Kultusminister Konferenz

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Jahrestagung des ENIC-NARIC-Netzwerkes

Vom 16. bis 18. Juni 2019 kamen 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 48 Staaten in Köln zur 26. Jahrestagung des ENIC-NARIC-Netzwerkes zusammen. Die Veranstaltung wurde erstmals in Deutschland durchgeführt. Verantwortlich für die Organisation war die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB).

Die ZAB ist das Kompetenzzentrum der Bundesländer für die Bewertung ausländischer Bildungsqualifikationen in Deutschland. In dieser Funktion arbeitet sie eng mit den „European National Information Centres“ (ENIC) – den nationalen Äquivalenzzentren in den Ländern des Europarates und der UNESCO – sowie den „National Academic Recognition Information Centres“ (NARIC) der Europäischen Union zusammen. Beide Institutionen haben sich zum ENIC-NARIC-Netzwerk zusammengeschlossen, das dem Austausch über die Bildungssysteme der Mitgliedsstaaten dient, Richtlinien zur Anerkennungspraxis erarbeitet und zwischen den Ansprechpartnerinnen sowie bei Schwierigkeiten in der Bewertung ausländischer Bildungsabschlüsse vermittelt.

Eröffnet wurde die Jahrestagung durch die Ständige Vertreterin des Generalsekretärs der Kultusministerkonferenz, Heidi Weidenbach-Mattar. Sie wies in ihrer Rede auf die hohe Bedeutung der ENIC- und NARIC-Zentren für die Integration von Migrantinnen und Migranten hin. Zugleich lobte sie den Beitrag der Zentren zur Schaffung eines gemeinsamen internationalen Bildungsraumes sowie zur Förderung der Mobilität und des kulturellen Austauschs. „The freedom of settlement or the efforts for a fast integration would fall flat if there were too many hurdles to the recognition of proofs of qualification“, hob Frau Weidenbach-Mattar hervor. „Everyone whose daily work involves recognition therefore has to look beyond the borders for an exchange of experience.”

Im Rahmen von zwölf Workshops und einer Vielzahl von Vorträgen wurde während der Konferenztage intensiv über aktuelle Fragestellungen, die transnationale Auswirkungen auf die Anerkennungstätigkeiten haben können, diskutiert. Thematisiert wurden u. a. Strategien zur Aufdeckung von Dokumentenfälschungen. Um dem Problem der Fälschungen zu begegnen, wurden das Erasmus+-Projekt „FraudSCAN“, eine Datenbank zur Erfassung bestätigter Fälschungen, aktuelle Trends im Bereich der Dokumentenfälschung sowie nationale und internationale Maßnahmen vorgestellt. In einem weiteren Workshop fand ein Austausch über die Empfehlungen des Europarates „zur Förderung der automatischen gegenseitigen Anerkennung von im Ausland erworbenen Hochschulqualifikationen und von Qualifikationen der allgemeinen und beruflichen Bildung der Sekundarstufe II sowie der Ergebnisse von Lernzeiten im Ausland“ samt ihrer möglichen Konsequenzen statt.

Besonders intensiv wurde über die Notwendigkeit und die Chancen einer „Global Convention“ als Rahmen zur Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich diskutiert. Die Idee einer Globalen Konvention, die die bestehenden regionalen Konventionen über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich ergänzen soll, geht auf eine Initiative der UNESCO zurück. Ziel ist es, die Mobilität der Studierenden weltweit weiter zu fördern und die Kriterien der Anerkennung zu vereinheitlichen. Die „Global Convention“ soll Ende 2019 im Rahmen der 40. UNESCO-Generalkonferenz verabschiedet werden. Im Workshop ging es vor allem um die Aufgaben, die im Falle der Umsetzung der „Global Convention“ auf die nationalen ENICs und NARICs, aber auch auf das ENIC-NARIC-Netzwerk im Ganzen, zukommen werden.

Wichtige andere Diskussionsthemen in den Workshops waren die Qualitätssicherung und deren Weiterentwicklung im Rahmen der akademischen Anerkennung, die Möglichkeiten der Digitalisierung im Anerkennungsprozess und – im Hinblick auf das lebenslange Lernen – die Möglichkeit der Bewertung von Qualifikationen bzw. Kompetenzen, die durch informelles Lernen erworben wurden. Auch Vertreterinnen und Vertretern der UNESCO (Peter Wells), der Europäischen Kommission (Kinga Szuly) und des Europarats (Jean-Philippe Restoueix) beteiligten sich an den Diskussionen. Diese Institutionen zählen zu den wichtigen politischen Entscheidungsträgern für die Anerkennungspraxis in Europa. Jedes Jahr berichten ihre Repräsentantinnen und Repräsentanten über Ziele und Initiativen im Bildungsbereich. So präsentierte Kinga Szuly die wichtigsten Maßnahmen der Europäischen Kommission zur Realisierung des Europäischen Hochschulraums, etwa die Förderung des Empfehlungstextes zur gegenseitigen automatischen Anerkennung (s.o.) oder die mögliche Weiterführung von Erasmus+ über 2020 hinaus.

Ein wichtiges Ereignis bei der diesjährigen Tagung war die Wahl der neuen Vorsitzenden des ENIC Bureau und des NARIC Advisory Board. Der bisher amtierende Präsident des ENIC Bureau, Stig Arne Skjerven (Norwegen), wurde im Amt bestätigt, Bessy Athanasoupoulou (Griechenland) und Jenneke Lokhoff (Niederlande) als Vizepräsidentinnen gewählt. Chiara Finocchetti (Italien), Cecilia George (Schweden) und Angela Lambkin (Irland) wurden für zwei Jahre in das NARIC Advisory Board gewählt.
Die Konferenz endete mit einem Blick in die Zukunft: Welche thematischen Schwerpunkte soll das ENIC-NARIC-Netzwerk in den nächsten zwei Jahren setzen? In vier Austauschrunden wurde in Form eines Gallery Walk über den Arbeitsplan des Netzwerkes für die Jahre 2019-2021 diskutiert. Eines der Ziele soll sein, die Kooperationen mit Hochschulen zu stärken und zu erweitern, z. B. durch die Schulung von Hochschulangehörigen in Anerkennungsfragen.

Darüber hinaus will sich das Netzwerk für die Ausweitung der Digitalisierung im Anerkennungsprozess einsetzen, vor allem was die elektronische Übermittlung von Dokumenten angeht – ein Punkt, an dem auch aktuell in der ZAB gearbeitet wird. Hatte Simone El Bahi, Leiterin der ZAB, im Vorfeld der Tagung noch angemerkt, „dass die Möglichkeit, zum ersten Mal Organisatorin der Konferenz zu sein, eine besondere Herausforderung, aber auch eine große Ehre für die ZAB sei“, konnte sie nach der Tagung bilanzieren: „Herausforderung gemeistert. Die Tagung war nicht nur ein voller Erfolg, sondern die Rückmeldung der Gäste hat auch gezeigt, dass die ZAB im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt ist – vor allem was die Datenbank anabin angeht. Zudem haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ZAB, bedingt durch die zahlreichen und vielfältigen Anfragen, ein enormes Fachwissen aufgebaut.“ In seinem Schlussplädoyer dankte Jean Philippe Restoueix nicht nur den Gastgebern, sondern stellte auch noch einmal heraus, was das Besondere am ENIC-NARIC-Netzwerk sei: „One of the advantages of the ENIC-NARIC network is the mix between social activity, friendship and extremely professional discussions. And it probably wouldn’t be so successful without the amount of trust between the different centres. We need to be aware of this advantage.”