1991-2000

Finanzstatistik: "Ausgaben der öffentlichen Haushalte 1992-1998 / Baumaßnahmen Schulen nach Schularten" Finanzstatistik 92-98
 

Kostentransparente Modernisierung von Schulaltbauten

Planen und Bauen im Bestand ist auch in den nächsten Jahren das vorherrschende Thema der Schulbautätigkeit. Im Schuljahr 1998/99 zählte das Statistische Bundesamt 53.084 allgemein- und berufsbildende Schulen im Bundesgebiet. Die Anzahl der Gebäude und der relativ hohe Abnutzungsgrad infolge der Nutzungsdichte implizieren einen erheblichen Sanierungs- und Modernisierungsaufwand. Knapp 15% der Bildungseinrichtungen entstand in den letzten 10 Jahren.

Bis zu 30% des Schulbestandes datiert aus der Bauzeit von 1860 bis 1920. Diese Mauerwerksbauten weisen bestimmte bauliche Qualitäten und deutliche Mängel, z. B. bei den technischen Anlagen auf. Anhand einer Analyse von modernisierten Bauten dieser Altersklasse erarbeitet die Zentralstelle Planungshinweise, die im Hinblick auf funktionelle, hygienische, energetische und ökologische Planungsziele für anstehende Modernisierungsvorhaben anwendbar sind. Als Hilfestellung für die Ermittlung des Kostenrahmens bzw. einer Kostenschätzung der Bauwerkskosten wurden anhand abgerechneter Sanierungsmaßnahmen Planungs- und Kostenkennwerte für Bildungseinrichtungen dieser Altersklasse erarbeitet, die alle Arten der Kostenermittlung von der Kostenschätzung bis zur Kostenfeststellung für Gesamt- und Teilsanierungen unterstützen. Publikationen: Schulbaukosten
 

Maßnahmenkatalog bei zurückgehenden Schülerzahlen

Nach dem vereinigungsbedingten Schülerzuwachs von 2,5 Mio. stieg die Schülerzahl im Bundesgebiet seit 1991 bis zum Schuljahr 1998/1999 von 11,6 auf 12,7 Millionen. Trotz des Gesamtanstiegs um 10,9 % sind einzelne Regionen, vor allem in den neuen Ländern, durch Geburtenrückgang und Migration von einem starken Schülerrückgang betroffen. Die Bildungsversorgung der Bevölkerung in dünn besiedelten Gebieten stellt in den meisten europäischen und außereuropäischen Ländern eine besondere Planungsaufgabe dar. Das Schulgebäude hat hier nicht nur als Bildungsstätte sondern auch als kommunaler Bezugspunkt Bedeutung. Die Weiternutzung bestehender Schulgebäude kann nach verschiedenen Strategien gesichert werden. Sie reichen von der Absenkung der Mindestschulgrößen oder Klassenstärken über die Differenzierung des Schulunterrichts und den vermehrten Einsatz technischer Medien bis zur Mehrfachnutzung als Bildungs- und Weiterbildungsstätte. Auch Umnutzungen der Gebäude in Teilen oder im Ganzen finden statt. Aus Vorsorgeüberlegungen wird vom Verkauf der Schulgebäude mit guter Verkehrsanbindung meist abgesehen. In der Regel ist der Erhalt auch bei Umnutzung der Gebäude wirtschaftlicher als der Abriss. Die Veröffentlichung "Mehrfach- und Mehrzwecknutzung bei zurückgehenden Schülerzahlen in den neuen Ländern" informiert über die gesamte Bandbreite möglicher Maßnahmen sowie nationale und internationale Beispiele als Planungsgrundlage für die betroffenen Regionen bzw. als Entscheidungshilfe für die Schulentwicklungsplanung.    Publikationen: Leitfaden   Mehrzwecknutzung

der "Modernisierungsleitfaden Typenschulbauten" kann als PDF-Datei heruntergeladen werden
 

Beratungs- und Informationsdienste

In den Schriftenreihen, Monographien, Informationsblättern und -broschüren der Zentralstelle werden die je nach Bedarf wichtigsten Schulbauthemen schrittweise bearbeitet. Der Kostendämpfung im Schulbau dienen die Schriftenreihen "Planungs- und Kostendaten von neuen Schulen" und "Planungs- und Kostendaten von Schulmodernisierungen". Nach Schulart bzw. Bauart oder Baujahr gegliedert, unterstützen sie alle Arten der Kostenermittlung von der Kostenschätzung bis zur Kostenfeststellung für Neubauten und Baumaßnahmen im Bestand. Im Jahr 2000 wurde die Reihe "Planungs- und Kostendaten von neuen Sportstätten an Schulen" eingerichtet. Die erste Serie widmet sich der Kostenermittlung von Doppelsporthallen.

Praktische Planungshinweise zu kostensparendem und ökologischem Bauen werden in der Schriftenreihe "Wirtschaftliche Schulbauten in den Ländern in der Bundesrepublik Deutschland" erarbeitet. Hinweise zum schonenden Energieverbrauch sind in nutzerorientierten Empfehlungen zur Energieeinsparung in Schulen zusammengefasst.

In der Schriftenreihe "Planungshilfen für die Instandsetzung und Modernisierung der Typenschulbauten in den neuen Ländern" sind die Typenschulbauten, die rund die Hälfte des Schulbaubestandes in den neuen Ländern ausmachen, mit ihren typischen Sanierungsfeldern und Nutzungsmöglichkeiten dargestellt.

Nach Maßgabe der Erklärung der Kultusministerkonferenz zur Sicherung der beruflichen Bildung in den neuen Ländern wurden Fachraumkategorien für alle Berufsfelder synoptisch aufbereitet, um die Raumprogrammplanung für berufliche Schulen zu erleichtern.

Zur Planung und Umgestaltung von Spiel- und Sportanlagen an Schulen wurden praktische Beispiele zur Gestaltung und Begrünung von Pausenfreiflächen, Spielflächen und Schulgärten zusammengestellt sowie Planungsbeispiele für Schule, Freizeit und Verein zur naturnahen Gestaltung von Spiel- und Sportanlagen erarbeitet. Zum wiederholten Mal war die Zentralstelle Mitveranstalter der internationalen Fachtagung "Schulhofumgestaltung" in Zusammenarbeit mit dem "Berliner Institut für Lehrerfort- und Weiterbildung und Schulentwicklung" und dem Arbeitskreis "Grün macht Schule".

Auf der Grundlage der den Veröffentlichungen und der Öffentlichkeitsarbeit zugrunde liegenden Datenbanken berät die Zentralstelle die für den Schulbau zuständigen Kultus-, Bau- und Finanzbehörden der Länder in Einzelfragen und die an Bildungseinrichtungen interessierten Kreise, das sind Bundesministerien und Botschaften, Forschungseinrichtungen und Verbände, Schul- und Sportstättenträger, Schulverwaltungs- und Bauämter, Schulleiter, Lehrer und Eltern, Planungsbüros, Architekten und Studenten sowie Sachverständige, Investoren und Unternehmensberater.