Fremdsprachenkompetenz in Europa

Im Eurobarometer 2012 befürworten 98 % der befragten Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union das Erlernen von Fremdsprachen. Tests dagegen offenbaren Kompetenzdefizite.

Neun von zehn EU-Bürgerinnen und -Bürgern halten die Fähigkeit, Fremdsprachen zu sprechen, für sehr nützlich. 98 % sagen, die Beherrschung von Fremdsprachen sei gut für die Zukunft ihrer Kinder. Zu diesem Ergebnis kommt eine Eurobarometer-Umfrage über die Ansichten der EU-Bürgerinnen und -Bürger zu Mehrsprachigkeit und Fremdsprachenerwerb.

Diesem Wunsch steht allerdings die Wirklichkeit der Fremdsprachenkompetenz gegenüber, die die Erhebung untersuchte. Danach zeigten Tests bei Schülerinnen und Schülern im Teenageralter in den 14 beteiligten europäischen Staaten, dass nur 42 % ihre erste Fremdsprache wirklich beherrschen, bei der zweiten Fremdsprache sind es nur 25 %. Deutschland war an der Untersuchung nicht beteiligt.

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die in ihrer ersten Fremdsprache sattelfest sind, liegt zwischen 82 % in Malta und Schweden (wo Englisch erste Fremdsprache ist) und nur 14 % in Frankreich (Englisch) und 9 % in England (Französisch). Eine auffällige Änderung seit 2005 liegt darin, dass die Menschen durch das Internet angeregt wurden, ihrer passiven Lese- und Hörverständnisfähigkeiten in Fremdsprachen zu erweitern. Die Anzahl der Europäerinnen und Europäer, die regelmäßig im Internet Fremdsprachen verwenden, beispielsweise über soziale Medien, ist um 10 Prozentpunkte von 26 % auf 36 % gestiegen.

Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, kommentierte: "Dieses Eurobarometer zeigt, dass Mehrsprachigkeit und Sprachenerwerb den Menschen sehr wichtig sind, worüber wir uns freuen sollten. Allerdings müssen wir auch mehr dafür tun, das Lehren und Lernen von Fremdsprachen zu verbessern. Die Fähigkeit, in einer fremden Sprache zu kommunizieren, erweitert den Horizont und öffnet Türen; sie verbessert die Beschäftigungsfähigkeit und öffnet Unternehmen mehr Chancen auf dem Binnenmarkt."

Zehn Jahre, nachdem die Staats- und Regierungschefs 2002 in Barcelona erklärt hatten, dass mindestens zwei Fremdsprachen ab einem sehr frühen Alter unterrichtet werden sollten, sind den Menschen in Europa die Vorteile der Mehrsprachigkeit weitgehend bewusst. Fast drei Viertel (72 %) sind mit dieser Zielsetzung einverstanden und 77 % sind der Meinung, sie sollte politische Priorität genießen. Mehr als die Hälfte der Menschen in Europa (53 %) verwenden Fremdsprachen am Arbeitsplatz und 45 % meinen, sie haben dank ihrer Fremdsprachenkenntnisse eine bessere Arbeitsstelle in ihrem eigenen Land bekommen.

Presseinformation der EU-Kommission "Eurobarometer: 98 % finden das Erlernen von Fremdsprachen gut für ihre Kinder, während Tests Kompetenzdefizite offenbaren"

Erste Europäische Erhebung zu Sprachenkenntnissen












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