Mit modernen Berufen in das neue Ausbildungsjahr

Mit fünf modernisierten Ausbildungsberufen, deren Ausbildungsordnungen zum 1. August 2012 in Kraft treten, beginnt für viele Berufsschüler und Berufsschülerinnen das neue Schuljahr. Moderne, an den betrieblichen Erfordernissen orientierte Berufe leisten einen wichtigen Beitrag, um die Innovationsfähigkeit und damit die internationale Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft sicherzustellen. In der Kultusministerkonferenz wurde bei der Gestaltung neuer Rahmenlehrpläne insbesondere darauf geachtet, dass sie breit angelegt sind, um so berufliche Mobilität zu sichern und eine qualifizierte Beschulung in der Nähe des Ausbildungsortes zu ermöglichen.

Neugeordnete Ausbildungsberufe:

  • Fachangestellter für Arbeitsmarktdienstleistungen/Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen
  • Pharmazeutisch-kaufmännischer     Angestellte/Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte
  • Schilder-     und Lichtreklamehersteller/Schilder- und Lichtreklameherstellerin
  • Schornsteinfeger/Schornsteinfegerin
  • Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik/Verfahrensmechanikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik


Bedingt durch die inhaltlichen als auch strukturellen Veränderungen im Sozialgesetzbuch insbesondere zur gesetzlichen Arbeitslosenversicherung wurde die Ausbildungsordnung der Fachangestellten für Arbeitsförderung aus dem Jahr 1999 modernisiert. Die Veränderungen in der Aufgabenstellung, die Einführung neuer Organisationsmodelle, die Zentralisierung von internen Dienstleistungen sowie die verstärkte Kundenorientierung wurden in der Neuordnung des dreijährigen Berufes Fachangestellter fürArbeitsmarktdienstleistungen/Fachangestellte für Arbeitsmarktdienstleistungen berücksichtigt. Die Kultusministerkonferenz hat ihren Rahmenlehrplan für den berufsbezogenen Unterricht an der Berufsschule dementsprechend überarbeitet.

Ebenso wurde der Ausbildungsberuf Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter/ Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte aus dem Jahre 1993 modernisiert. Im Berufsbild des neu geordneten dreijährigen Ausbildungsberufes ist neben den kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Tätigkeiten in Apotheken der Dienstleistungscharakter des Berufes stärker betont. Darüber hinaus wurden Zukunftsaufgaben wie die Mitwirkung an der aktiven Positionierung der Apotheke am Markt, die Verkaufsförderung sowie die Betreuung und Erweiterung des Kundenstamms stärker berücksichtigt. Der Rahmenlehrplan für den berufsbezogenen Unterricht an der Berufsschule wurde auf das Lernfeldkonzept der Kultusministerkonferenz umgestellt.

Neu „beleuchtet“ wurde auch der Beruf Schilder- und Lichtreklamehersteller/Schilder- und Lichtreklameherstellerin. Die technische und strukturelle Entwicklung ist in diesem dreijährigen Ausbildungsberuf seit der letzten Neuordnung im Jahre 1999 stark fortgeschritten. Viele Unternehmen der Branche haben sich seitdem auf bestimmte Arbeitsbereiche spezialisiert. Damit ergab sich die Notwendigkeit, die praktische Ausbildung im dritten Ausbildungsjahrin in zwei Schwerpunkte zu gliedern: Technik, Montage, Werbeelektrik/-elektronik und Grafik, Druck, Applikation. In der Berufsschule findet jedoch keine Differenzierung statt. Neben dem Entwerfen, Gestalten und Fertigen von Kommunikations- und Werbeanlagen wurde die Kundenberatung hinsichtlich der Umsetzung und Ausführung der Arbeiten ein wichtiger Bestandteil des Berufsbildes. Der Rahmenlehrplan der Kultusministerkonferenz für die berufsschulische Ausbildung wurde infolgedessen überarbeitet.

Die neuen gesetzlichen Bedingungen für das Schornsteinfeger-Handwerk beinhalten einen eingeschränkten hoheitlichen Bereich und gehen damit konform mit den europarechtlichen Vorgaben zur Niederlassungs-und Dienstleistungsfreiheit. Dies war einer der Hauptgründe, die Ordnungsmittelfür den dreijährigen Ausbildungsberuf Schornsteinfeger/Schornsteinfegerin von 1997 zu überarbeiten. Aber auch die gestiegenen Anforderungen im Brand-, Immissions-, Klima- und Gesundheitsschutz und der damit verbundenen intensiveren Beratung der Kunden wurden bei der Modernisierung des Berufsbildes berücksichtigt. Darüber hinaus wurde der Rahmenlehrplan für den berufsbezogenen Unterricht an der Berufsschule auf das Lernfeldkonzept der Kultusministerkonferenz umgestellt.

Der kurze Abstand seit der Neuordnung des dreijährigen Ausbildungsberufes Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik/Verfahrensmechanikerin für Kunststoff-und Kautschuktechnik im Jahre 2006 zeigt, wie schnell Verarbeitungstechniken in der Kunststoff und Kautschuk verarbeitenden Industrie neu- bzw. weiterentwickelt werden und die Vielfältigkeit der Produkte der Branche wächst. Hochtechnisierte Prozesse stehen neben handwerklichen Verfahren und die Unternehmen spezialisieren sich teilweise stärker. Daher spiegelt auch das modernisierte Berufsbild eine stärker ausgeprägte Differenzierung in sieben Fachrichtungen: Formteile, Halbzeuge, Mehrschichtkautschukteile, Compound- und Masterbatchherstellung, Bauteile, Faserverbundtechnologie sowie Kunststofffenster wider. Der Rahmenlehrplan der Kultusministerkonferenz für die berufsschulische Ausbildung wurde dementsprechend überarbeitet, wobei eine gemeinsame Beschulung in den Lernfeldern des 3. Ausbildungsjahres im überwiegenden Teil möglich ist.

Seit nunmehr 40 Jahren arbeiten die Bundesregierung und die Kultusministerien der Länder gemäß dem „Gemeinsames Ergebnisprotokoll betreffend das Verfahren bei der Abstimmung von Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrplänen im Bereich der beruflichen Bildung“ vom 30.05.1972 bei der Neuordnung von dualen Ausbildungsberufen erfolgreich zusammen. In dieser Zeit wurden insgesamt 557Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrpläne für duale Ausbildungsberufe abgestimmt. Somit wurde eine moderne Grundlage für Ausbildungsverhältnisse in fast allender derzeit 344 Ausbildungsberufe im dualen System geschaffen. Dabei wurden einige der Berufe in den letzten 40 Jahren mehr als nur einmal modernisiert und es wurden auch völlig neue zeitgemäße Berufe geschaffen. In diese Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern sind auch die Sozialpartner eingebunden.

Mit der fortlaufenden Modernisierung der Rahmenlehrpläne für den berufsbezogenen Unterricht an den Berufsschulen leisten die Kultusministerien der Länder ihren Beitrag dazu, der deutschen Volkswirtschaft qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung zu stellen.

Die neuen Rahmenlehrpläne sindOpens external link in new window hier zu finden.