Im Licht der veränderten gesellschaftlichen und schulischen Rahmenbedingungen hat die Kultusministerkonferenz ihre <media>Empfehlung „Zur Arbeit in der Grundschule“</media> aus dem Jahr 1994, die erstmals 1970 beschlossen wurde, überarbeitet. Dabei wurde eine grundlegende Neuausrichtung und Neustrukturierung vorgenommen.
„Die neue Empfehlung fokussiert stärker auf die Wahrnehmungswelt und Denkweise der Kinder in den ersten Schuljahren und ihre besonderen Bedürfnisse und nimmt aktuelle Erkenntnisse der Wissenschaft und Weiterentwicklungen in der Grundschulpraxis auf. Die Grundschule hat als ein Ort grundlegender Bildung prägende Wirkung auf die Selbstzuversicht, Leistungsmotivation, Lernfreude, Selbstbestimmung und Kreativität der Kinder. Insgesamt wurde die Perspektive des Kindes gestärkt“, sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und sächsische Kultusministerin, Brunhild Kurth.
Kurth betonte weiter: „Mit der Überarbeitung soll die qualitative Weiterentwicklung der Grundschule gefördert werden. Kinder wollen lernen und etwas leisten. Der Grundschulunterricht muss eine wertschätzende und angstfreie Lernatmosphäre schaffen. Außerdem sollte eine Ausgewogenheit zwischen Kind- und Leistungsorientierung herrschen. Gezielte Erhebungen des Lernstands müssen als Rückmeldung über den Lernprozess und für weitere Planung des Unterrichts dienen. Für eine gelingende Bildungsbiographie ist es zudem wichtig, dass Übergänge erfolgreich verlaufen. So müssen beispielsweise am Ende der Grundschulzeit Informationen zum Lernstand der einzelnen Kinder an die weiterführenden Schulen gegeben werden. Dies erfordert natürlich Kooperation und gemeinsame Überlegungen, wie solche Übergänge von Seiten der abgebenden und aufnehmenden Institutionen im Sinne des Kindes zu gestalten sind. Auch die Inklusion als langfristiger Reformprozess sowie sonderpädagogische Bildungs-, Beratungs- und Unterstützungsangebote werden ausdrücklich in der Empfehlung genannt. Sie sollen eng mit dem allgemeinen Bildungsangebot verknüpft werden.“
Die Empfehlungen mit den fünf Hauptpunkten „Grundschule als Lern- und Lebensort für alle Kinder“, „Grundschule als Ort grundlegender Bildung“, „Grundschule als Ort qualitätsvoller Bildungsarbeit“, „Grundschule als Teil eines durchgängigen Bildungssystems“ und „Grundschule im Dialog“ sind programmatisch zu sehen. In den Kapiteln 1 und 2 steht die Perspektive des Kindes im Vordergrund; Kapitel 3 beschreibt die Rolle der Lehrkräfte bzw. des pädagogischen und leitenden Personals; Kapitel 4 und 5 weiten den Blick und setzen die Grundschule in den Kontext eines durchgängigen Bildungssystems (Kapitel 4) und beziehen den Dialog mit Eltern und anderen Partnern ein (Kapitel 5). Zuletzt greift ein Ausblick zentrale Gesichtspunkte für eine zukunftsfähige Grundschule auf.