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Prof. Dr. R. Alexander Lorz im Gespräch

Hessen übernimmt nach 16 Jahren wieder die Präsidentschaft der KMK. Was sind aktuell die größten Herausforderungen im Bildungsbereich?

Die Liste schulischer Herausforderungen ist sicherlich in jüngster Zeit deutschlandweit nicht kürzer geworden und ihre Bewältigung bedarf auch zukünftig gemeinsamer Anstrengungen – sei es bei der Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher, bei der Weiterentwicklung länderübergreifender Standards oder der Umsetzung des Digitalpakts. Ganz wesentlich sind in unserer schriftlich geprägten Kultur außerdem die Fähigkeiten des Leseverstehens und des schriftlichen Ausdrucksvermögens, die die Grundlage für den Erwerb weiteren Wissens darstellen. Die Ergebnisse der Bildungsstudien sprechen eine deutliche Sprache: Wir müssen hier kompetenter werden. Darüber hinaus stehen alle Bundesländer vor der Aufgabe, kurz- mittel- und langfristig die Befriedigung des Lehrkräftebedarfs sicherzustellen. Grund genug, mit vollem Elan in das bevorstehende Jahr zu gehen.

Ihr Schwerpunkt-Thema im Jahr 2019 ist das Erlernen der Bildungssprache Deutsch. Warum haben Sie sich dafür entschieden?

Unabhängig von der sozialen und familiären Herkunft ist das Beherrschen der Bildungssprache die wesentliche Voraussetzung für schulischen Erfolg in nahezu allen Fächern und damit von herausragender Bedeutung bei der Verbesserung der Chancen- und Bildungsgerechtigkeit in Deutschland. Die Stärkung dieser Kompetenz ist Querschnittsaufgabe über alle Fächer und Schulformen hinweg und bezieht alle Etappen mit ein – vom Übergang aus der Kita in die Grundschule und von dort in den Sekundarbereich der allgemeinbildenden und beruflichen Schulen bis zur dualen Ausbildung.

Dieser Aufgabe müssen sich Ausbilderinnen und Ausbilder, Lehrkräfte und Schulleitungen genauso widmen wie Eltern und vor allem Schülerinnen und Schüler selbst. Wir wollen Kinder und Jugendliche befähigen, sich zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu entwickeln, die die Gesellschaft, in der sie leben, aktiv mitgestalten. Deshalb setzen wir das Erlernen der Bildungssprache Deutsch als Hauptthema der diesjährigen Präsidentschaft.

Welche Maßnahmen haben Sie in Hessen bereits auf den Weg gebracht?

Unter dem Titel „Erfolgreich Deutsch lernen“ läuft seit vielen Jahren das hessische Gesamtsprachförderkonzept, mit dem Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache, die als Zuwanderer oder Flüchtlinge nach Hessen kommen, intensiv die deutsche Sprache erlernen. Hessen hat außerdem nach einer Erprobungsphase an Pilotschulen einen Grundwortschatz flächendeckend und verbindlich eingeführt, der Lehrkräften im Grundschulbereich einen Leitfaden an die Hand gibt, mit dem sie Kindern elementare und für den weiteren Spracherwerb wesentliche Wörter vermitteln können.

Welche Ziele verbinden Sie mit Ihrer Präsidentschaft?

Zum Abschluss unserer KMK-Präsidentschaft möchte ich eine gemeinsame Entschließung mit konkreten Praxisempfehlungen für Schulen zur Bildungssprache auf den Weg bringen. Dazu hat unter der Leitung Hessens bereits zweimal eine Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der anderen Länder getagt. Wenn uns dies gelingt, bin ich mir sicher, dass wir damit nachhaltig zum Bildungserfolg unserer Schülerinnen und Schüler beitragen werden.

Sie treten immer wieder für den im Grundgesetz verbrieften Bildungsföderalismus ein. Warum?

Der föderale Staatsaufbau, d.h. die Gliederung in Bund und Länder, ‎hat eine lange historische Tradition. Nur während des Nationalsozialismus und in der DDR gab es eine zentralistische Struktur. Die föderale Gliederung gehört zu den unveränderbaren Bestandteilen des Grundgesetzes. Damit wird auch die Macht geteilt. Die Vorzüge liegen zum Beispiel darin, regionale Besonderheiten beachten zu können. Die Länder können sich gegenseitig anregen, um die besten Lösungen wetteifern - und voneinander lernen, auch um Fehler zu vermeiden. Die Probleme der Länder sind unterschiedlich, daher sollten es auch die Lösungen sein. Eine Berliner Einheitslösung für alle passt nirgends. An vielen anderen Stellen betonen wir die Vorzüge dieser Vielfalt. Warum nicht auch im Bildungsbereich?