Kultusminister Konferenz

 

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Berufsorientierung und Berufsvorbereitung

Die Weichen für eine erfolgreiche Berufswahlentscheidung und damit für den Übergang in eine Berufsausbildung werden durch die verbindliche praxisorientierte Berufsorientierung mit individuellen Empfehlungen in den Schulen der Sekundarstufe I gestellt. Im Rahmen dieser Berufsorientierung erhalten Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Fächern Informationen über unterschiedliche Berufe. Insbesondere durch die zum Teil mehrwöchigen Praktika in Wirtschaftsunternehmen, Verwaltungsbehörden oder Sozialeinrichtungen können sie ein praxisnahes Bild von der Arbeitswelt entwickeln. Dies trägt dazu bei, dass die Jugendlichen ihre Berufswahl aufgrund einer realistischen Einschätzung treffen können. Für die Kultusministerministerkonferenz und die Länder ist die Berufsorientierung  in den Schulen und ein gelingender Übergang von zentraler Bedeutung für die Bildungs- und Berufsbiographie junger Menschen.

Bereits in der „Empfehlung zur Hauptschule“ (Beschluss der KMK vom 03.07.1969) hatte die Kultusministerkonferenz die Notwendigkeit zur Vorbereitung der Jugendlichen auf die Erwachsenenwelt, besonders auch auf das Arbeitsleben betont. So sollte besonders in den Klassen 7-9 (10) „die Arbeitslehre als Fach einen wesentlichen Teil dieser Aufgabe leisten. Dabei ist die Zusammenarbeit zwischen Lehrern der Hauptschule und Lehrern der berufsbildenden Schulen wünschenswert“.

Dieser Ansatz wird in der "Vereinbarung über die Schularten und Bildungsgänge in der Sekundarstufe I" (Beschluss der KMK vom 03.12.1993 in der jeweils gültigen Fassung) fortgeführt. Dort ist die "Hinführung zur Berufs- und Arbeitswelt" als verpflichtender Bestandteil für alle Bildungsgänge festgeschrieben (Ziff. 4.2.2). Der Unterricht erfolgt entweder in einem eigenen Unterrichtsfach (Arbeitslehre) oder als Gegenstand anderer Fächer. Betriebspraktika, insbesondere für Schülerinnen und Schüler der beiden letzten Jahrgangsstufen der Bildungsgänge von Hauptschule und Realschule, sollen exemplarisch Einsichten in die Arbeitswelt vermitteln und zur Orientierung des Schülers bei der Berufswahlentscheidung beitragen. Auch der Unterricht in der gymnasialen Oberstufe schließt laut "Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II" (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 07.07.1972  in der jeweils gültigen Fassung) "eine angemessene Information über (...) Berufsfelder sowie Strukturen und Anforderungen (...) der Berufs- und Arbeitswelt ein" (Ziff. 2.3).

Die Kultusministerkonferenz hat 1997 den Bericht "Stärkung der Ausbildungsfähigkeit als Beitrag zur Verbesserung der Ausbildungssituation" beschlossen. In ihrer dreibändigen "Dokumentation zur Berufsorientierung an allgemeinbildenden Schulen - Sekundarbereich I und II" von 1997 hat die Kultusministerkonferenz die vielfältigen Aktivitäten der Länder in diesem Bereich veröffentlicht.

In der "Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung zwischen der Kultusministerkonferenz und der Bundesagentur für Arbeit" von 2017 sprechen sich die Kooperationspartner dafür aus, allen jungen Menschen einen erfolgreichen Übergang von der allgemeinbildenden und beruflichen Schule in Ausbildung oder Studium sowie danach in eine qualifizierte Tätigkeit zu ermöglichen.

Hierzu soll die Effektivität der Zusammenarbeit zwischen Schule und Berufsberatung durch die Anwendung gemeinsamer Handlungsstrategien erhöht und Angebote systematisch aufeinander aufgebaut werden. Unter anderem durch vermehrte Nutzung moderner Kommunikationsmittel soll so jede einzelne Schülerin und jeder einzelne Schüler kontinuierliche Beratung und Begleitung nutzen können, um eigenständig und reflektiert eine tragfähige Entscheidung über den weiterführenden Bildungsweg treffen zu können.

Mit Blick auf Schulabgänger mit Schwierigkeiten beim Übergang in die Berufswelt hat die Kultusministerkonferenz 2013 die Empfehlung „Lebenschancen eröffnen, Qualifizierungspotenziale ausschöpfen – Übergänge gestalten“ verabschiedet. Ziel ist es, allen Jugendlichen koordiniert, passgenau und ohne Verzögerung eine Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf anzubieten. Die Berufsorientierung in der Sekundarstufe I soll noch verbindlicher und praxisnäher gestaltet werden. Nachweisbare ausbildungsbezogene Qualifikationen, die von den Jugendlichen im Übergangssystem erworben werden, sollen auf eine anschließende Berufsausbildung angerechnet werden.

Allianz für Aus-und Weiterbildung

Unterzeichnung der Allianz für Aus- und Weiterbildung im Dezember 2014
Foto: © BMWi/Susanne Eriksson

Berufsorientierung und Berufsvorbereitung sind darüber hinaus Schwerpunkte der "Allianz für Aus-und Weiterbildung" und ihres Vorgängers, des "Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs (Ausbildungspakt)". 2017 stellten die Partner der Allianz in einer Gemeinsamen Empfehlung Eckpunkte für ein gelingendes Betriebspraktikum von Schülerinnen und Schüler vor.

Zur "Allianz für Aus- und Weiterbildung 2015 - 2018"

 

 

Allianz für Aus-und Weiterbildung (2015-2018) und Ausbildungspakt (2004-2014) - Zielsetzung und Dokumente

Allianz für Aus-und Weiterbildung (2015-2018) und Ausbildungspakt (2004-2014) - Zielsetzung und Dokumente

2015-2018: Allianz für Aus- und Weiterbildung

Die am 12.12.2014 unterzeichnete "Allianz für Aus- und Weiterbildung 2015-2018"  ("Alliance for Initial and Further Training 2015 – 2018") von Bund, Ländern, Wirtschaft und Gewerkschaften löst den Ausbildungspakt ab. Die Partner der Allianz wollen gemeinsam die duale Berufsausbildung in Deutschland stärken und für die Gleichwertigkeit der betrieblichen und akademischen Ausbildung werben. Jedem ausbildungsinteressierten Menschen soll ein Pfad aufgezeigt werden, der ihn frühestmöglich zu einem Berufsabschluss führen kann.

 

2004-2014: Nationaler Pakt für Ausbildungs- und Fachkräftenachwuchs (Ausbildungspakt)

Der im Jahr 2004 von den Spitzenverbänden der Wirtschaft und der damaligen Bundesregierung als Reaktion auf Forderungen nach einer Ausbildungsplatzabgabe beschlossene Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs (Ausbildungspakt) hatte das Ziel, allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen jungen Menschen ein Angebot für eine Ausbildung zu unterbreiten. Dabei sollten in enger Zusammenarbeit mit den Ländern erfolgreiche Qualifizierungsmaßnahmen fortgeführt und neue Maßnahmen für benachteiligte Jugendliche ins Leben gerufen werden.
Die Kultusministerkonferenz hat sich von Beginn an als aktiver Part in den Pakt eingebracht.  Ergebnis dieser Zusammenarbeit sind die folgenden gemeinsamen Empfehlungen und Handreichungen:

Auf der Grundlage der Koalitionsvereinbarung ist am 26.10.2010 der Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland 2010-2014 mit zusätzlichen neuen Partnern, zu denen auch die Kultusministerkonferenz gehört, unterzeichnet worden.
Der Kultusministerkonferenz geht es mit ihren Beiträgen um die Erhöhung der Chancen zur Lebensgestaltung für Jugendliche, indem besonders schwächere
Jugendliche intensiver gefördert werden und die Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund vorangetrieben wird, aber auch mehr leistungsstarke Jugendliche für eine betriebliche Berufsausbildung gewonnen werden. Die Kultusministerkonferenz leistet damit ihren Beitrag, um die Innovationskraft unserer Wirtschaft zu sichern.

Ergebnisse der Zusammenarbeit im Rahmen des Paktes 2010 - 2014 sind:

Junge Menschen beim Übergang in betriebliche Ausbildung gezielt unterstützen (Gemeinsame Erklärung der Partner des Ausbildungspaktes vom 05.11.2012)

Möglichkeit der dualen Teilzeitberufsausbildung für junge Mütter und Väter stärker  nutzen (Gemeinsame Erklärung der Partner des Ausbildngspaktes vom 06.02.2013)

Einstiegsqualifizierung als Sprungbrett in Ausbildung stärken (Gemeinsame Erklärung der Partner des Ausbildungspaktes vom 05.02.2014)

Die Partner des Ausbildungspaktes haben hierzu am 05.02.2014 folgende gemeinsame Presseinformation herausgegeben: "Ausbildungspakt 2010-2014: Gute Bilanz, Herausforderungen bleiben".