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IQB-Bildungstrend 2018

Stabile Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften in schulisch herausfordernden Zeiten: Das ist das Ergebnis des IQB-Bildungstrends 2018, der vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) im Auftrag der Kultusministerkonferenz erstellt und am 18. Oktober 2019 veröffentlicht wurde. Im IQB-Bildungstrend 2018 wurde nach 2012 zum zweiten Mal untersucht, inwieweit Neuntklässlerinnen und Neuntklässler in den einzelnen Ländern die länderübergreifend geltenden Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz in den Fächern Mathematik, Biologie, Chemie und Physik in der Sekundarstufe I erreichen.

Der IQB-Bildungstrend 2018 zeigt, dass in Deutschland die von Neuntklässlerinnen und Neuntklässlern erreichten Kompetenzen sowohl im Fach Mathematik als auch in den naturwissenschaftlichen Fächern stabil geblieben sind. Dies kann angesichts der zunehmenden Heterogenität der Schülerschaft infolge der Steigerung des Migrationsanteils sowie des Anteils der inklusiv beschulten Kinder und Jugendlichen als Erfolg bewertet werden.

Im Vergleich der Ergebnisse von 2012 und 2018 sind in einigen Ländern allerdings ungünstige Entwicklungen zu verzeichnen. Insbesondere an den Gymnasien zeigen sich in nahezu allen betrachteten Kompetenzbereichen schwächere Leistungen, die in den Ländern unterschiedlich ausgeprägt sind. Auffällig ist darüber hinaus die divergierende Leistungs- und Motivationsentwicklung der Jungen und Mädchen, die eines der zentralen Ergebnisse des Bildungstrends ist und daher einer besonderen Aufmerksamkeit bedarf.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz und hessische Kultusminister Prof. Dr. R. Alexander Lorz: „Den Schulen in Deutschland ist es gelungen, mit den großen Herausforderungen der vergangenen Jahre gut umzugehen. Auch dank dieses Einsatzes konnte das Leistungsniveau der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler in Mathematik und den Naturwissenschaften gehalten werden. Wir dürfen uns aber keineswegs zurücklehnen, sondern müssen uns ganz genau ansehen, wo weitere Anstrengungen erforderlich sind, damit wir in Zukunft besser werden. Der IQB-Bildungstrend 2018 liefert hierfür wertvolle und differenzierte Erkenntnisse für jedes einzelne Land. Sehr erfreulich ist die erneute Bestätigung, dass sich Schülerinnen und Schüler mit und ohne Zuwanderungshintergrund in ihren Schulen gut integriert fühlen.“

Zentrale Ergebnisse der Studie
Mathematik:

  • Rund 45 Prozent aller Schülerinnen und Schüler erreichen bereits in der 9. Jahrgangsstufe mindestens die Regelstandards für den Mittleren Schulabschluss im Fach Mathematik.
  • Knapp ein Viertel der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler erreicht zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Mindeststandards für den Mittleren Schulabschluss.
  • Diese Ergebnisse sind gegenüber dem Vergleichsjahr 2012 insgesamt stabil geblieben.
  • Dagegen haben sich an Gymnasien die mittleren Kompetenzwerte gegenüber 2012 ungünstig entwickelt.


Naturwissenschaftlichen Fächer:

  • Im Fach Biologie erreichen oder übertreffen fast 71 Prozent (Fachwissen) bzw. 60 Prozent (Erkenntnisgewinnung) der Schülerinnen und Schüler, die den Mittleren Schulabschluss anstreben, die Regelstandards. Im Fach Chemie erreichen etwa 56 Prozent (Fachwissen) bzw. 64 Prozent (Erkenntnisgewinnung) mindestens die Regelstandards. Im Fach Physik sind es gut 69 Prozent (Fachwissen) und knapp 77 Prozent (Erkenntnisgewinnung).
  • Den Mindeststandard verfehlen in den beiden Kompetenzbereichen im Fach Biologie gut 5 bzw. knapp 8 Prozent, im Fach Chemie fast 17 Prozent bzw. knapp 11 Prozent sowie im Fach Physik fast 9 bzw. fast 6 Prozent der Schülerinnen und Schüler.
  • Für die mittleren Leistungen in den Gymnasien ist in allen naturwissenschaftlichen Fächern außer im Kompetenzbereich Erkenntnisgewinnung im Fach Biologie ein ungünstiger Trend zu verzeichnen.

 
Leistungsunterschiede nach Geschlecht, sozialer Herkunft und Zuwanderungshintergrund:

  • Obwohl Jungen lediglich im Fach Mathematik bessere Leistungen als Mädchen vorweisen, schätzen sie ihr eigenes Können und ihr Interesse in den Fächern Mathematik, Chemie und Physik höher ein.
  • Im Fach Biologie decken sich bei den Mädchen die erreichten Kompetenzen mit ihrem Interesse und der Einschätzung des eigenen Könnens.
  • Die Kopplung von sozialem Hintergrund und erreichten Kompetenzen hat sich nicht verstärkt.
  • Die Nachteile für Jugendliche aus zugewanderten Familien sind in den naturwissenschaftlichen Fächern stärker ausgeprägt als im Fach Mathematik.
  • Für Jugendliche der zweiten Zuwanderergeneration zeigen sich in den Naturwissenschaften einige positive Entwicklungen, sodass sich die Leistungsunterschiede für diese Gruppe teilweise verringert haben.
  • Die zuwanderungsbezogenen Disparitäten lassen sich zu großen Teilen auf Merkmale der sozialen Herkunft zurückführen.

 
Erste Folgerungen aus den Ergebnissen des IQB-Bildungstrends 2018:

  • Die Studie ist abermals ein Beleg dafür, dass eine regelmäßige Überprüfung der Kompetenzentwicklung im Rahmen der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung erforderlich ist, um länderspezifische Handlungsbedarfe zu identifizieren und geeignete Maßnahmen ergreifen zu können.
  • Die unterschiedlichen Ergebnismuster in den einzelnen Ländern erfordern deshalb eine sorgfältige und differenzierte Analyse der Befunde vor dem Hintergrund der landesspezifischen Rahmenbedingungen.
  • Die Heterogenität der Schülerschaft bildet eine große Herausforderung im Schulalltag. Die Länder werden die Lehrkräfte verstärkt dabei unterstützen, mit dieser Heterogenität konstruktiv und professionell umzugehen.
  • Die vorliegende Studie verweist erneut auf die besondere Bedeutung von Sprachförderung für den schulischen Erfolg auch in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Hierfür wird auch die Transferphase der gemeinsamen Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS-Transfer) wichtige Unterstützung liefern. Die Bildungssprache Deutsch zu stärken, wird weiter im Fokus der gemeinsamen Arbeit der Länder im Rahmen der Kultusministerkonferenz stehen.
  • Die Entwicklung der Unterrichtsqualität muss nach wie vor ein zentrales Ziel bleiben.

In Anbetracht der Ergebnisse sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz Prof. Dr. R. Alexander Lorz: „Aufrütteln sollten uns die ungünstigen Entwicklungen in einzelnen Ländern. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den negativen Tendenzen bei den Jungen. Als Land, das ganz erheblich vom Forscher- und Erfindergeist seiner Bürgerinnen und Bürger lebt, müssen wir schlicht und einfach zukünftig noch mehr unternehmen, um die Begeisterung unserer Schülerinnen und Schüler für die Naturwissenschaften zu wecken.“

Hintergrundinformationen zur Studie
Am IQB-Bildungstrend 2018 haben 44.941 Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe in 1.462 Schulen aus allen 16 Ländern teilgenommen. Im Fach Mathematik wurden fünf inhaltsbezogene mathematische Kompetenzbereiche bzw. Leitideen (z.B. „Daten und Zufall“) überprüft, die sich in einer Globalskala mathematischer Kompetenzen zusammenfassen lassen. In den Fächern Biologie, Chemie und Physik wurden jeweils die Kompetenzbereiche „Fachwissen“ und „Erkenntnisgewinnung“ untersucht.

Die Bildungstrends werden auf Grundlage der von der Kultusministerkonferenz vereinbarten Bildungsstandards durchgeführt und richten sich damit stärker an der Lehrplanwirklichkeit und Unterrichtspraxis aus als internationale Erhebungen, an denen Deutschland ebenfalls regelmäßig teilnimmt.

Die wissenschaftliche Gesamtverantwortung für den IQB-Bildungstrend 2018 liegt beim Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Petra Stanat. 

Den Bericht, eine Zusammenfassung der Ergebnisse sowie weitere Informationen zum IQB-Bildungstrend 2018 finden Sie unter:
https://www.iqb.hu-berlin.de/bt/BT2018/Bericht