Kultusminister Konferenz

 

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Stellungnahme der Kultusministerkonferenz zu den Ergebnissen des Ländervergleichs von IGLU 2006

In allen Ländern können Grundschülerinnen und Grundschüler beim Lesen im internationalen Vergleich sehr gut mithalten

Der vorgelegte Bericht zum IGLU-Ländervergleich informiert in Ergänzung zum internationalen Bericht vom Dezember 2007 über das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern an deutschen Grundschulen im Vergleich der 16 Länder und im internationalen Vergleich mit 45 Staaten. Darüber hinaus bietet der Ländervergleich unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Bedingungen in den Ländern empirisch abgesichertes Wissen über wichtige schulische, schulorganisatorische und unterrichtliche Merkmale.

I Zentrale Befunde

  • Leseleistungen im internationalen Vergleich: Es gelingt allen Ländern, die Lesekompetenzen der Grundschülerinnen und Grundschüler bis zum Ende der vierten Jahrgangsstufe auf ein Leistungsniveau zu bringen, das im internationalen Vergleich sehr gut abschneidet. 14 von 16 Ländern liegen über dem EU- und über dem OECD-Mittelwert. Thüringen gehört zur absoluten internationalen Spitzengruppe. Gleichzeitig gelingt es den Ländern, die Leistungsstreuung vergleichsweise gering zu halten.
  • Die Leseleistungen aller Länder liegen auf hohem internationalen Niveau eng beieinander. Selbst die Länder mit geringerer Punktzahl liegen im EU-Durchschnitt.
  • Anteil schwacher und starker Leserinnen und Leser: Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit großen Leseschwierigkeiten sowie von Spitzenlesern schwankt zwischen den Ländern erheblich. Während es einigen Ländern gelingt, die Gruppe der schwachen Leserinnen und Leser unter 10 % zu halten, was in etwa dem EU- und dem OECD-Durchschnitt entspricht, liegt dieser Anteil in den Stadtstaaten deutlich über 20 %. Der Anteil der Spitzenleser liegt in der Mehrzahl der Länder unter 10 %.
  • Einstellung zum Lesen: In fast allen Ländern haben die Viertklässlerinnen und Viertklässler eine sehr positive Einstellung zum Lesen; nur 14 % geben an, außerhalb der Schule nie oder fast nie zum Vergnügen zu lesen.
  • Leseleistungen von Mädchen und Jungen: Zwischen Jungen und Mädchen zeigen sich in den meisten Ländern keine nennenswerten Unterschiede in den Leseleistungen.
  • Migrationsbedingte Unterschiede: Die Leistungsdifferenz zwischen Schülerinnen und Schülern, deren Eltern beide in Deutschland geboren wurden, und denen, deren Eltern beide nicht in Deutschland geboren wurden, sind im internationalen Vergleich in der Mehrzahl der Länder sehr groß.
  • Einfluss des Elternhauses: Der kulturelle Hintergrund des Elternhauses beeinflusst in allen Ländern die Leseleistungen der Schülerinnen und Schüler in einem hohen Maße; davon sind die Stadtstaaten in besonderer Weise betroffen.

II Zentrale Herausforderungen

Ungeachtet der guten Stellung der Länder im internationalen Vergleich wird auch eine Reihe von Herausforderungen deutlich:

  • In allen Ländern besteht eine vordringliche Herausforderung darin, die sozial benachteiligten Schülerinnen und Schüler in besonderer Weise zu fördern. Hier zeigen einzelne Länder, dass ein hohes Leistungsniveau im Lesen weitgehend unabhängig von der sozialen Herkunft erreicht werden kann.
  • Die in allen Ländern bestehenden großen Leistungsunterschiede zwischen Schulkindern mit und ohne Migrationshintergrund müssen deutlich verringert werden.
  • Trotz des insgesamt guten Abschneidens im internationalen Vergleich muss der Anteil der schwachen Leserinnen und Leser in den meisten Ländern reduziert werden.

III. Bildungspolitische Folgerungen

Die Länder sehen sich in ihren Aktivitäten bestätigt, die Unterrichtsentwicklung auf die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler auszurichten und damit eine hohe Leistungsfähigkeit der Grundschulen im internationalen Ver­gleich zu erreichen. Um die bestehenden Herausforderungen zu meistern, werden Schwerpunkte gesetzt, die sich an die Empfehlungen zu den Ergebnissen von PIRLS/IGLU 2006-International und an die Stellungnahme der Kultus­ministerkonferenz zu den Ergebnissen des Ländervergleichs von PISA 2006 anschließen:

1.Gezielte Förderung der leistungsschwächeren Schülerinnen und Schüler als Schwerpunkt gemeinsamer Aktivitäten

Neben der Fortsetzung der erfolgreichen Arbeit und einer Intensivierung von Maßnahmen unterstreichen die vorliegenden Ergebnisse die von der Kultus­ministerkonferenz vorgesehene gemeinsame Initiative zur Förderung leistungs­schwächerer Schülerinnen und Schüler:

  • Um die Bildungschancen aller Kinder zu erhöhen, werden zukünftig die vorschulischen Bildungs- und Betreuungsangebote ausgeweitet.
  • Um einen guten Start zu gewährleisten, werden die Aktivitäten zur Sprach- und Leseförderung verstärkt und mit einer gezielten Einbindung der Eltern verbunden.
  • Für die Förderung leistungsschwächerer Schülerinnen und Schüler werden weitere Lern- und Betreuungsangebote zur Verfügung gestellt sowie geeignetere Wege der Kompetenzvermittlung entwickelt.
  • Die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund wird frühzeitig und durchgängig angelegt und stärker als bisher auf die Voraussetzungen der ethnischen Herkunft bezogen.

 

2.Den Unterricht weiter entwickeln

Aus den Ergebnissen des IGLU-Ländervergleichs ergibt sich eine Reihe von Hinweisen, um die Effizienz des Leseunterrichts zu erhöhen sowie Kinder aus bildungsfernen Milieus und Kinder mit Migrationshintergrund besser zu fördern (z.B. zielgerichteter Einsatz förderdiagnostischer Verfahren, Steigerung der Lesemotivation vor allem von Jungen, fächerübergreifende Leseförderung).

Auch in Zukunft sehen sich die Länder in der gesamtstaatlichen Verantwortung, weiterhin gemeinsame Vorhaben zur Unterrichtsentwicklung durchzuführen. Seit 2007 bzw. 2008 führen die Länder bereits folgende gemeinsame Projekte durch:

  • „For.mat – Bereitstellung von Fortbildungskonzeptionen und -materialien zur kompetenz- bzw. standardbasierten Unterrichtsentwicklung“
  • „ProLesen – Auf dem Weg zur Leseschule“
  • Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte im Hinblick auf Verbesserung der Diagnosefähigkeit, Umgang mit Heterogenität, individuelle Förderung“

Darüber hinaus entwickeln die Länder Vorschläge, um die Bildungsstandards deutlicher als bisher dafür zu nutzen, den Unterricht auf kompetenzfördernde Lernaktivitäten der Schülerinnen und Schüler auszurichten und Anwendungs­bezüge zu verstärken.

3.Für Transparenz sorgen und auf Qualitätssicherung setzen

Wie in der Gesamtstrategie der Kultusministerkonferenz zum Bildungsmoni­toring festgelegt, werden die Länder auch in Zukunft an internationalen und nationalen Schulleistungsuntersuchungen teilnehmen.

Ab 2009 werden die Länder für Schülerinnen und Schüler der Grundschule und der Sekundarstufe I die Erreichung der Bildungsstandards in einem Länder­vergleich überprüfen.

Darüber hinaus werden jährliche länderübergreifende Vergleichsarbeiten für die Grundschule und für die Sekundarstufe I (VERA 3 und VERA 8) durchgeführt, die regelmäßig wichtige Informationen für die gezielte Förderung der Schülerinnen und Schüler bereit stellen. Die Länder werden alle Verfahren zur Evaluation schulischer Arbeit (VERA, Schulinspektion, externe und interne Evaluation) so weiterentwickeln, dass die Möglichkeiten zur Nutzung der vorliegenden Daten für die Schul- und Unterrichtsentwicklung insgesamt und für die Förderung der leistungsschwächeren Schülergruppe im Besonderen ausgeweitet werden.

IV Anlage der Studie

PIRLS/IGLU (Internationale Grundschul-Leseuntersuchung) ist eine Schul­leistungsstudie der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA), an der sich Deutschland im Jahre 2006 zusätzlich mit einem Ländervergleich beteiligt hat. Mit dieser Studie wird das Leseverständnis von Schülerinnen und Schülern der vierten Jahrgangsstufe international verglei­chend getestet. Darüber hinaus werden einige Rahmenbedingungen wie familiäre, schulische und unterrichtliche Faktoren untersucht. Weitere Ergeb­nisse zu Forschungsfragen auf Grundlage der nationalen Ergänzung zu IGLU 2006, z.B. zur Schuleingangsphase, zu Ganztagsangeboten oder zum Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe, werden in einem dritten Ergebnis­bericht Anfang 2009 veröffentlicht.

In Deutschland haben alle 16 Länder an dieser Studie teilgenommen. Um einen Ländervergleich innerhalb Deutschlands zu ermöglichen, wurden insgesamt fast 8.000 Schülerinnen und Schüler an über 400 Schulen getestet. Da PIRLS/IGLU nicht die mathematischen und naturwissenschaftlichen Leistungen von Grund­schülerinnen und -schülern berücksichtigt, hat sich Deutschland an der Studie „Trends in Mathematics and Science Study“ (TIMSS 2007) beteiligt. Die Ergebnisse dieser Studie werden gesondert veröffentlicht.

IGLU 2006-E wurde im Auftrag der Kultusministerkonferenz in der Bundesrepublik Deutschland unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Wilfried Bos vom Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der Technischen Universität Dortmund durchgeführt. Weiterführende Informationen finden Sie unter www.iglu.ifs-dortmund.de/aktuelles/html