Kultusminister Konferenz

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Drei Fragen an Britta Ernst

Zukunft der Bildung in der digitalen Welt

Drei Fragen an Britta Ernst, Präsidentin der Kultusministerkonferenz

           
 

Sie haben das Thema „Lernen und Lehren – guter Unterricht in Zeiten der digitalen Transformation“ zum Schwerpunkt Ihrer Präsidentschaft erklärt. Welche Erwartungen verbinden Sie damit?

Wir stellen gerade in allen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens fest, dass wir im Digitalen noch nicht dort sind, wo wir sein wollen. Das gilt für die Verwaltung, das gilt für die flächendeckende Versorgung mit leistungsfähigen Internetzugängen und es gilt für den Bildungsbereich.

Die öffentliche Debatte konzentriert sich zurzeit noch stark auf Fragen der Infrastruktur und Ausstattung. Mit dem Digitalpakt und seinen Zusatzvereinbarungen kommen wir hier für die Schulen auch deutlich voran. Um es klar zu sagen: Ausstattung und Netzausbau sind zwar notwendige Voraussetzungen, aber noch keine hinreichende Bedingung für eine gute Bildungsentwicklung in der digitalen Welt.

Ich möchte den Blick darauf lenken, wie Unterrichtsqualität im Zeitalter der Digitalisierung gedacht, gestaltet und umgesetzt wird. Digitalisierung und guter Unterricht – das gehört zusammen. Die zentrale Frage lautet, mit welchen digitalen Werkzeugen, Medien und Hilfsmitteln guter, anregender Unterricht gestaltet werden kann, der auf die individuellen Lern- und Förderbedarfe eingeht. Wir wollen keine Technisierung des Unterrichts erreichen, sondern die Lehr- und Lernprozesse mit digitaler Lern- und Unterrichtsformaten unterstützen und entscheidend verbessern. Dies erfordert eine Didaktik, in der analoges und digitales Lernen nicht als Gegensatzpaar verstanden werden, sondern sich ergänzen und insbesondere auch fachdidaktische Konzepte.

Wie stellen Sie sich die digitale Transformation in der Schul- und Unterrichtsentwicklung vor?

Auch wenn der Unterricht außerhalb der Schule nach der Pandemie keine zentrale Rolle mehr spielen soll, so sind die Erfahrungen, die Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler derzeit im Distanzunterricht machen, sehr wichtig. Die Hemmschwelle, neue Unterrichtsmethoden mit Hilfe digitaler Anwendungen auszuprobieren, ist spürbar gesunken. Noch nie haben so viele Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler so häufig mit digitalen Medien und Werkzeugen unterrichtet und gelernt wie in den letzten Monaten. Dieses gilt es zu nutzen.

Schülerinnen und Schüler sowie ihre Eltern berichten von vielen Beispielen, dass Lernen im Distanzunterricht gut gelingt. Andere Erfahrungen zeigen aber auch, dass der Einsatz digitaler Medien nicht automatisch zu einem guten oder sogar besseren Unterricht führt. Es wird daher darauf ankommen, die guten Erfahrungen und guten Konzepte wissenschaftlich zu fundieren und zu verallgemeinern, damit daraus Konzepte für alle Schulen werden und die digitale Schulentwicklung nachhaltig vorankommt.

Die Länder sind in diesem Bereich miteinander im intensiven Austausch, wie dies geschehen kann. Wir wollen systematisch Forschung, Lehrkräftebildung und Schulpraxis miteinander verbinden, um neue Unterrichtskonzepte zu entwickeln, zu erproben und sie dann für die Schulen bereit zu stellen.

Welche Funktion hat die Kultusministerkonferenz in diesem Prozess?

Die Länder geben sich in der Kultusministerkonferenz einen gemeinsamen Rahmen. Gerade im Bereich der Digitalisierung lohnen sich gemeinsame Vorhaben, die zu eine digitale Bildungsinfrastruktur deutschlandweit zusammenwachsen. Die Länder kooperieren in Fragen des Datenschutzes und des Bildungsmedienangebotes in mehreren gemeinsamen Projekten. Im Jahr 2016 hat die KMK ihre Strategie „Bildung in der Digitalen Welt“ verabschiedet, die in den Ländern umgesetzt wurde. Wir sind jetzt dabei, diese um den Bereich „Lehren und Lernen“ zu ergänzen.

Die Länder stimmen sich aber auch inhaltlich und in Bezug auf ihre Ziele ab. Ich gebe ein Beispiel: Wir sind gerade dabei, unsere gemeinsame Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ aus dem Jahr 2016 um einen Bereich „Lehren und Lernen“ zu ergänzen.

Alle Schülerinnen und Schüler sollen Basiskompetenzen im Umgang mit digitalen Medien erwerben. Dafür müssen die Lehrkräfte entsprechend qualifiziert werden: Während des Lehramtsstudiums - insbesondere fachdidaktisch - und auch in ständiger Qualifizierung im Lehrerberuf.

Die Ergänzung der Strategie um den Bereich „Lehren und Lernen in der digitalen Welt“ brauchen wir dringend. Sie unternimmt den durchaus ehrgeizigen Versuch, im Sinne eines gelebten und lernenden Föderalismus das Beste aus zukunftsweisenden Länderprojekten sowie aus den Befunden empirischer Studien mit wirksamen Erfahrungen auch aus der Corona-Pandemie zu kombinieren und für die Schul- und Unterrichtsentwicklung nutzbar zu machen.

Die Empfehlung weist konkrete Handlungsfelder aus, in denen die verschiedenen Akteure tätig werden sollen, um die Digitalisierung von Schulen auf allen Ebenen voranzubringen. Das reicht von der Qualifizierung des pädagogischen Personals über die digitalisierungsbezogene Schulentwicklung, die Sicherstellung der Bildungsgerechtigkeit und dem Umgang mit Bildungsdaten, die bei der Nutzung von digitalen Werkzeugen und Medien anfallen. Ich habe in Brandenburg Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden und Politik, Schule und Wissenschaft zu regelmäßigen Fachgesprächen eingeladen, um alle an Schule Beteiligten mitzunehmen und die Themen weiterzuentwickeln.