Kultusminister Konferenz

 

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Presse und Aktuelles | Pressemitteilungen | Archiv Suchbegriff eingeben... Gemeinsame Presseerklärung von BMBF und KMK

Bildung im internationalen Vergleich OECD-Veröffentlichung „Bildung auf einen Blick 2003“

Der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Wolf-Michael Catenhusen, und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die Hessische Kultusministerin Karin Wolff, haben in Berlin die neueste Ausgabe des OECD-Berichts „Bildung auf einen Blick“ („Education at a Glance“) der Presse vorgestellt. In der Veröffentlichung werden anhand einer Vielzahl von Indikatoren die Bildungssysteme der OECD-Staaten sowie einer Reihe von weiteren Staaten dargestellt. Bildungsbeteiligung, Bildungsabschlüsse und Bildungsinvestitionen sowie Erwerbstätigkeit und Erwerbseinkommen in Relation zur Bildungsqualifikation werden dabei miteinander verglichen und die Ergebnisse analysiert, um auf dieser Basis die Entwicklungen der verschiedenen Systeme durchleuchten zu können. Darüber hinaus werden Schulen mit ihrem Lernumfeld und ihrer Organisation sowie die Ausbildung, berufliche Entwicklung, das Gehalt und die Arbeitszeit der Lehrkräfte untersucht. In der diesjährigen Ausgabe werden zudem einige Ergebnisse der Internationalen Grundschul-Leseuntersuchung (IGLU) dargestellt.

Hohe Bildungsbeteiligung, vor allem durch die berufliche Bildung

Aufgrund der langen Tradition der dualen Berufsausbildung in Deutschland und den hiermit verbundenen hohen Beteiligungsraten liegt der Anteil der 25-64jährigen mit mindestens einem Abschluss der Sekundarbereichs II mit 83 % weit über dem OECD-Durchschnitt von 64 %. Auffällig ist jedoch, dass Deutschland seinen im Vergleich hohen Anteil der älteren Bevölkerung verdankt, die im internationalen Vergleich in starkem Maße über Abschlüsse der Sekundarstufe II verfügt. Während etliche andere Staaten bei der Bevölkerungsgruppe der 25-34-jährigen aufholen konnten, hat Deutschland in den vergangenen 20 Jahren das Niveau gehalten. Inzwischen haben einige Staaten in dieser Altersgruppe Deutschland überholt, weil sie ihren Bevölkerungsanteil mit Sekundarabschluss II auf über 90 % steigern konnten.

Studienanfängerquote weiter gestiegen

Erfreulich entwickelt sich der Anteil der Studienanfänger am Altersjahrgang. Er ist im Jahr 2001 auf 32 % gegenüber 28 % im Jahr 1998 gestiegen. Für das Jahr 2002 (noch nicht in EAG veröffentlicht) ist sogar eine Studienanfängerquote von 36 % zu verzeichnen. Trotz dieses Erfolges liegt die Studienanfängerquote in Deutschland noch deutlich unter dem OECD-Durchschnitt von 47 %. Hier besteht ein weiterer Nachholbedarf, wobei das in Deutschland große Angebot beruflicher Qualifizierungsmöglichkeiten außerhalb der Hochschulen und der Qualitätssicherung der Studienangebote zu beachten sind.

Schulen, Hochschulen, die Länder und der Bund unternehmen vielfältige Anstrengungen, um diese Quote sinnvoll zu steigern. Das reicht von Maßnahmen, um das Interesse an einem Studium zu wecken bis zu Bemühungen um die Modernisierung und Internationalisierung der Studienangebote, die die Entscheidung für ein Studium erleichtern können. Die Einführung gestufter Studiengänge kann neue Wege eröffnen, um mit einem berufsqualifizierenden akademischen Abschluss frühzeitig in die Berufspraxis einzutreten und auch nach längeren Praxisphasen eine Masterphase anschließen zu können.

Um eine hohe Bildungsbeteiligung im Tertiärbereich zu erreichen, dürfen junge studierwillige Menschen nicht an finanziellen Hürden scheitern. Durch die Reform des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BAföG) im Jahr 2001 konnte die Zahl der geförderten Studierenden von 2000 bis 2002 um über ein Viertel gesteigert werden.

Die Bereiche Mathematik, Naturwissenschaften und Ingenieurwesen stellen ein Drittel aller Hochschulabsolventen

Den Absolventen natur- und ingenieurwissenschaftlicher Fächer kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie für die wissenschaftlich-technologische Entwicklung die tragende Säule sind. Fasst man diese Studienbereiche zusammen, liegt der Anteil von Hochschulabsolventen dieser Fächer in Deutschland bei 34 %. Dieser im internationalen Vergleich hohe Wert darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die absolute Zahl an Absolventen auf Grund der niedrigen Studierendenquote insgesamt auch in diesen Fächern im internationalen Vergleich eher gering ist. Es ist daher besonders positiv zu bewerten, dass diese Bereiche in den vergangenen Jahren deutlich steigende Studienanfängerzahlen aufweisen.

Um die Bedeutung von natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fragestellungen für die Gesellschaft zu unterstreichen und um das Interesse an diesen Themen bei Schülern zu unterstützen, fördern Bund und Länder Maßnahmen wie z.B. „Jugend forscht“ und veranstalten seit dem Jahr 2000 kontinuierlich Wissenschaftsjahre wie beispielsweise das Jahr der Chemie in diesem Jahr.

Die Maßnahmen der Länder und der Hochschulen reichen von Netzwerken und landesweiten Projekten bis zu einer Vielzahl verschiedener Einzelaktivitäten der Hochschulen und Schulen. Dazu zählen Berufsorientierungstage, Projektwochen, Schnupperstudien, Workshops, Laborbesichtigungen und Präsentationen für Schüler, Eltern und Lehrkräfte, Stütz- und Brückenkurse für Studienanfänger/innen in den technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen sowie Tage der offenen Tür an den entsprechenden Fachbereichen.

Attraktivität der deutschen Hochschulen für ausländische Studierende stark gestiegen - Internationalität des Hochschulstandorts Deutschland ausgebaut

Der steigende Bedarf an hoch qualifizierten Fachkräften wird in den nächsten Jahren den internationalen Wettbewerb um die besten Studierenden verschärfen. Der Anteil ausländischer Schüler und Studierender im Tertiärbereich ist in Deutschland im Zeitraum von 1998 bis 2001 von 8,2 % auf 9,6 % gestiegen, wobei der Anteil von Bildungsinländern (Studierende, die ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland erworben haben) an den ausländischen Studierenden z. Z. bei etwa einem Drittel liegt. Deutschland gehört damit zu den Ländern, die einen hohen Anteil an ausländischen Studierenden haben. Zum Vergleich: In den Vereinigten Staaten beträgt der Anteil ausländischer Studierender nur 3,5 %. Für die Jahre 2002 und 2003 (noch nicht in EAG veröffentlicht) ergibt sich für Deutschland eine weitere Erhöhung auf 10,1% bzw.10,8 %.

Zum Erfolg des Studienstandortes Deutschland hat in den vergangenen beiden Jahren mit dem Zukunftsinvestitionsprogramm der Bundesregierung und dem Engagement der Länder das professionelle Hochschulmarketing auf internationalen Messen beigetragen. Unter dem Motto „Hi! Potentials - International careers made in Germany“ wird seitdem intensiv für Deutschland als Studien- und Forschungsstandort weltweit geworben.

Bildungsausgaben international im Mittelfeld

Im Ländermittel der OECD-Mitgliedsstaaten wurden im Jahr 2000 5,5 % des BIP für die Bildungssysteme aufgewendet. Deutschland liegt mit 5,3 % leicht unter diesem Durchschnitt. Der Anteil der öffentlichen Bildungsausgaben am BIP betrug 4,3 % und der private Anteil 1 %. Eine solche Darstellung berücksichtigt jedoch nicht die demografische Entwicklung. Setzt man hierzu die Bildungsausgaben pro Schüler/Studierenden in ein Verhältnis zum BIP pro Kopf liegt Deutschland mit 26 % knapp über dem Mittelwert von 25 %. Bund und Länder unternehmen große Anstrengungen, um die finanzielle Ausstattung des deutschen Bildungssystems zu verbessern.

Hoher Bildungsstand wirkt sich positiv auf Wirtschaftswachstum und Beschäftigung aus

Finanzielle Ressourcen, die für Bildung verausgabt werden, stellen nicht einfach konsumtive Ausgaben dar, sondern sind eine wichtige Investition in die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft. Internationale Vergleiche verdeutlichen den Zusammenhang von Humankapital und wirtschaftlicher Entwicklung. Die Steigerung der Arbeitsproduktivität ist einer der Schlüssel zum wirtschaftlichem Wachstum. In Deutschland lag die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität im Zeitraum von 1991 bis 2000 deutlich unter der Wachstumsrate in den meisten OECD-Ländern. Während in anderen OECD-Ländern der Qualifikationszuwachs bei den Arbeitskräften für das Wirtschaftswachstum eine entscheidende Rolle spielte, ist sein Anteil in Deutschland kaum feststellbar und zu vernachlässigen. Positive Effekte sind jedoch zu erwarten, wenn die ansteigende Studienanfängerquote im Tertiärbereich A – also im Bereich der Universitäten und Fachhochschulen - zu einer Steigerung des gesellschaftlichen Humankapitals führt.

Hoher Einstellungsbedarf für Lehrkräfte im Primar- und Sekundarbereich I

In deutschen Lehrerkollegien gibt es mehr erfahrene, ältere Lehrkräfte als in anderen OECD-Staaten. So sind im Primarbereich 39,1 % und im Sekundarbereich I 44 % Lehrerinnen und Lehrer 50-59 Jahre alt. Das liegt über dem OECD-Durchschnitt. Im Primarbereich ist sogar in keinem anderen Mitgliedsland der OECD diese Altersgruppe so stark vertreten (Ländermittel 22,8 %). Im Sekundarbereich I beträgt das Ländermittel 25,7 %. Im Sekundarbereich II ist zwar die Altersgruppe von 40-49 Jahren mit 37,5 % relativ stark vertreten, jedoch sind insgesamt die älteren Jahrgänge vergleichsweise stark und die jüngeren schwach ausgeprägt. Der Anteil der Lehrkräfte im Sekundarbereich, die jünger als 30 Jahre sind, ist gestiegen von 2,6 % im Jahr 1998 auf 4 % im Jahr 2001. Auch der Zuwachs von 12,5 % auf 14 % in der Altergruppe zwischen 30 und 39 Jahren sind erste Anzeichen dafür, dass sich die Lehrerkollegien verjüngen. So kann der große Ersatzbedarf auch zu einer Chance für die Schulen werden, wenn vermehrt junge Lehrkräfte hinzukommen. Mit dem Generationswechsel gibt es jetzt eine Chance für die Schulen ihre Lehrerkollegien zu verjüngen.

Lesefähigkeit bei Schülern des vierten Schuljahrs international überdurchschnittlich

Der Bildungserfolg von Schülern hängt entscheidend von ihrer Lesekompetenz ab, ist sie doch die wichtigste Grundlage für den Wissenserwerb in allen Bereichen. Unterschiedliche Untersuchungen haben sich daher in den letzten Jahren dem internationalen Vergleich von Lesekompetenz bei Schülern gewidmet. Bei der internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) der IEA, die im Jahr 2001 durchgeführt wurde, lagen die Lesefähigkeiten der Schüler im vierten Schuljahr in Deutschland über dem internationalen Mittelwert: Sie erreichten im Durchschnitt 539 Punkte gegenüber dem OECD-Durchschnitt von 529 Punkten.

Während die deutschen Grundschüler im vierten Schuljahr noch eine im Vergleich überdurchschnittliche Lesekompetenz haben, verlieren sie im Sekundarbereich I ihre günstige Position. Die Lesefähigkeit der 15-jährigen Schüler liegt laut den Ergebnissen der OECD – PISA - Studie von 2000 unter dem internationalen Durchschnitt. Der Bund und die Länder haben auf der Basis der PISA - Studie 2000 eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, um die Qualität des Bildungssystems zu verbessern. Insbesondere die Verbesserung der Sprachkompetenz, die Förderung bildungsbenachteiligter Kinder und die Optimierung der Lehrerausbildung stehen zunächst im Blickpunkt der Länder. Die Bundesregierung wird mit dem jetzt angelaufenen Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“ gemeinsam mit den Ländern bundesweit Ganztagsschulen aufbauen die eine bessere Förderung von Schülerinnen und Schülern ermöglichen sollen. Auch die Einrichtung von nationalen Bildungsstandards wird angestrebt. Die Länder haben bereits konkrete Entwürfe vorgelegt. Die Einhaltung dieser Standards soll regelmäßig überprüft werden. Dieses Vorgehen wird in Zukunft durch eine unabhängige wissenschaftliche Einrichtung gewährleistet.

Eine Zusammenfassung der wesentlichen Aussagen der Studie finden Sie hier.

Die gedruckte Ausgabe ist für 49 € erhältlich bei:
OECD Bonn Office
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Fax: (02 28) 9 59 12 18
E-Mail: Bonn.contact(at)oecd(dot)org