Kultusminister Konferenz

 

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Neue OECD-Studie "Bildung im internationalen Vergleich" in Berlin vorgestellt

Nur die Erhöhung von Investitionen in Bildung sichert die Zukunft

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, und der Berliner Senator für Schule, Jugend und Sport, Klaus Böger, als Vertreter der Kultusministerkonferenz, haben in Berlin heute die neueste Ausgabe des OECD-Berichts "Bildung auf einen Blick" ("Education at a Glance") vorgestellt. Beide Minister wiesen darauf hin, dass sich die Daten des jetzt veröffentlichten OECD-Berichts vor allem auf die Jahre 98/99 beziehen. Deshalb ist festzuhalten, dass die Anstrengungen der letzten beiden Jahre, die Bildungsinvestitionen erheblich zu steigern, sich in den Ausgabenindikatoren der OECD noch nicht auswirken konnten.

Hoher Bildungsstand ist die Voraussetzung für gesellschaftlichen Wohlstand

Deutschland verfügt über einen vergleichsweise hohen Bildungsstand in der Bevölkerung. Dazu trägt besonders die Tradition der dualen Berufsausbildung bei. Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt deutlich, dass andere Länder im erheblichen Umfang aufholen.

Da hervorragend ausgebildete Menschen entscheidend sind für die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft und die Sicherung des Wohlstands der Gesellschaft, müssen wir unsere Bildungsanstrengungen weiter verstärken. Die Zahlen der OECD-Studie belegen, dass wir zuwenig Studienanfänger und Hochschulabsolventen haben.

So nehmen in Deutschland nur 28 % der jungen Erwachsenen ein Studium auf, im Durchschnitt aller OECD-Mitgliedstaaten sind es 45 %. Es muss also darum gehen, weiterhin verstärkte Anstrengungen zu unternehmen, um junge Leute an die Hochschulen zu holen. Bereits jetzt zeichnet sich in vielen Bereichen des Arbeitsmarktes ein erheblicher Fachkräftemangel ab.

In den nächsten 10 bis 15 Jahren werden auf dem Arbeitsmarkt zwei Entwicklungen zusammentreffen: Ein sinkender Anteil der jungen Bevölkerung und ein steigender Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften. Zugleich zeigen verschiedene Untersuchungen, dass die Studierneigung von Jugendlichen sinkt. Auch andere Staaten sind mit diesem Problem konfrontiert, allerdings nicht in so hohem Ausmaß wie Deutschland.

Mit der Reform der Hochschulen mehr Studierende gewinnen

Diese Entwicklungen machen deutlich, dass es richtig ist, die Attraktivität der Hochschulen für Studienbewerberinnen und -bewerber weiter zu stärken und vor allem auch mehr junge Leute zu einem Hochschulstudium zu bewegen. Ein entscheidender Schritt dafür ist die jetzt auf den Weg gebrachte Dienstrechtsreform für die Hochschulen. Die Bundesregierung und die Länder haben darüber hinaus in den letzten drei Jahren die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen auf 1044 Studiengänge stark ausgeweitet. Da in der Regel Studienanfängerinnen und -anfänger keine wissenschaftliche Karriere anstreben, ist das die richtige Antwort. Nur so können die Hemmschwellen ein Studium anzutreten, abgebaut und andererseits dem Bedarf am Arbeitsmarkt Rechnung getragen werden. Außerdem werden verstärkt praxisorientierte Studiengänge angeboten.

Verbesserung der Ausbildungsförderung ist wesentliche Voraussetzung für mehr Studierende

Wichtig ist darüber hinaus, die individuelle Förderung von Teilnehmern tertiärer Ausbildungsgänge (Fachschulen, Fachhochschulen, Universitäten) weiter zu verbessern. Das neue BAföG bietet die Gewähr dafür, dass in unserem Land niemand mehr aus finanziellen Gründen auf ein Studium verzichten muss. Mit der neuen BAföG-Reform wird die Möglichkeit eröffnet, dass 80.000 Studierende eine BAföG-Förderung zusätzlich erhalten. Damit wird nach langer Zeit der Anteil der Geförderten weiter steigen.

Bildungsausgaben müssen weiter steigen

Beim Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt liegt Deutschland mit 5,5 % leicht unter dem OECD-Durchschnitt. Im Mittel wenden die OECD-Mitgliedstaaten 5,7 % für ihre Bildungssysteme auf.

Die öffentlichen Ausgaben für Bildung sind in den meisten OECD-Staaten von 1995 bis 1998/99 schneller gestiegen als die gesamten staatlichen Ausgaben. Deutschland gehört mit Italien, Niederlanden und dem Vereinigten Königreich zu den Staaten, in denen die öffentlichen Ausgaben für Bildung gestiegen sind, während sich die öffentlichen Haushalte insgesamt verringerten. Das Wachstum wurde in dem Zeitraum ausschließlich von den Bildungshaushalten von Ländern und Gemeinden getragen, während der Bund seine Bildungsausgaben zurückgefahren hat. Die neue Bundesregierung hat jetzt mit steigenden Investitionen im Bildungshaushalt die richtige Priorität gesetzt und damit Bildung in Deutschland einen hohen Stellenwert eingeräumt.

Lehrer sind gut bezahlt - Lehrerkollegien jedoch überaltert

Im internationalen Vergleich ist die Einkommenssituation von Lehrerinnen und Lehrern in Deutschland sehr gut. Sie wird als ein Zeichen für den hohen Stellenwert des Lehrerberufes gewertet. Als Problem erweist sich allerdings die Überalterung der deutschen Lehrerschaft. Hier muss die Schulpolitik der kommenden Jahre ansetzen. Denn zumindest ein Teil der zukünftig ausscheidenden Lehrer und Lehrerinnen muss durch junge Lehrkräfte ersetzt werden. In welchem Umfang aber neue Lehrkräfte eingestellt werden, hängt von der Entwicklung der Schülerzahlen sowie von bildungs- und haushaltspolitischen Entscheidungen ab. Hier gilt es, den bis Mitte des Jahrzehnts steigenden Schülerzahlen trotz der notwendigen haushaltspolitischen Sparmaßnahmen gerecht zu werden und für eine ausreichende Zahl ausgebildeter und natürlich auch jüngerer Lehrkräfte zu sorgen. Bildungspolitische Weichen wie z. B. die Flexibilisierung des Lehrertauschverfahrens, die den Wechsel von Lehrkräften zwischen den Ländern erleichtert, hat die Kultusministerkonferenz bei ihrer letzten Zusammenkunft bereits gestellt.

Moderne Fremdsprachen ein Pluspunkt an deutschen Schulen

Positiv herauszuheben ist der hohe Anteil der modernen Fremdsprachen am Gesamtunterricht. Denn gegenüber 11 % im OECD-Durchschnitt entfallen in Deutschland 16 % der Unterrichtszeit auf den Fremdsprachenunterricht. Die Beherrschung von Fremdsprachen ist im zusammenwachsenden Europa dringend gefragt. Das Sprechen mehrerer Sprachen ermöglicht private und berufliche Mobilität, den Zugang zu fremden Menschen und Kulturen, zu anderen Lebensweisen und Weltsichten und auch zu anderen Wirtschafts- und Arbeitsmärkten. Trotz des guten Abschneidens beim OECD-Vergleich muss an diesem eingeschlagenen Weg nachhaltig festgehalten werden.

Bei den Ausgaben für die Schulen und bei der Schüler-Lehrer-Relation steht die Sekundarstufe II in Deutschland im OECD-Vergleich und auch im Vergleich mit den wichtigsten Industrienationen überdurchschnittlich gut da. Im Sekundarbereich I wird aber gerade nur der Durchschnitt erreicht und im Primarbereich liegt Deutschland deutlich darunter.

Ergebnisse aus der Leistungsmessung stehen noch aus

Unterrichtsversorgung und Höhe der materiellen Aufwendungen allein liefern aber noch kein Bild über die Leistungsfähigkeit eines Bildungssystems. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Deutschland sich an der OECD-Studie PISA beteiligt. Die Auswertung der ersten Haupterhebung wird noch in diesem Jahr vorgelegt werden. Sie wird Aufschluss über die Leistung von 15jährigen Schülerinnen und Schülern in den zentralen Bereichen Leseverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften sowie über fachübergreifende Schlüsselkompetenzen geben. Wenn diese Ergebnisse vorliegen, gibt es auch Ansatzpunkte, um Aufwand und Ertrag auf empirisch verlässlicher Basis in Beziehung setzen zu können.