Erstmalige Verleihung des Henny Brenner Preises - Auszeichnungen für Claudius Verlag und Wochenschau Verlag
Der Preis würdigt herausragende Bildungsmedien, die jüdisches Leben fachlich fundiert, differenziert und didaktisch hochwertig darstellen. Ausgezeichnet wurden ein Schulbuch des Claudius Verlags und das Themenheft „Nie wieder ist jetzt – Antisemitismus“ des Wochenschau Verlags.
Die sechsköpfige Jury unter dem Vorsitz von Dr. Felix Klein wählte die Gewinner anhand von Kriterien wie Multiperspektivität, Authentizität und der Förderung antisemitismuskritischer Kompetenzen aus. Der Preis wurde in der Kategorie „Sekundarstufe“ sowie als „Sonderpreis“ vergeben und ist in beiden Kategorien mit jeweils 5.000 Euro dotiert.
Preis in der Kategorie „Sekundarstufe“: Claudius Verlag
Ausgezeichnet wurde das Schulbuch „OrtswechselPLUS“ (Jahrgangsstufe 9). Die Jury lobte das Werk dafür, dass es ein „differenziertes, multiperspektivisches Bild des Judentums“ präsentiert. Besonders hervorgehoben wurde die Darstellung jüdischer Vielfalt, die religiöse wie säkulare Identitäten einschließt und durch persönliche Texte gängigen Klischees entgegenwirkt.
Das Buch fördert zudem eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen kulturellen Hintergrund: So wird der christliche Antijudaismus thematisiert und das Versagen der Kirchen während der NS-Zeit kritisch beleuchtet. Auch der Staat Israel und der Zionismus werden als Themen fundiert und unter Einbeziehung kontroverser Narrative behandelt. Nach dem Urteil der Jury, gehört das Kapitel zum Judentum „zu den besten, die in Religions- und Ethikschulbüchern bisher gesehen wurden“.
Sonderpreis: Wochenschau Verlag
Der Sonderpreis ging an das Themenheft „Nie wieder ist jetzt – Antisemitismus“ (Sekundarstufe II). Die Jury würdigte das Heft als „inhaltlich hochaktuelles Lehrmaterial, das den komplexen Anforderungen an eine zeitgemäße Antisemitismusprävention gerecht wird“. Das Material bezieht sich explizit auf die Arbeitsdefinition der IHRA und bietet Schülern konkrete Werkzeuge an, wie den „3-D-Test“ zur Unterscheidung von legitimer Israelkritik und Antisemitismus.
Das Heft überzeugt durch seine Aktualität: Es thematisiert den Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 und dessen Auswirkungen auf Jüdinnen und Juden in Deutschland sachlich und empathisch. Zudem leistet es einen wichtigen Beitrag zur Medienkompetenz, indem es Verschwörungserzählungen dekonstruiert und politische Rhetorik sowie Memes im digitalen Raum analysiert.
Dr. Felix Klein betonte im Rahmen der festlichen Preisverleihung in der Vertretung des Landes Mecklenburg-Vorpommern: „Schulbuchverlagen kommt bei der Vermittlung von jüdischem Leben und Prävention von Antisemitismus eine Schlüsselfunktion zu. Mit dem diesjährigen Henny Brenner Preis würdigen wir das Engagement des Claudius Verlags und des Wochenschau Verlags, die diese Verantwortung in herausragender Weise wahrnehmen. Gleichzeitig möchten wir alle Akteure im Bildungsbereich an-spornen, diesem für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt so wichtigen Thema die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken.“
Simone Oldenburg sagte: „Antisemitismus ist Gift für unsere Demokratie. Deshalb müssen wir junge Menschen befähigen, ihn zu erkennen und ihm entschieden entgegenzutreten. Die heute ausgezeichneten Verlage leisten dazu einen unschätzbaren Beitrag: Ihre Materialien vermitteln nicht nur Wissen, sondern auch demokratische Werte und Haltung. Sie zeigen, wie Bildung Vorurteile abbaut und unsere Gesellschaft zusammenhält. Dafür danke ich den Preisträgern ausdrücklich.“
Neben Dr. Felix Klein und Simone Oldenburg, sprach Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, ein Grußwort.
Der Preis erinnert an Henny Brenner (1924–2020), eine Überlebende der Shoah, die sich zeitlebens für Versöhnung und Erinnerung engagierte. Er zeichnet Bildungsmedien aus, die jüdisches Leben als selbstverständlichen Teil der deutschen Gesellschaft zeigen, ohne Stereotype zu reproduzieren, und jungen Menschen eine kritische Haltung gegenüber Antisemitismus vermitteln.
Die Auszeichnung steht im Einklang mit aktuellen Empfehlungen zur Darstellung des Judentums in Bildungsmedien. Die Kultusministerkonferenz hat hierzu Leitlinien veröffentlicht, die eine differenzierte und stereotypefreie Vermittlung jüdischen Lebens fordern. Auch die vom Beauftragten der Bundesregierung erarbeiteten Qualitätsmerkmale für Bildungsmedien unterstreichen diesen An-spruch. Beide Initiativen verfolgen das gemeinsame Ziel, Lehrkräfte und Verlage dabei zu unterstützen, Materialien zu entwickeln, die Antisemitismus vorbeugen und Demokratiebildung stärken.
Weitere Informationen finden Sie hier:
https://www.antisemitismusbeauftragter.de/buchpreis
Rückfragen:
Michael Reichmann
Sekretariat der Kultusministerkonferenz (KMK)
Pressesprecher
Taubenstraße 10
10117 Berlin
Tel.: +49 30 25418-462
michael.reichmann@kmk.org
www.kmk.org


