380. Kultusministerkonferenz trifft israelischen Botschafter

Prien: „Durch Kontakte zwischen Schülern und Studierenden Freundschaften für die Zukunft knüpfen.“

Der neue israelische Botschafter, seine Exzellenz Prof. Ron Prosor, ist heute (8. Dezember) von KMK-Präsidentin Prien zu einem ersten Besuch in der Kultusministerkonferenz in Berlin begrüßt worden. Botschafter Prosor berichtete den anwesenden Ministerinnen und Ministern über seine Wünsche, durch engeren Kontakt zwischen Schülerinnen und Schülern und auch Studierenden im ganzen Land mehr für die deutsch-israelische Freundschaft zu tun.

Karin Prien, Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur in Schleswig-Holstein und amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz betonte die besondere Verbindung zwischen Israel und Deutschland. „Politische Bildung und der Kampf gegen zunehmenden Antisemitismus sind für uns alle in der Kultusministerkonferenz ein Herzensanliegen“, betonte Prien. Eine ganz besondere Rolle spielen dabei auch Schulpartnerschaften und Schüleraustausche. „Das Kennenlernen der gegenseitigen Lebenswirklichkeiten ist für Kinder sowohl aus Israel als auch aus Deutschland wichtig, um die dauerhafte Verbindung zwischen unseren beiden Ländern zu stärken.“ Prien sagte Botschafter Prosor zu, auch nach ihrer Zeit als KMK-Präsidentin einen besonderen Fokus auf dieses Thema zu legen und sich für die deutsch-israelischen Beziehungen einzusetzen. In diesem Zusammenhang wurde auf der Sitzung der Kultusminister auch darüber gesprochen, dass sich die KMK eine stärkere Einbindung der Schulminister beim deutsch-israelischen Jugendwerk wünsche. „Wenn es um die praktische Umsetzung einer Stärkung von Zusammenarbeit zwischen deutschen und israelischen Jugendlichen geht, sind wir in den Schulministerien ein wichtiger Ansprechpartner“, so Prien.

 

Hintergrund:
Die Kultusministerkonferenz und die israelische Botschaft haben vor einigen Jahren eine kommentierte Quellensammlung „Deutschland und Israel – Stationen eines einzigartigen Verhältnisses“ für den Politik- und Geschichtsunterricht erarbeitet. Auf deren Grundlage sollen Lehrkräfte im Schulunterricht die Einzigartigkeit des deutsch-israelischen Verhältnisses von der Vergangenheit bis zur Gegenwart behandeln.

Deutsch-Israelische Schulbuchkommission (DISBK)
Die deutsch-israelische Schulbuchkommission (DISBK) wurde 2009 auf Initiative der KMK und der israelischen Botschaft wiederlebt. Unter Koordinierung des Leibniz-Instituts für Bildungsmedien/Georg-Eckert-Institut haben Fachwissenschaftler, Didaktiker und Pädagogen deutsche und israelische Geschichts-, Geografie- und Sozialkundebücher untersucht und Empfehlungen verabschiedet. Diese wurden 2015 in einer gemeinsamen Fachtagung von KMK, israelischer Botschaft, Georg-Eckert-Institut und Zentralrat der Juden der Fachöffentlichkeit präsentiert.
Zwischenzeitlich hat die binationale Schulbuchkommission digitale Module für den Unterricht in beiden Ländern entwickelt. Diese beziehen sich insbesondere auf die Emigration deutscher Juden nach Palästina, auf die Migration von Juden aus den GUS-Staaten nach Deutschland und nach Israel in den 90er-Jahren, auf Migranten und Asylsuchende in Deutschland und Israel heute etc. Diese wurden im Juni 2021 im Schulausschuss vorgestellt. Die Landesinstitute wurden darum gebeten, diese in die Lehrerfortbildung zu integrieren.

Zusammenarbeit mit Yad Vashem
Im Rahmen einer Delegationsreise der Kultusministerkonferenz im Oktober 2013 nach Israel wurde eine Gemeinsame Erklärung zwischen Kultusministerkonferenz und Yad Vashem unterzeichnet. Mit dieser wurde – zusätzlich zu bereits existierenden Erklärungen einzelner Länder mit Yad Vashem – eine weitere formelle Grundlage für die künftige Kooperation mit Yad Vashem in der Gedenkstättenpädagogik sowie in der Lehrerfortbildung geschaffen. Schülerinnen und Schüler sowie Lehramtsstudierende sollen in einer altersangemessenen Weise Kenntnisse über die Geschichte des jüdischen Vorkriegslebens in Europa sowie des Holocaust erwerben. Anknüpfend an diese gemeinsame Erklärung zwischen KMK und Yad Vashem haben zwischenzeitlich alle 16 Länder Kooperationsvereinbarungen mit Yad Vashem abgeschlossen. Auf deren Grundlage nehmen Lehrkräfte regelmäßig an Fortbildungsmaßnahmen der International School of Holocaust Studies in Yad Vashem teil.

Gemeinsame Empfehlung des Zentralrats der Juden in Deutschland, der Bund-Länder-Kommission der Antisemitismusbeauftragten und der Kultusministerkonferenz zum Umgang mit Antisemitismus in der Schule
In Fortsetzung ihrer Zusammenarbeit haben der Zentralrat der Juden in Deutschland, die Bund-Länder-Kommission der Antisemitismusbeauftragten und die Kultusministerkonferenz am 10. Juni 2021 im Rahmen der 374. Kultusministerkonferenz ihre "Gemeinsame Empfehlung zum Umgang mit Antisemitismus in der Schule“ vorgestellt. In der Schule wird Antisemitismus i. d. R. im Unterricht über Nationalsozialismus und Holocaust thematisiert, aber es gab Antisemitismus schon vor 1933, und es gibt ihn nach 1945. Und auch in Schulen kommt es zu antisemitischen Vorfällen und Äußerungen. Dem vorzubeugen und entgegenzuwirken, ist Anliegen der "Gemeinsamen Empfehlung". Hierzu ist jüngst eine entsprechende Formulierung in die Standards für die Lehrerbildung – Bildungswissenschaften aufgenommen worden. Die Herausforderungen einer schulischen Bildungsarbeit gegen Antisemitismus wurden in Anknüpfung an die Gemeinsame Empfehlung in einer gemeinsamen Fachtagung erörtert, die am 22. Juni 2022 in der Vertretung des Freistaats Bayern beim Bund stattfand. Im Anschluss an die Fachtagung hat die Kultusministerkonferenz sich für die Einrichtung einer Ständigen Arbeitsgruppe mit den Partnern der o. g. Empfehlung ausgesprochen. Die Benennungen sind erfolgt – die Arbeitsgruppe wird voraussichtlich Anfang des Jahres zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammenkommen. Neben den ländergemeinsamen Initiativen gibt es bereits eine Reihe von länderinternen Maßnahmen zur Umsetzung der Empfehlung zum Umgang mit Antisemitismus.