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Deutschland kommt voran - Dynamik bei Bildung muss weiter wachsen Pressemitteilung von BMBF und KMK zu "Bildung auf einen Blick 2008"

Pressemitteilung von BMBF und KMK
Vorstellung der OECD-Veröffentlichung „Bildung auf einen Blick 2008“
Deutschland kommt voran – Dynamik bei Bildung muss weiter wachsen

Die Direktorin für Bildung bei der OECD, Frau Prof. Dr. Barbara Ischinger, stellte zusammen mit der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, der saarländischen Ministerin für Bildung, Familie, Frauen und Kultur, Annegret Kramp-Karrenbauer, und dem Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Michael Thielen, am Dienstag in Berlin die neue Ausgabe des OECD-Berichts „Bildung auf einen Blick“ vor.

Die jährlich erscheinende Veröffentlichung der OECD „Education at a Glance / Bildung auf einen Blick“ beleuchtet bildungspolitische Fragen aus einer internationalen Perspektive. Sie basiert überwiegend auf Daten der Jahre 2005 und 2006. Die Ergebnisse liefern eine Orientierungshilfe, um die Entwicklung des deutschen Bildungssystems zu bewerten und Reformstrategien weiterzuentwickeln.
Wie in den Vorjahren werden internationale Vergleichskennzahlen zu den Bildungsergebnissen, zu den Investitionen in Bildung, zur Bildungsbeteiligung und nach Bildungsstufen und -bereichen und zum Lernumfeld von Schulen dargestellt. Auch Indikatoren zu Bildung und Beschäftigung haben mittlerweile einen festen Platz in Bildung auf einen Blick.
„Bildung auf einen Blick bestätigt, dass wir mit den Bildungsreformen in Deutschland auf einem guten Weg, aber noch nicht am Ziel sind“, erklärte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Ministerin Kramp-Karrenbauer. „Deshalb werden wir in den nächsten Jahren selbstverständlich weiter die notwendigen Anstrengungen unternehmen, um den Bildungs-, Ausbildungs- und Qualifizierungsstand der Bevölkerung in Deutschland zu sichern und auszubauen.“

„Um die Potenziale in Deutschland durch Bildung und Ausbildung noch besser zu nutzen, ist das gemeinsame Ziel von Bund und Ländern eine gemeinsame Qualifizierungsinitiative „Aufstieg durch Bildung““, so Staatssekretär Michael Thielen (BMBF). Aktuell stimmt die Bundesregierung mit den Ländern ein gemeinsames Vorgehen ab, das am 22. Oktober 2008 beim Bildungsgipfel vorgestellt werden soll. Zentrales Ziel ist, die Chancen auf Einstieg und Aufstieg weiter zu erhöhen. Dafür sind bessere Übergänge zwischen den einzelnen Bildungsbereichen entscheidend“, betonte Thielen.

Hoher Bildungsstand ist die Basis für Erfolg am Arbeitsmarkt
Ein Abschluss des Sekundarbereichs II ist mittlerweile die Voraussetzung für eine erfolgreiche Bildungs- und Berufsbiografie. Dies gilt für allgemein bildende Abschlüsse des Sekundarbereichs II, die in der Regel die Aufnahme eines Hochschulstudiums ermöglichen, wie für die beruflichen Abschlüsse, die zu einer qualifizierten Berufstätigkeit führen.

Deutschland nimmt traditionell eine Spitzenstellung beim Anteil der Bevölkerung mit mindestens einem Abschluss der Sekundarstufe II ein. Dieser lag für die Bevölkerungsgruppe der 25- bis 64jährigen in Deutschland im Jahr 2006 mit 83 % deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 68 %. Dies ist unter anderem ein Erfolg unseres ausgezeichneten dualen Systems der beruflichen Bildung.


Zahl der Hochschulabsolventen steigt, weiter Bedarf in den MINT-Fächern
Die Leistungsfähigkeit und die hohe Qualifikation der Beschäftigten sind Schlüsselfaktoren für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Am Arbeitsmarkt gibt es einen wachsenden Bedarf an Hochschulabsolventen, der auch in Zukunft steigen wird. Der Anteil junger Menschen, die einen Abschluss im Tertiärbereich erwerben, ist sowohl in Deutschland als auch international gestiegen. Hatten 1995 erst 14 % eines Altersjahrgangs ein Universitäts- oder Fachhochschulstudium abgeschlossen, waren es im Jahr 2000 bereits 18 % und im Jahr 2006 21 %. Allerdings liegt Deutschland damit, auch bedingt durch die starke Rolle der dualen Berufsausbildung, deutlich unter dem OECD-Mittel von 37 % (1995: 20 %). Aufgrund der positiven Entwicklung bei den Studienanfängern ab dem Wintersemester 2007/2008 wird die Zahl der Hochschulabsolventen in den nächsten Jahren weiter steigen und sich in einer höheren Absolventenquote niederschlagen. Der Hochschulpakt von Bund und Ländern, der u.a. das Ziel hat, die Zahl der Studienanfänger zu steigern, ist dafür ein wichtiges Instrument.

Deutschland bleibt eine Technik-Nation. Maschinenbau gehört mit den Wirtschaftswissenschaften und den Lehramtsstudiengängen zu den am häufigsten gewählten Studienfächern. Dennoch zeigt der aktuelle Fachkräftebedarf der Wirtschaft, dass weitere Anstrengungen nötig sind.

Besonderer Handlungsbedarf besteht in den MINT-Fächern. Deutschland hat mit 22 % einen hohen Anteil an Absolventen mit ingenieurwissenschaftlichem Abschluss in der Gesamtbevölkerung mit Hochschulabschluss, der OECD-Durchschnitt liegt lediglich bei 15 %. Gleichzeitig werden in den nächsten Jahren beispielsweise sehr viel mehr Ingenieure aus dem Erwerbsleben ausscheiden als jüngere nachrücken. Deshalb ist es auch wichtig, mehr junge Frauen für ein MINT-Studium zu motivieren.

Frauen mit naturwissenschaftlich und technisch ausgerichteten Abschlüssen sind in Deutschland weniger stark vertreten als im OECD-Schnitt. Pro 100.000 Beschäftigte in diesem Bereich haben in Deutschland 850 Frauen einen naturwissenschaftlichen oder technischen Abschluss, OECD-weit sind es fast 1.000. Im Rahmen der Qualifizierungsinitiative „Aufstieg durch Bildung“ hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung ein breites Bündnis für Frauen in MINT-Berufen gemeinsam mit mehr als 40 Partnern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft geschlossen, um mehr Frauen für diese Berufe zu gewinnen.

Internationalisierung des Hochschulstudiums in Deutschland weit fortgeschritten
Im internationalen Wettbewerb um die besten Studierenden und Nachwuchswissenschaftler befindet sich Deutschland in einer sehr guten Position: Nur in den Vereinigten Staaten und in Großbritannien sind mehr ausländische Studierende eingeschrieben als an deutschen Hochschulen. Auch bei der Bereitschaft der Studierenden, im Ausland Erfahrungen zu sammeln, ist Deutschland vorne. Dies ist auch ein Erfolg der bildungspolitischen Maßnahmen von Bund und Ländern zur Stärkung des Studienstandorts Deutschland und zur Förderung der Internationalisierung der deutschen Hochschullandschaft.

Eine Politik, die zu einem höheren Bildungsniveau beiträgt, leistet durch die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung über alle Altergruppen hinweg auch einen nachhaltigen Beitrag zur Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme. Hier setzt die Qualifizierungsinitiative an. Einerseits werden die Zukunftsperspektiven junger Erwachsener ohne Ausbildung durch Förderung der Berufsausbildung verbessert. Andererseits wird durch die Fortentwicklung des Meister-BAFöGs der berufliche Aufstieg vieler Menschen mit Berufsausbildung erleichtert.

Eine Zusammenfassung der wesentlichen Aussagen der Studie ist im Internet auf der
Homepage des BMBF sowie der KMK abrufbar: www.bmbf.de und www.kmk.org

Bildung auf einen Blick kann zum Preis von 65€ (53€ im Abonnement) erworben werden
über www.wbv.de,
Email: service@wbv.de
Tel. 0521/91101-11,
Fax 0521/91101-19
sowie über den Buchhandel

 

 

OECD-Veröffentlichung „Bildung auf einen Blick“
Wesentliche Aussagen in der Ausgabe 2008



Die OECD legt mit ihrer jährlich erscheinenden Publikation Education at a Glance / Bildung auf einen Blick ein aktuelles Werk zu zentralen bildungspolitischen Fragen vor und beleuchtet diese aus einer internationalen Perspektive. Vor diesem Hintergrund hat sich Bildung auf einen Blick in den letzten Jahren zu einem wichtigen Bezugspunkt für die bildungspolitische Diskussion in Deutschland entwickelt. Der internationale Vergleich hilft bei der Identifizierung von Stärken und Schwächen der nationalen Bildungssysteme und ist somit auch eine wichtige Orientierungshilfe bei der Entwicklung von Reformstrategien. Die Indikatoren aus Bildung auf einen Blick, die für Deutschland auch in Abgrenzung nach Ländern gegliedert werden können, werden von den Statistischen Ämtern von Bund und Ländern im Bericht „Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich“ dargestellt, der am 10.09.2008 veröffentlicht wird. Wie in den Vorjahren werden in Bildung auf einen Blick 2008 internationale Vergleichskennzahlen zu den Bildungsergebnissen, zu den Investitionen in Bildung, zur Bildungsbeteiligung und nach Bildungsstufen und -bereichen sowie zum Lernumfeld von Schulen dargestellt. Auch Indikatoren zu Bildung und Beschäftigung haben mittlerweile einen festen Platz in Bildung auf einen Blick. Die im diesjährigen Band verwendeten Basisdaten stammen überwiegend aus den Jahren 2005 und 2006.
Einige für Deutschland wichtige Befunde aus Bildung auf einen Blick 2008 werden im Folgenden vorgestellt.


(1) Abschlüsse im Sekundarbereich II

Ein Abschluss des Sekundarbereichs II ist mittlerweile die Mindestvoraussetzung für eine erfolgreiche Bildungs- und Berufsbiografie. Dies gilt für allgemein bildende Abschlüsse des Sekundarbereichs II, die in der Regel die Aufnahme eines Hochschulstudiums ermöglichen, wie für die beruflichen Abschlüsse, die zu einer qualifizierten Berufstätigkeit führen. 

Der Anteil derjenigen, die im typischen Abschlussalter (in Deutschland sind das die 19- bis 20-Jährigen) einen Abschluss des Sekundarbereichs II erreichen, liegt im internationalen Durchschnitt bei 83 % (OECD) bzw. 86 % (EU19). Deutschland nimmt traditionell eine Spitzenstellung ein und erreicht hier einen Wert von über 100 %. So ist die Zahl der erreichten Abschlüsse höher als die Anzahl der Personen im typischen Abschlussalter. Ähnlich hohe Abschlussquoten wie Deutschland erreichen Griechenland (100 %) und Finnland (95 %).

Besonderes Gewicht besitzen in Deutschland die beruflichen Abschlüsse des Sekundarbereichs II. Im Jahr 2006 erreichten 63 % eines typischen Jahrgangs einen berufsbildenden Sek.-II-Abschluss, überwiegend im Rahmen einer Berufsausbildung im dualen System. Ähnliche Anteile weisen Frankreich (ebenfalls 63 %), Italien, die Slowakische Republik und die Schweiz (jeweils 69 %) auf, während in Finnland sogar 88 % einen beruflich orientierten Abschluss der Sekundarstufe II erwerben. In Finnland stellt dieser in der Regel gleichzeitig die Hochschulzugangsberechtigung dar. Der internationale Durchschnitt bewegt sich hingegen nur bei 45 % (OECD) bzw. 51 % (EU19).

40 % eines Altersjahrgangs erreichen in Deutschland einen Abschluss des Sekundarbereichs II, der mit einer Studienberechtigung verbunden ist. Über ähnliche Anteile an Studienberechtigten verfügen Luxemburg (41 %) und Mexiko (38 %). Im internationalen Durchschnitt liegen die Anteile erheblich höher (OECD: 60 %, EU19: 62 %). In Finnland, das auch einen hohen Anteil an berufsorientierten Sek.-II-Abschlüssen hat, erwerben sogar 95 % eine Studienberechtigung, gefolgt von Irland (86 %) und Polen (85 %).


(2) Bildungsbeteiligung im Tertiärbereich

In den meisten OECD-Staaten nimmt inzwischen die Mehrheit der jungen Menschen ein Studium im Tertiärbereich A (Universitäten und Fachhochschulen) auf. Im OECD-Durchschnitt liegt die Studienanfängerquote mittlerweile bei 56 % (EU19: 55 %). Während Australien (84 %), Island und Polen (je 78 %) hier Spitzenwerte erzielen, war die Studienanfängerquote in Deutschland 2006 deutlich niedriger. Gleichwohl ist ein deutlicher Anstieg von 26 % (1996) über 30 % (2000) auf 35 % (2006) zu verzeichnen. Einen vergleichbaren Wert weisen Belgien (ebenfalls 35 %) und die Schweiz (38 %) auf.
Angesichts gestiegener Studienanfängerzahlen ab dem Wintersemester 2007/2008 ist davon auszugehen, dass die Studienanfängerquote in Deutschland wieder ansteigt.
 
Im internationalen Vergleich ist in Deutschland der Anteil der jungen Menschen, die eine Ausbildung im gesamten Tertiärbereich aufnehmen (in Deutschland: Universitäten und Fachhochschulen, Berufsakademien, Fachschulen und Schulen des Gesundheitswesens), in den Bereichen Medizin und Gesundheitswissenschaften, Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik, aber auch in Geisteswissenschaften oder Kunst und Erziehungswissenschaften überdurchschnittlich hoch.

Das größte Interesse besteht in Deutschland für den Bereich Geisteswissenschaften, Kunst und Erziehungswissenschaften, der von 27 % der Studienanfängerinnen und
-anfängern gewählt wird. Im OECD-Mittel stehen mit 37 % die Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Spitze. Diese stellen in Deutschland mit 26 % die zweitgrößte Fächergruppe dar. Etwa auf internationalem Level stehen die Ingenieurwissenschaften, die in Deutschland von 15 % (OECD-Mittel 14%) der Anfängerinnen und Anfänger gewählt werden.

Betrachtet man nur die Hochschulen, weist Deutschland im Bereich Mathematik und Informatik mit 9 % den höchsten Wert auf. Gleiche Anteile erreichen nur Mexiko und Neuseeland, während der OECD-Mittelwert hier lediglich bei 5,3 % liegt. 10 % der Studienanfängerinnen und Studienanfänger in Deutschland beginnen ein Studium der Biowissenschaften, Physik oder Agrarwissenschaften. Diesen Wert übertrifft nur Belgien (12 %). Ähnliche Werte weisen Neuseeland, das Vereinigte Königreich (10 %) und Japan (9 %) auf. Ebenfalls an erster Stelle steht Deutschland beim Anteil der Studienanfänger im Bereich der Geisteswissenschaften, Kunst und Erziehungswissenschaften (33 %). Einen ähnlich hohen Anteil erreicht lediglich Island mit 30 %, während im internationalen Vergleich die Anteile mit 23 % (OECD) bzw. 22 % (EU19) deutlich niedriger sind.

Die zweitgrößte Fächergruppe bei den Studienanfängern in Deutschland bilden mit 28 % die Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, die im internationalen Vergleich mit 38 % (OECD) bzw. 37 % (EU19) deutlich stärker besetzt sind. Ähnliche Anteile wie Deutschland weisen Finnland (29 %), Korea und Schweden (je 30 %) auf, während in der Türkei, in Belgien und Polen etwa die Hälfte der Studienanfängerinnen und Studienanfänger in diesem Bereich studiert.

Mit 55 % stellen Frauen mittlerweile die Mehrheit bei den Studienanfängern im tertiären Bereich (einschließlich Berufsakademien, Fachschulen und Schulen des Gesundheitswesens) insgesamt. Parität besteht in der Fächergruppe Biowissenschaften, Physik und Agrarwissenschaften, in der 49 % der Studienanfänger weiblich sind. Erfreulich, wenn auch noch steigerungsfähig, ist der international höchste Frauenanteil in der Fächergruppe Mathematik und Informatik mit 35 %. Vergleichbare Anteile werden noch in Mexiko sowie annähernd in Neuseeland, der Türkei, Dänemark und Finnland erreicht. Im internationalen Durchschnitt liegt der Frauenanteil lediglich bei 24 % (OECD) bzw. 23 % (EU19).
 

(3) Abschlüsse im Tertiärbereich

Die Leistungsfähigkeit und die hohe Qualifikation der Beschäftigten sind Schlüsselfaktoren für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Am Arbeitsmarkt gibt es einen wachsenden Bedarf an Hochschulabsolventen. Dieser Bedarf wird auch in Zukunft weiter anwachsen. Der Anteil junger Menschen, die einen Abschluss im Tertiärbereich erwerben, ist international gewachsen. In Deutschland ist die Absolventenquote der Hochschulen kontinuierlich gestiegen. Hatten 1995 erst 14 % eines Altersjahrgangs ein Universitäts- oder Fachhochschulstudium abgeschlossen, waren es im Jahr 2000 bereits 18 % und im Jahr 2006 21 %.
 
Allerdings liegt Deutschland damit deutlich unter dem OECD-Mittel von 37 % (1995: 20 %); niedrigere Werte verzeichnen lediglich Slowenien, Griechenland und die Türkei. Die höchsten Anteile erzielten Island, Australien und Neuseeland mit über 50 %. Aufgrund der positiven Entwicklung bei den Studienanfängern ab dem Wintersemester 2007/2008 wird jedoch auch die Zahl der Hochschulabsolventen in den nächsten Jahren weiter steigen und sich in einer höheren Absolventenquote niederschlagen.

Für die zukünftige wissenschaftlich-technologische Entwicklung wird eine hohe Anzahl von Absolventen auf den Gebieten Mathematik sowie Natur- und Ingenieurwissenschaften benötigt.

Ein Weg, den zusätzlichen Bedarf zu decken, ist die Erhöhung des Anteils weiblicher Studierender in den Naturwissenschaften. Es ist bereits gelungen, den Frauenanteil in diesen Fächern in Deutschland kontinuierlich zu erhöhen, ihn dem internationalen Durchschnitt anzunähern und teilweise deutlich zu überschreiten. So wurden im Jahr 2006 34 % der Abschlüsse in Mathematik und Informatik von Frauen erworben; das liegt weit über dem OECD-Durchschnitt von 26 %. In den Bio-, Natur- und Agrarwissenschaften erreichten Frauen 51 % (OECD-Durchschnitt 52 %), bei Ingenieurwesen, Fertigung und Bauwesen waren es hingegen nur 22 % (OECD-Durchschnitt 26 %).

Bund und Länder fördern eine Vielzahl unterschiedlicher Projekte, die das Interesse junger Menschen an Naturwissenschaft und Technik wecken. Zudem soll im Rahmen der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung der Anteil der Studienanfänger und –anfängerinnen in den MINT-Fächern deutlich gesteigert werden.


(4) Internationalisierung des Studiums

Der steigende Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften und die wachsende Mobilität verstärken den internationalen Wettbewerb um die besten Studierenden und Nachwuchswissenschaftler. Deutschland ist hier weiterhin in einer sehr guten Position: Hier sind im Jahr 2006 8,9 % (2004: 9,8 %) aller Studierenden in der OECD, die nicht in dem Land ihrer Nationalität studieren, eingeschrieben. Nur in den Vereinigten Staaten (2006: 20,0 %, 2004: 21,6 %)  und dem Vereinigten Königreich (2006 und 2004: 11,3 %) sind die Anteile am internationalen tertiären Bildungsmarkt noch größer.
 
Genauso wichtig wie die Attraktivität Deutschlands für ausländische Studierende ist die Bereitschaft deutscher Studierender, im Ausland Erfahrungen zu sammeln, Verbindungen zu knüpfen und so zur Internationalisierung der deutschen Wissenschaft beizutragen. 2,8 % aller im Ausland Studierenden aus OECD-Ländern sind Deutsche; diese Quote wird nur von den Studierenden aus Korea (4,1 %) übertroffen.
Diese Zahlen zeigen, dass die gemeinsamen Anstrengungen von Bund und Ländern, die Attraktivität Deutschlands als Studienort zu steigern, der richtige Weg ist. Daneben zielen vielfältige Initiativen und Programme darauf, die internationale Mobilität deutscher Studierender zu erhöhen.

 
(5) Beschäftigungsquoten und Bildungsstand
Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen den Chancen auf dem Arbeitsmarkt und dem Bildungsstand der Erwerbspersonen. Mit zunehmendem Qualifikationsniveau nimmt die Teilnahme am Erwerbsleben zu. Dieser Zusammenhang gilt für Frauen und Männer gleichermaßen. Am höchsten ist die Erwerbsquote – mit wenigen Ausnahmen – bei Personen mit Bildungsabschlüssen des Tertiärbereichs, also bei Hochschulabsolvent/inn/en und beruflich Qualifizierten mit Meister- oder vergleichbaren Fachschulabschlüssen. 79,4 % (OECD) bzw. 81,2 % (EU19) der Frauen und 89,1 % (OECD) bzw. 88,5 % (EU19) der Männer mit Abschlüssen des Tertiärbereichs waren im Jahr 2006 erwerbstätig. Personen mit niedrigem Bildungsstand hingegen haben deutlich geringere Chancen, erwerbstätig zu sein. So waren im gleichen Jahr lediglich 47,6 % (OECD) bzw. 45,2 % (EU19) der Frauen und 70,3 % (OECD) bzw. 66,6 % (EU19) der Männer mit Bildungsabschlüssen unterhalb des Sekundarbereichs II erwerbstätig.

Im internationalen Vergleich der Erwerbsquoten liegt Deutschland im Mittelfeld. 79,8 % der Frauen und 87,6 % der Männer mit Bildungsabschlüssen des Tertiärbereichs waren im Jahr 2006 erwerbstätig. Die Erwerbsquote von Personen mit Bildungsabschlüssen unterhalb des Sekundarbereichs II ist auch in Deutschland deutlich kleiner: Lediglich 46,4 % der Frauen und 64,6 % der Männer innerhalb dieser Gruppe waren im Jahr 2006 in Deutschland erwerbstätig.

Die höchsten Erwerbsquoten von Frauen mit Bildungsabschlüssen des Tertiärbereichs wiesen Island mit 89,0 % und Norwegen mit 87,3 % auf. Bei Männern mit Bildungsabschlüssen des Tertiärbereichs sind Island (95,6 %) und die Schweiz (93,7 %) die Länder mit den günstigsten Werten. Besonders niedrige Erwerbsbeteiligungen von Personen mit Bildungsabschluss unterhalb des Sekundarbereichs II finden sich bei Frauen in der Slowakischen Republik (21,2 %) und der Türkei (22,0 %) sowie bei Männern in der Slowakischen Republik (28 %) und Ungarn (46 %).
   
Die unterschiedlichen Beschäftigungsquoten von Frauen und Männern spiegeln einerseits kulturelle und institutionelle Unterschiede wider. Andererseits hat das Bildungsniveau einen sehr starken Einfluss auf die Unterschiede bei der Erwerbsbeteiligung von Männern und Frauen. Bei Personen mit Bildungsabschlüssen des Tertiärbereichs betrug der Abstand zwischen der Erwerbsbeteiligung von Frauen zu der der Männer lediglich 9,7 Prozentpunkte (OECD) bzw. 7,3 Prozentpunkte (EU19). Bei Personen mit Bildungsabschlüssen des Sekundarbereichs II lag die Differenz bei 17,5 Prozentpunkten (OECD) bzw. 14,8 Prozentpunkten (EU19). Unterhalb des Sekundarbereichs II ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen sogar 22,7  (OECD) bzw. 21,4 Prozentpunkte (EU19) niedriger als die der Männer.

Auch in Deutschland verringern sich die Unterschiede der Erwerbsquoten von Frauen und Männern mit zunehmendem Bildungsstand. Bei  Personen mit Bildungsabschlüssen des Tertiärbereichs besteht lediglich ein Abstand von 7,8 Prozentpunkten, bei Personen mit Bildungsabschlüssen des Sekundarbereichs II beträgt der Abstand 10,5 Prozentpunkte und bei Personen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen besteht eine Differenz von 18,2 Prozentpunkten. Im Vergleich zum OECD-Durchschnitt sind die Unterschiede der Beschäftigungsquoten von Frauen und Männern in Deutschland damit schwächer ausgeprägt.


(6) Übergänge vom Bildungssystem in das Erwerbsleben

Ein Abschluss der Sekundarstufe II ist zunehmend die Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme am Arbeitsleben. Deshalb ist die Gruppe der 15- bis 19-Jährigen, die sich nicht in schulischer oder beruflicher Ausbildung befindet und von denen ein erheblicher Teil keinen Abschluss der Sekundarstufe II hat, eine besonders wichtige Zielgruppe für bildungspolitisches Handeln.
 
Der Anteil der 15- bis 19-Jährigen, der sich weder in einer schulischen oder beruflichen Ausbildung befindet noch erwerbstätig ist, liegt im OECD-Mittel bei 8,3 %. Im Vergleich der OECD-Staaten bewegt sich dieser Anteil zwischen 37,7 % in der Türkei und 3,1 % in den Niederlanden. Deutschland hat hier mit 4,4 % einen vergleichsweise niedrigen Wert. Gemeinsam mit Dänemark nimmt Deutschland im OECD-Vergleich damit den fünften Platz ein, hinter den Niederlanden (3,1 %), Finnland (3,6 %), Estland (3,7 %) und Polen (3,8 %).

Der positive Einfluss des Bildungsstands auf den Erfolg am Arbeitsmarkt zeigt sich bereits bei jungen Erwachsenen zwischen 25 und 29 Jahren. Im OECD-Mittel sind 6,4 % von ihnen erwerbslos. In Deutschland waren es im Jahr 2006 10,4 %. In Deutschland ist der berufliche Erfolg von jungen Erwachsenen noch stärker vom Bildungsstand abhängig als in anderen Ländern. Nur 4,8 % aller Personen dieser Altersgruppe mit Bildungsabschlüssen des Tertiärbereichs waren im Jahr 2006 erwerbslos, womit Deutschland einen Wert erreicht, der leicht unterhalb des OECD-Durchschnitts von 4,9 % liegt. Bei Personen mit Bildungsabschluss unterhalb des Sekundarbereichs II lag der Anteil Arbeitloser mit 21,6 % deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 12,5 %. Dieser hohe Wert Deutschlands wird nur noch von Polen und der Slowakischen Republik übertroffen und trägt wesentlich dazu bei, dass das durchschnittliche Arbeitslosigkeitsniveau innerhalb der Gruppe der 25 bis 29-Jährigen über alle Bildungsniveaus hinweg deutlich über dem OECD-Durchschnitt liegt.
 
Eine Politik, die zu einem höheren Bildungsniveau beiträgt, leistet durch die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung über alle Altergruppen hinweg auch einen nachhaltigen Beitrag zur Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme. Hier setzt die Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung an. Einerseits werden die Zukunftsperspektive junger Erwachsener ohne Ausbildung durch Förderung der Berufsausbildung verbessert. Andererseits wird durch die Fortentwicklung des Meister-BAFöGs der berufliche Aufstieg vieler Menschen mit Berufsausbildung erleichtert.


(7) Bildungsausgaben

Von großer Bedeutung für das Bildungssystem sind die finanziellen Ressourcen, die den Bildungseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Da es sich um einen sehr vielschichtigen Themenkomplex handelt, werden die Bildungsausgaben in unterschiedlichen Indikatoren dargestellt. Am häufigsten verwendet wird die Darstellung nach den jährlichen Ausgaben je Bildungsteilnehmer. Diese werden maßgeblich beeinflusst von den Gehältern der Lehrkräfte, den Ruhestandsregelungen für das Bildungspersonal, der Anzahl der Unterrichtsstunden für die Schüler und der Lehrverpflichtung des Unterrichtspersonals, des Lernmaterials und der Räumlichkeiten, der Ausrichtung der Bildungsgänge und nicht zuletzt von der Anzahl der Schüler und Studierenden.

In Deutschland zeigt sich hinsichtlich der Ausgaben für die unterschiedlichen Bildungsbereiche ein differenziertes Bild: Während die jährlichen Ausgaben pro Schüler bzw. Auszubildenden im Sekundarbereich II mit mehr als 10.000 US-Dollar erheblich über dem Durchschnitt von rund 8.400 (OECD) bzw. 7.900 US-Dollar (EU19) liegen, sind die Ausgaben im Primar- und Sekundarbereich I mit 5.000 bzw. 6.200 US-Dollar deutlich niedriger als die internationalen Vergleichswerte (6.300 im Primarbereich bzw. 7.400 im Sekundarbereich I). Spitzenreiter wie Luxemburg, die Vereinigten Staaten und die Schweiz investieren hier zwischen 8.500 und 19.000 US-Dollar im Jahr.
 
Die jährlichen Ausgaben je Schüler bzw. Auszubildenden für den pädagogischen Kernbereich liegen mit 6.900 US-Dollar insgesamt über dem internationalen Durchschnitt von rund 6.000 US-Dollar. Dies ist größtenteils auf die Ausgaben der Unternehmen für die duale Ausbildung zurückzuführen. Mit rund 9.000 US-Dollar liegen die Ausgaben in Australien, den Vereinigten Staaten und in Dänemark an der Spitze.

Im Tertiärbereich liegen insbesondere die Aufwendungen für zusätzliche Dienstleistungen wie Mahlzeiten und Unterbringung sowie für Forschung und Entwicklung deutlich über den internationalen Durchschnittswerten.

Setzt man die jährlichen Bildungsausgaben je Schüler/Studierenden in das Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, erhält man einen Wert, der die Bildungsausgaben mit dem Wohlstandsniveau einer Volkswirtschaft in Beziehung setzt. Im internationalen Vergleich investiert Deutschland auch hier relativ stark in den Sekundarbereich II; schwächer als in den meisten anderen EU- und OECD-Staaten sind die relativen Ausgaben für den Primarbereich, den Sekundarbereich I sowie für den Tertiärbereich mit Ausnahme der Ausgaben für Forschung und Entwicklung.


(8) Ausblick

Deutschland wird in den nächsten Jahren weitere Anstrengungen unternehmen müssen, um den Bildungs-, Ausbildungs- und Qualifizierungsstand seiner Bevölkerung auszubauen. Dabei werden Bund und Länder ihre jeweiligen Maßnahmen darauf ausrichten, die Beteiligungs- und Abschlussquoten in höherwertigen Bildungsgängen deutlich anzuheben. Ziel ist, dass jeder Jugendliche entweder ein Studium oder eine berufliche Ausbildung abschließen sollte, um erfolgreich ins Berufsleben starten zu können.