Die Kultusministerkonferenz hat erstmalig eine <media download_pdf><img alt="undefined" src="fileadmin/img/icons/download_pdf.gif">„Förderstrategie für leistungsstarke Schüle-rinnen und Schüler“</media> beschlossen. Das Ziel der Förderstrategie ist es, den leistungsstarken Schülerinnen und Schülern Lernbedingungen zu schaffen, die ihnen eine optimale Entfaltung ihrer Potentiale ermöglichen und ihnen ihrer individuellen Leistungsfähigkeit entsprechende bestmögliche Bildung zu vermitteln.
„Bislang haben wir in der Kultusministerkonferenz einen Schwerpunkt auf die Förderung von leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern gelegt - und das nicht ohne Erfolg, wie die aktuellen Bildungsstudien zeigen. Wir müssen uns jedoch auch fragen, wie wir die starken Schüler noch besser unterstützen können. Das gehört für mich ebenso zur Frage der Bildungs- und Chancengerechtigkeit. Durch die PISA-Studien und die Ländervergleiche der KMK mussten wir feststellen, dass es nur einen vergleichsweise geringen Anteil von Schülerinnen und Schülern auf den beiden oberen Kompetenzstufen sowohl im Bereich der Mathematik und der Naturwissenschaften als auch in Deutsch und Englisch gibt. Die Anzahl der Schüle-rinnen und Schüler, die es in die obersten Leistungsstufen schaffen, hat sich zudem seit der ersten PISA-Studie nicht wesentlich verändert. Das unterstreicht die Notwendigkeit für ein derartiges Papier“, sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und sächsische Kultus-ministerin, Brunhild Kurth.
Die Förderstrategie empfiehlt, die Maßnahmen im Bereich der Diagnostik, der innerschulischen wie außerschulischen Förderung und Begleitung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Leistungspotenzialen zu verstetigen. In allen Phasen der Lehrerbildung bedarf es erhöhter Anstrengungen, um die Kenntnisse und Kompetenzen von Lehrkräften im Bereich der schulischen und außerschulischen Förderung von leistungsstarken und potenziell leistungsfähigen Schülerinnen und Schüler auszubauen. Die begabungsgerechte Förderung umfasst die gesamte Lernbiographie eines Kindes. Die vorliegende Förderstrategie bezieht sich auf den Primar- und Sekundarbereich und lenkt den Blick auch auf die Gestaltung der Übergänge.
KMK-Präsidentin Kurth betonte weiter: „Wir brauchen die leistungsstarken Schülerinnen und Schüler nicht zuletzt auch für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland. Des-halb hat Kultusministerkonferenz eine Förderstrategie entwickelt, um diese Schüler zu erken-nen und sie systematisch zu fördern und zu begleiten.“
Diese Zielgruppe umfasst Schülerinnen und Schüler, die bereits sehr gute beobachtbare Leistungen erbringen, ebenso wie Schülerinnen und Schüler, deren Potenziale es zu erkennen und durch gezielte Anregung und Förderung zu entfalten gilt. Entsprechend der Mehrdimensionalität des Leistungsbegriffes geht es neben der vorrangigen Förderung der allgemeinen intellektuellen Begabung auch um die Förderung der musischen, sportlichen und emotionalen Fähigkeiten.
Was beinhaltet die Förderstrategie konkret?
1. Diagnostik
- Stärkung diagnostischer Kompetenz der Lehrerinnen und Lehrer
- Empfehlung schulexterner Schulberatungsstellen
- Erstellung von Entwicklungs- und Förderplänen durch Lehrkräfte.
2. Enrichment (Anreicherung)
- Erweiterung von Lernangeboten für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler
- Schaffung von Freiräumen für selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Lernen
- Einrichtung temporärer Lerngruppen in klassen- oder jahrgangsübergreifender Form
- Einsatz leistungsstarker Schülerinnen und Schüler als Schülertutoren
- Ermutigung zur Teilnahme an außerunterrichtlichen Angeboten wie Wettbewerben, Kinderakademien und Arbeitsgemeinschaften
- Angebote an weiterführenden Schulen in Form von komplexen Leistungen, Facharbei-ten bis hin zur Teilnahme an einem Frühstudium.
3. Akzeleration
- Ermöglichung von früherer Einschulung, schnellerem Bearbeiten von Lehrplänen oder Durchlaufen der Schullaufbahn wie Überspringen von Klassen oder Teilnahme an ein-zelnen Unterrichtsstunden höherer Klassen
- Schaffung flexibler Eingangsstufen und altersgemischter Klassen.
4. Gruppierung (äußere Differenzierung)
- Ermöglichung von Spezialklassen oder Spezialschulen mit homogenen Lerngruppen für zusätzlichen Unterricht.
5. Integrierte Förderung (innere Differenzierung)
- Umsetzung durch offene Unterrichtsformen wie Freiarbeit, Wochenplanarbeit oder Werkstattarbeit
- Entwicklung besonderer Aufgabenformate zur selbstverantwortlichen und selbstge-steuerten Bearbeitung.
6. Schulergänzende Maßnahmen
- Ermutigung zur Teilnahme an Schülerwettbewerben, Feriencamps, Auslandsaufent-halten.
7. Qualitative Weiterentwicklung der Lehrerbildung
- Vorbereitung auf den Umgang mit einer heterogenen Schülerschaft
- Angebot von Fortbildungen zur Stärkung der Diagnosekompetenz.
8. Stärkung von Bildungspartnerschaften
- Einbeziehung von Personen mit unterschiedlichen Kompetenzen in die Förderung leis-tungsstarker Schülerinnen und Schüler
- Kooperation von Familie und Lehrern
- Aufbau von Schulnetzwerken, regionalen Bildungsnetzwerken.