Ergebnisse der Beratungen der Kultusministerkonferenz vom 20.10.2011

Der ursprünglich für den heutigen Donnerstag geplante Besuch von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel in der Kultusministerkonferenz zu den Themen Migration und Bildung, Sprachförderung und bessere Anerkennung von im Ausland erworbenen Bildungsabschlüssen musste kurzfristig abgesagt werden. Die Bundeskanzlerin und die Kultusministerkonferenz bedauern dies, wollen das geplante Gespräch aber so bald wie möglich nachholen. Denn für Bund und Länder bleiben die Themen Bildung und Migration, Sprachförderung und Anerkennung aufgrund ihrer hohen integrationspolitischen Bedeutung ganz oben auf der Tagesordnung.

Die Länder haben seit Jahren erhebliche Anstrengungen sowohl in ihren jeweiligen Zuständigkeiten als auch gemeinsam in der Kultusministerkonferenz unternommen, um Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund gezielt zu fördern - vom Kindergarten über den Primarbereich bis zu den weiterführenden und beruflichen Schulen.

Durch die Anstrengungen in den Ländern und die Koordinierung der Bildungspolitik in der Kultusministerkonferenz konnten in den vergangenen Jahren messbare Erfolge verzeichnet werden:

  • So hat sich der Anteil der Abiturientinnen und Abiturienten mit Migrationshintergrund deutlich erhöht. (1998: 8,7 Prozent; 2008: 10,7 Prozent)
  • Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ohne Schulabschluss oder mit einer geringen Abschlussqualifikation ist gesunken.
  • (1998: 19,5 Prozent, 2008: 15,0 Prozent)
  • Jugendliche mit Migrationshintergrund konnten ihre Lesekompetenzen substanziell verbessern und dadurch die Unterschiede zu Schülern ohne Migrationshintergrund deutlich reduzieren. (PISA 2009 im Vergleich zu PISA 2000)


Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Dr. Bernd Althusmann, betonte: „Wo sonst, wenn nicht in Kindergärten, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Hochschulen können gemeinsames Lernen und Leben am besten eingeübt werden? Wir sehen uns dem Ziel verpflichtet, dass sich die Bildungsbiographien von Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund in einer möglichst raschen Zeitspanne angleichen. Wir können in den nächsten Jahren auf keine tüchtige Hand und auf keinen klugen Kopf verzichten. Denn wir wissen, Menschen mit Migrationshintergrund sind für diese Gesellschaft bereichernd.“

Die Maßnahmen der Länder umfassen insbesondere die individuelle Förderung und die Sprachbildung. So haben alle Länder Bildungspläne bzw. Bildungsvereinbarungen erstellt. Im Mittelpunkt steht dabei der Erwerb grundlegender Kompetenzen. Unterstützend bauen die Länder ihre Angebote aktivierender Elternarbeit aus. Für zugewanderte Schülerinnen und Schüler werden besondere Vorbereitungsklassen und Vorkurse angeboten. Der Migrationshintergrund kann dabei als Ansatzpunkt für eine besondere pädagogische Förderung dienen. Grundschulen und weiterführende Schulen legen besonderen Wert auf differenzierte Lernangebote und zusätzlichen Förderunterricht. In den Lehrplänen der Länder ist die interkulturelle Bildung ein fester Bestandteil.

Die Kultusministerkonferenz hat am Donnerstag der Erstellung einer Expertise im Jahr 2012 in Vorbereitung auf eine gemeinsame Initiative von Bund und Ländern zur Weiterentwicklung der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Lernförderung zugestimmt. Sie vereinbarte, sofort die Frage der Wirksamkeit aufzugreifen und die Ergebnisse der Forschung als Grundlage für die Entscheidung über ein gemeinsames Programm zu nutzen. Eine Wirksamkeitsstudie der unterschiedlichen Fördermaßnahmen und ein Vorschlag für ein Diagnosesystem sind aus Sicht der Länder vordringlich.