Unsere Schulen zeichnen sich durch eine Kultur der Vielfalt aus. Dies gilt auch für die Vielfalt der Kulturen von Schülerinnen und Schülern mit ihrer Geschichte aus verschiedenen Herkunftsländern – unabhängig davon, ob sie erst seit Kurzem oder schon seit mehreren Generationen in Deutschland leben und unabhängig davon, welche Staatsangehörigkeit sie besitzen.
Was tun Schulen zur Entwicklung einer interkulturellen Schul- und Unterrichtsentwicklung? Welche Unterstützung brauchen Lehrkräfte, damit sie einen wirkungsvollen Beitrag zur interkulturellen Schulentwicklung leisten können? Welche interkulturellen Kompetenzen sollen Schülerinnen und Schüler innerhalb und außerhalb des Unterrichts erwerben? Diese und andere Fragen diskutierten rund 200 Fachleute aus Wissenschaft, Schulpraxis, Bildungsverwaltungen und Verbänden am Mittwoch auf einer Fachtagung der Kultusministerkonferenz zum Thema „Interkulturelle Bildung und Erziehung in der Schule“.
Die Tagung erfolgte in Kooperation mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, der Freudenberg Stiftung, der Hildegard Lagrenne Stiftung für Bildung, Inklusion und Teilhabe von Sinti und Roma in Deutschland, der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft, der Robert Bosch Stiftung, der Stiftung Mercator und der Vodafone Stiftung Deutschland.
Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann warb in ihrer Eröffnungsrede für eine wertschätzende Bildungs- und Gesellschaftspolitik im Sinne einer gleichberechtigten Teilhabe für Menschen mit Migrationshintergrund. „Wir erleben in unserer Gesellschaft einen begrüßenswerten Wandel, durch den die Vielfalt der Kulturen und der Reichtum an Sprachen, Traditionen und Religionen anerkannt werden. Doch dieser Veränderungsprozess ist noch nicht abgeschlossen“, erklärte Löhrmann. Schule könne einen Beitrag dazu leisten, die kulturelle Vielfalt als Bereicherung für alle zu leben und Vorurteile abzubauen. „Wir müssen weiter intensiv daran arbeiten, dass Bildung die Chancen für Kinder aus Familien mit einer Einwanderungsgeschichte erhöht. Beides gehört für mich untrennbar zusammen: Der Konsens über die Chancen einer respektvollen Kultur der Vielfalt und die gleiche Chance auf Teilhabe am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben durch Bildung.“
Anlass für die Tagung ist die Empfehlung „Interkulturelle Bildung und Erziehung in der Schule“ der Kultusministerkonferenz, die im Dezember 2013 in aktualisierter Fassung beschlossen wurde.
Die Empfehlung versteht Schule als Lern- und Lebensort für alle. Der Diskriminierung einzelner Personen und Personengruppen tritt die Schulgemeinschaft aktiv entgegen. Zur interkulturellen Kompetenzentwicklung gehört eine offene, demokratische Gesprächs- und Schul-kultur, die inhaltliche Angebote in den Bereichen Europabildung, Demokratiepädagogik, Globales Lernen und nachhaltige Entwicklung macht. Ein weiterer Grundsatz hebt die Verantwortung der Schule für die Vermittlung bildungssprachlicher Kompetenzen hervor. Dies bedeutet eine durchgängige Sprachbildung in allen Fächern und über alle Schulstufen hinweg. Schließlich empfiehlt die KMK den Schulen, Bildungs- und Erziehungspartnerschaften mit Eltern zu gründen. Eltern werden zur Mitarbeit in Gremien ermutigt und einbezogen. In diesem Zusammenhang hat die Kultusministerkonferenz im Oktober 2013 eine gemeinsame Erklärung mit den Migrantenverbänden zur Bildungs- und Erziehungspartnerschaft von Schule und Eltern abgegeben.