Die Kultusministerkonferenz steht mit einigen Ländern in einem intensiven Austausch in Fragen der Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturpolitik.
Frankreich
Die kulturelle Zusammenarbeit mit Frankreich nimmt eine Sonderstellung ein. Sie beruht auf dem Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit vom 22.1.1963, in dessen Rahmen eigene Kooperationsmechanismen entwickelt wurden.
In der deutsch-französischen Zusammenarbeit kommt der Förderung der Partnersprache im Schulwesen des jeweils anderen Landes eine zentrale Bedeutung zu. Zu diesem Zweck sind eine Vielzahl von bilateralen Absprachen, Vereinbarungen und Strategien getroffen sowie und zahlreiche Maßnahmen in beiden Ländern umgesetzt worden. Hierzu zählt insbesondere der Deutsch-Französische Tag im zeitlichen Kontext des 22. Januar an deutschen und französischen Schulen, der mittlerweile zu einer festen Institution in beiden Ländern geworden ist.
Mit dem Deutsch-Französischen Geschichtsbuch – ein Lehrbuch der europäischen Geschichte - ist ein Projekt von hohem symbolischem Wert und praktischem Nutzen für Schülerinnen und Schüler verwirklicht worden.
Eine wichtige Stellung nehmen auch die regelmäßigen Treffen zwischen deutschen Bildungsministerinnen und Ministern mit den höchsten französischen Schulaufsichtsbeamten („Recteurs d Académie“) ein. Hier werden insbesondere die dezentralen Beziehungen und Partnerschaften zwischen den Ländern und den Académies gestärkt und Verabredungen für die Zukunft getroffen.
Polen
Die deutsch-polnische Zusammenarbeit stellt ebenfalls einen Schwerpunkt der bilateralen Zusammenarbeit dar. Auch ist hier steht die jeweilige Förderung der Partnersprache als Fremdsprache sowie als Muttersprache im Fokus der Kooperation. Dies ist im Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit von 1991 sowie in zahlreichen Erklärungen und Absprachen jüngeren Datums festgelegt.
Zu deren Umsetzung unterhalten die Länder – je nach regionalspezifischen Besonderheiten – vielfältige Beziehungen zu den Wojewodschaften, in deren Rahmen zahlreiche Projekte und Aktivitäten zugunsten der Förderung interkultureller Begegnungen und des Erlernens der Partnersprache initiiert werden.
Einen besonderen Stellenwert in der bilateralen Kooperation nimmt das gemeinsame deutsch-polnische Schulbuch „Europa – Unsere Geschichte / Europa. Nasza historia“ ein. Entstanden ist eine auf Deutsch und Polnisch in Inhalt, Struktur und Gestaltung identische Ausgabe, die sowohl den Anforderungen für den Geschichtsunterricht in beiden Ländern entspricht. Einer der wichtigsten Akteure bei der Erstellung der Bücher war die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission.
Schweiz
Im Bildungsbereich arbeiten die Kultusministerkonferenz und die schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) eng zusammen. Die EDK hat angesichts der Zuständigkeit der 26 Kantone für die Bildungsangelegenheiten in der Schweiz ähnliche Aufgaben wie die Bildungsministerkonferenz der KMK in Deutschland. Bereiche der Kooperation sind: Schule, insbesondere Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung, berufliche Bildung, Anerkennungsfragen, Auslandsschulwesen, Förderung von Deutsch als Fremdsprache.
Israel
Die deutsch-israelische Bildungszusammenarbeit ist außerordentlich intensiv und nimmt aufgrund des einzigartigen Verhältnisses zwischen Deutschland und Israel eine Sonderstellung in der bilateralen Zusammenarbeit ein. Sie umfasst zahlreiche Projekte, Vorhaben, einen intensiven Schüler-und Lehreraustausch sowie gemeinsame Erklärungen.
Im Rahmen einer Delegationsreise der Kultusministerkonferenz im Jahr 2013 haben die Kultusministerkonferenz und Yad Vashem, die Gedenkstätte für Holocaust und Heldentum eine Gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet. Diese Vereinbarung stellt - neben bereits bestehenden Erklärungen einzelner Länder mit Yad Vashem - das Fundament für die künftige Zusammenarbeit dar. Auf deren Grundlage sollen Schülerinnen und Schüler sowie Lehramtsstudierende fundierte Kenntnisse über die Geschichte des jüdischen Vorkriegslebens in Europa sowie über die Shoa erwerben. Angestrebt wird daher eine weitere Vertiefung der Kooperation in der Gedenkstättenpädagogik und in der Lehrerfortbildung.
Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel im Jahr 2015 sind folgende weitere Dokumente unterzeichnet bzw. herausgegeben worden:
- Kommuniqué zur deutsch israelischen Bildungszusammenarbeit, unterzeichnet von der Präsidentin der KMK und dem Botschafter des Staates Israel,
- Joint Declaration of Intent between the Ministry of Education and the State of Israel and the Foreign Office of the Federal Republilc of Germany and the Standing Conference of the Ministers of Education and Cultural Affairs of the Länder in the Federal Republic of Germany, unterzeichnet vom Generalsekretär der KMK, dem Gesandten der deutschen Botschaft Tel Aviv sowie dem israelischen Bildungsminister im Juli 2015.
- „Erinnern für die Zukunft“, eine Broschüre, herausgegeben durch die KMK im März 2015
- Die Lehrerhandreichung: „Deutschland und Israel - Stationen eines einzigartigen Verhältnisses. Eine kommentierte Quellensammlung für den Geschichts- und Politikunterricht", herausgegeben durch die Kultusministerkonferenz und die israelische Botschaft.
Nach dem terroristischen Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat die Kultusministerkonferenz in mehreren Besuchsreisen nach Israel und Erklärungen die Solidarität mit Israel bekundet.
China
Die deutsch-chinesische Zusammenarbeit hat in den vergangenen Jahren eine neue Dimension erhalten. Themen der bilateralen Zusammenarbeit sind insbesondere die Förderung der chinesischen Sprache im deutschen Schulwesen und der deutschen Sprache an chinesischen Schulen sowie die Verstärkung des Schüler- und Lehreraustauschs. Auch im Bereich der beruflichen Bildung bestehen vielfältige Kontakte. Die chinesische Regierung hat aufgrund des Fachkräftemangels in China ein großes Interesse an der dualen Berufsausbildung und an einer Kooperation in diesem Bereich.
Im Rahmen einer Delegationsreise der Kultusministerkonferenz im August 2015 haben die Präsidentin, die deutsche Botschaft Peking und der chinesische Bildungsminister eine Gemeinsame Absichtserklärung zur Verstärkung der Zusammenarbeit im Bereich des Schüler- und Jugendaustausches zwischen dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland und der Ständigen Konferenz der Kultusminister in der Bundesrepublik Deutschland einerseits und dem Bildungsministerium der Volksrepublik China andererseits unterzeichnet.
Im Kontext des Besuchs einer chinesischen Delegation unter Leitung des Vize-Bildungsministers im Sekretariat wurde die Gemeinsame Absichtserklärung zur Verstärkung der Zusammenarbeit im Bereich der Partnersprache an Schulen zwischen der Ständigen Konferenz der Kultusministerkonferenz der Länder in der Bundesrepublik Deutschland und dem Centre for Language Education and Cooperation (CLEC) des Bildungsministeriums der Volksrepublik China unterzeichnet. Hierbei handelt es sich um eine Novellierung der im August 2015 unterzeichneten Erklärung. Die Erklärung enthält zehn Handlungsfelder der Zusammenarbeit, die vor allem den Schüler- und Lehrkräfteaustausch und die Förderung der Partnersprache betreffen.
Republik Korea
Wesentliche Bereiche der Kooperation mit Südkorea sind der Schüler- und Lehreraustausch und die historisch-politische Bildung. Südkorea hat - mit Blick auf eine mögliche Wiedervereinigung Nord- und Südkoreas - ein großes Interesse an der Darstellung der jüngeren deutschen Geschichte im deutschen Schulunterricht und in Schulbüchern.
Taiwan
Die deutsch-taiwanesische Bildungszusammenarbeit hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung zugenommen. Insbesondere im Bereich des Schüler- und Lehreraustauschs, der Förderung der Partnersprache sowie in der beruflichen Bildung bestehen gute Kontakte.
Kanada
Mit Kanada mit seinem föderal verfassten Bildungswesen unterhält die Kultusministerkonferenz enge Konsultationsbeziehungen. Der Council of Ministers of Education, Canada (CMEC)
ist eine zwischenstaatliche Einrichtung, die aus den Ministerinnen und Ministern der Provinzen besteht, die in Kanada auf nationaler Ebene für das Bildungswesen zuständig sind. Im Rahmen des CMEC werden insbesondere bildungspolitische Strategien und Maßnahmen von überregionaler Bedeutung beraten und koordiniert. Der CMEC ist auch ein Instrument zur Abstimmung bildungspolitischer Positionen innerhalb Kanadas, die im internationalen und multinationalen Kontext vertreten werden. Die Kooperation zwischen KMK und CMEC umfasst systemische Aspekte der bildungspolitischen Steuerung in dezentralen Systemen sowie den Austausch über Maßnahmen im Schulbereich (Integration, Migration etc.).
Trilaterale Zusammenarbeit
Die trinationale Bildungszusammenarbeit zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz hat eine jahrzehntelange Tradition. Die formale Grundlage wurde zuletzt durch die Fortschreibung des Memorandums über die Kooperation im Bildungsbereich zwischen der Ständigen Konferenz der Kultusminister in der Bundesrepublik Deutschland (KMK), der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) und dem Bundesministerium für Bildung (jetzt: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung) der Republik Österreich im Jahr 2022 erneuert.
Schwerpunkte der Kooperation sind die Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, Mobilität und Anerkennungsfragen, sprachenpolitische Kooperation, berufliche Bildung, Lehrerbildung, Bildung in der digitalen Welt, internationale Bildungskooperation und Auslandsschulwesen sowie die Abstimmung gemeinsamer Positionen in europäischen und multinationalen Gremien (z. B. OECD).
D-A-CH-Seminare
Die so genannten D-A-CH-Seminare sind ein Kernstück der trinationalen Zusammenarbeit. In diesem Rahmen tagen Experten zu bestimmten bildungspolitischen Fragestellungen+. Auch Vertreterinnen und Vertreter weiterer deutschsprachiger Länder (Liechtenstein, Luxemburg, Deutschsprachige Gemeinschaft Belgien, Südtirol) werden je nach Bedarf in die D-A-CH-Kooperation einbezogen und nehmen an diesen mehrtägigen D-A-CH-Seminaren teil. www.dach-seminar.org
Zusammenarbeit mit der Schweiz und Kanada
Die Kultusministerkonferenz arbeitet auf internationaler Ebene im Bildungsbereich eng mit föderal organisierten Staaten zusammen, insbesondere mit der Schweiz und mit Kanada. Deren föderaler Staatsaufbau bestimmt - wie in Deutschland auch - die Verantwortlichkeit für das Bildungswesen, die in der Schweiz bei den Kantonen und in Kanada bei den Provinzen liegt.
Die Koordinierung und Gestaltung des Bildungswesens auf nationaler Ebene erfolgt in der Schweiz durch die schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) und in Kanada durch den Council of Ministers of Education, Canada (CMEC).
Aufgrund dieser strukturellen Vergleichbarkeit stehen die Kultusministerkonferenz, die EDK sowie der CMEC auf nationaler und internationaler Ebene vor ähnlichen bildungspolitischen Herausforderungen, die vielfältige Anknüpfungspunkte für die weitere Intensivierung der Kooperation bieten. Vor diesem Hintergrund haben KMK, EDK und CMEC zur Stärkung der institutionellen Zusammenarbeit am 2. März 2016 eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Bereiche der Kooperation sind insbesondere der Informationsaustausch zu Fragen der politischen und administrativen Steuerung des Bildungswesens in dezentralen Systemen sowie Implementationsprozesse. Auch Absprachen im internationalen und multinationalen Kontext (OECD) und UNESCO sind geplant.