Die gymnasiale Oberstufe
Die Bildungsgänge des Sekundarbereichs I finden - was den allgemeinbildenden Bereich betrifft - ihre Fortsetzung in der gymnasialen Oberstufe an Gymnasien und Gesamtschulen. Zugangsvoraussetzung ist der Mittlere Schulabschluss mit Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe.
Die Gestaltung der gymnasialen Oberstufe als Kursstufe und die Zusammensetzung des Abiturs aus Leistungen der beiden Abschlussjahre und der Abiturprüfung wurden erstmals in der
Bonner Vereinbarung der Kultusministerkonferenz vom 07.07.1972 festgeschrieben. Seither ist die "Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II" mehrfach fortgeschrieben worden.
Zur Grundstruktur der gymnasialen Oberstufe gehören die Gliederung in eine einjährige Einführungsphase und eine zweijährige Qualifikationsphase, die Zuordnung der Fächer zu drei Aufgabenfeldern, die Unterscheidung der Fächer nach Pflicht- und Wahlfächern, die Möglichkeit einer individuellen Schwerpunktsetzung, die Erteilung des Unterrichts auf unterschiedlichen Anspruchsebenen, um den in der Abiturprüfung in den „Einheitlichen Prüfungsanforderungen für die Abiturprüfung (EPA)“ beschriebenen Anspruchsniveaus zu entsprechen, sowie das Creditsystem zur Ermittlung der Gesamtqualifikation. Die nähere Ausgestaltung obliegt dabei den Ländern.
Die Dauer der Schulzeit bis zur Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife beträgt 12 oder 13 Schuljahre. Dabei ist ein Gesamtstundenvolumen von mindestens 265 Jahreswochenstunden ab der Jahrgangsstufe 5 bis zum Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife nachzuweisen, auf das bis zu fünf Stunden Wahlunterricht angerechnet werden kann.
Die gymnasiale Oberstufe schließt ab mit der
Abiturprüfung. Mit dem Abiturzeugnis erhält die Schülerin/der Schüler die Bescheinigung der Allgemeinen Hochschulreife.
Aktuelle Entwicklungen in den Ländern
Verkürzung der Schulzeit
Nahezu alle Länder haben in den vergangenen Jahren begonnen, die Schulzeit am Gymnasium von 9 auf 8 Jahre (G8), in der Regel aufsteigend von Jahrgangsstufe 5 an, zu verkürzen, bzw. dies angekündigt. Derzeit ist der Stand der Umsetzung folgender:
G 8 und doppelter Abiturjahrgang (Stand: März 2008)
| Land | Einführung G8 (Schuljahr) | Doppelter Abiturjahrgang |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 2004/2005 | 2012 |
| Bayern | 2004/2005 (Jahrgangsstufen 5 und 6) | 2011 |
| Berlin | 2006/2007 (Jahrgangsstufe 7) | 2012 |
| Brandenburg | 2006/2007 (Jahrgangsstufe 7) | 2012 |
| Bremen | 2004/2005 | 2012 |
| Hamburg | 2002/2003 | 2010 |
| Hessen | 2004/2005: ca. 10% der Schulen 2005/2006: ca. 60% der Schulen 2006/2007: ca. 30% der Schulen |
2012, 2013, 2014 verstärkte Abiturjahrgänge |
| Mecklenburg-Vorpommern | 2004/2005 (Jahrgangsstufen 5 - 9) | 2008 |
| Niedersachsen | 2004/2005 (Jahrgangsstufen 5 und 6) | 2011 |
| Nordrhein-Westfalen | 2005/2006 | 2013 |
| Rheinland-Pfalz | erste Gymnasien starten 2008/2009 | --- |
| Saarland | 2001/2002 | 2009 |
| Sachsen | seit 1992 | --- |
| Sachsen-Anhalt | 2003/2004 (Jahrgangsstufen 5 - 8) | 2007 |
| Schleswig-Holstein | 2008/2009 | 2016 |
| Thüringen | seit 1991 | --- |
Änderungen im Kurssystem
Einige Länder haben das "klassische" Grund- und Leistungskurssystem abgelöst durch ein System von drei bis sechs vierstündigen Fächern auf erhöhtem und weiteren Fächern auf grundlegendem Anforderungsniveau. Dabei werden die Fächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprache in der Regel nur auf dem erhöhten Anspruchsniveau unterrichtet und sind als Kernfächer verpflichtend.
