Schülerzahlen: Es kommt noch einmal Rheinland-Pfalz dazu
Die Bildungsministerkonferenz hat heute die aktuellen Vorausberechnungen der Schülerzahlen bis 2040 vorgestellt. Nach den neuen Berechnungen wächst die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in Deutschland bis 2032 weiter deutlich an. Selbst nach dem erwarteten Rückgang ab 2032 bleibt die Schülerzahl auf hohem Niveau. Das heißt: In 15 Jahren werden immer noch mehr Kinder und Jugendliche im Bildungssystem sein als heute. Die jetzt veröffentlichten Berechnungen nutzen die Länder unter anderem für die Planung von Schulbau, Personalbedarf und individuellen Fördermaßnahmen.
Nach den Prognosen der Bildungsministerkonferenz steigt die Zahl der Schülerinnen und Schüler zunächst weiter an – von rund 11,2 Millionen im Jahr 2024 auf knapp 11,8 Millionen im Jahr 2032. Das sind fast 600.000 zusätzliche Kinder und Jugendliche – ein Plus, das in etwa der Zahl aller Schülerinnen und Schüler eines mittelgroßen Bundeslandes wie Rheinland-Pfalz entspricht. Umgerechnet auf Deutschland bedeutet das rund 24.000 zusätzliche Klassen oder fast 1.200 neue Schulen.
Nach dem vorläufigen Höchststand im Jahr 2032 sinkt die Zahl der Schülerinnen und Schüler langsam wieder, liegt 2040 mit rund 11,3 Millionen aber immer noch 77.000 über dem Wert von 2024. Das entspricht in etwa der gesamten Schülerzahl eines kleinen Bundeslandes wie Bremen und bedeutet rund 3.000 zusätzliche Klassen gegenüber dem Ausgangsjahr.
„Die Zahl der Schülerinnen und Schüler wird in den kommenden Jahren weiter steigen – und jede und jeder einzelne ein Recht auf gute Bildung und hochwertige Abschlüsse“, erklärt Simone Oldenburg, Präsidentin der Bildungsministerkonferenz. „Unsere Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass das System auch bei höheren Schülerzahlen den Bedürfnissen aller Schülerinnen und Schüler gerecht wird. Die Bedarfe verändern sich – mal in der Grundschule, mal in der Sekundarstufe. Auf der Grundlage verlässlicher Daten brauchen wir kluge Steuerung und Flexibilität. Wir müssen heute die Weichen stellen: mit ausreichend Lehrkräften, moderner Infrastruktur und einer zuverlässigen digitalen Ausstattung. Bildung ist die Grundlage für gesellschaftlichen Zusammenhalt und wirtschaftliche Zukunft. Deshalb gilt: Wir handeln vorausschauend, damit jedes Kind – unabhängig von Herkunft und Wohnort – die besten Chancen erhält.“
Große regionale Unterschiede
Das Wachstum verteilt sich regional sehr unterschiedlich. Während die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den westdeutschen Flächenländern erst 2033 ihren Höchststand erreicht – ein Plus von fast 8 Prozent gegenüber 2024 – und bis 2040 noch immer rund vier Prozent über dem Ausgangswert liegen dürfte, beginnt der Rückgang in den ostdeutschen Flächenländern bereits ab 2027. Bis 2040 wird dort ein Minus von mehr als 16 Prozent erwartet. Auch in den Stadtstaaten wird 2040 ein Rückgang gegenüber 2024 um knapp fünf Prozent prognostiziert. Der Höchststand des aktuellen Wachstums wird hier 2028 erreicht.
Zeitversetzte Entwicklungen in den Schulstufen
Demografische Effekte wirken sich zeitlich versetzt auf die Schulstufen aus. Die Primarstufe wird bis 2040 um rund neun Prozent schrumpfen, während die Sekundarstufe II weiter wächst und 2040 ein Plus von fast zehn Prozent gegenüber 2024 verzeichnen wird. In der Sekundarstufe I ist der Höchststand 2031 mit knapp fünf Millionen Schülerinnen und Schülern erreicht, bevor die Zahlen wieder leicht zurückgehen und 2040 mit insgesamt rund 4,5 Millionen nur noch etwas mehr als zwei Prozent über dem Niveau von 2024 liegen.
Die geburtenschwächeren Jahrgänge, die nun ins System eintreten, werden es in den kommenden Jahrzehnten durchlaufen und nachhaltige Auswirkungen auf den Rückgang der Schülerzahlen haben – vermutlich auch über 2040 hinaus. Damit endet das Wachstum der Schülerzahlen.
Hintergrund
Die aktuelle Entwicklung wird von zwei gegenläufigen demografischen Trends bestimmt: Zum einen wirkt sich die hohe Zuwanderung der vergangenen Jahre – insbesondere infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine – deutlich aus. Rund 230.000 Schülerinnen und Schüler ukrainischer Herkunft sind in der Prognose berücksichtigt.
Zum anderen ist die Geburtenrate seit 2022 spürbar gesunken. Laut Statistischem Bundesamt lag sie 2024 bei 1,35 Kindern pro Frau – und damit rund neun Prozent niedriger als noch 2022. Diese geburtenschwachen Jahrgänge werden in den kommenden Jahrzehnten das Bildungssystem prägen und langfristig zu einem Rückgang der Schülerzahlen führen.
Die Kultusministerkonferenz veröffentlicht seit 1963 regelmäßig Vorausberechnungen zur Entwicklung der Schülerzahlen. Die aktuelle Prognose basiert auf den Ist-Zahlen des Schuljahres 2023/24 sowie den jeweils aktuellen Bevölkerungsprognosen der Länder. Sie folgt dem Prinzip einer struktur- und bestandsorientierten Trendprognose: Das derzeitige Übergangs- und Wahlverhalten der Schülerinnen und Schüler wird fortgeschrieben und bei der Modellanlage und Quotenfestsetzung werden die schon erkennbaren Entwicklungen mitberücksichtigt. Die Ergebnisse zeigen somit, wie sich die Zahlen bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen und voraussehbaren Trends entwickeln würden.
Die Vorausberechnung ist ein zentrales Planungsinstrument der Länder. Sie dient nicht nur der Abschätzung des Lehrkräftebedarfs, sondern auch der Planung von Schulbau, Ausstattung und Programmen zur individuellen Förderung. Zudem bildet sie die Grundlage für die Berechnung des künftigen Bedarfs an Ausbildungsplätzen und für die Hochschulprognosen.
Die aktuellen Vorausberechnungen bis 2040 finden Sie hier:
https://www.kmk.org/dokumentation-statistik/statistik/schulstatistik/vorausberechnung-der-schueler-und-absolventenzahlen.html
Rückfragen
Michael Reichmann
Sekretariat der Kultusministerkonferenz (KMK)
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