Kultusminister Konferenz

 

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Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung

Foto: Frank Homann / Universität Bonn

Eine staatliche Verantwortung für die Qualität von Studium und Lehre gab es zu jeder Zeit und ist auch verfassungsrechtlich geboten, die Instrumente hingegen haben sich gewandelt. In den beiden vergangenen Jahrzehnten haben im deutschen Hochschulsystem tiefgreifende Veränderungen stattgefunden, zu denen unter anderem die Studienreform, namentlich die Umstellung auf gestufte Studiengänge (Bachelor/Master) und deren Modularisierung, sowie intensive Bemühungen um die Verbesserung von Qualität in Studium und Lehre zählen.

Spätestens seit den 1990er Jahren etablierte sich der Begriff der Qualitätssicherung in der hochschulpolitischen Diskussion. Bezogen auf Studium und Lehre fallen darunter etwa die Vorbereitung auf eine berufliche Tätigkeit ebenso wie die Vermittlung des wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts zusammen mit der Einübung wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens. Insbesondere die Politik und die Öffentlichkeit legen großen Wert auf Transparenz und Vergleichbarkeit der Studien- und Abschlussniveaus im nationalen wie internationalen Rahmen sowie auf die effiziente Verwendung der eingesetzten Gelder, nachgewiesen über eine Rechenschaftslegung. Die Studierbarkeit des Studiums innerhalb des gegebenen Zeitrahmens inklusive der Möglichkeit zur Mobilität ist ein wichtiger Aspekt, insbesondere für die Studierenden.

Neben den Veränderungen in der deutschen Hochschulpolitik begann die Entwicklung eines einheitlichen europäischen Hochschulraums. Mit dem im Jahr 1999 beginnenden Bologna-Prozess ist nicht nur die Einführung eines neuen gestuften Studiensystems verbunden. Von Anfang an wurde auch die Qualitätssicherung als eines der Ziele genannt. So sollte die europäische Zusammenarbeit bei der Qualitätssicherung im Hinblick auf die Erarbeitung vergleichbarer Kriterien und Methoden gefördert werden. Die Vereinigung europäischer Qualitätssicherungsagenturen (ENQA) wurde beauftragt, ein System von Normen, Verfahren und Richtlinien zur Qualitätssicherung zu entwickeln und Möglichkeiten zur Gewährleistung eines geeigneten Begutachtungsprozesses (peer review) für Agenturen und Einrichtungen zur Qualitätssicherung und/oder Akkreditierung zu prüfen. Hieraus sind die “Standards and Guidelines for Quality Assurance in the European Higher Education Area” (ESG) hervor gegangen. Damit sind die formalen Eckpunkte der Qualitätssicherung sowie Kernelemente wie die Expertenbegutachtung/ Peer Review international einheitlich vorgegeben.

Auch das deutsche System der Qualitätssicherung ist in die einschlägigen internationalen Netzwerke eingebunden. Das deutsche Akkreditierungssystem wurde inzwischen in zwei Evaluationsverfahren unter internationaler Beteiligung bestätigt. Dabei wurde auch die Übereinstimmung des deutschen Qualitätssicherungssystems mit den europäischen Vorgaben „European Standards and Guidelines“ (ESG) und des „European Consortium for Accreditation in Higher Education“ (ECA) als Voraussetzung für die Vollmitgliedschaft des deutschen Akkreditierungsrates in der „European Association for Quality Assurance in Higher Education“ (ENQA) ausdrücklich festgestellt.

Akkreditierung

Akkreditierung im Hochschulbereich bedeutet das Verleihen eines Gütesiegels. Die Akkreditierung von Studiengängen stellt ein zentrales Element zur Sicherung der Qualität von Studiengängen dar. Sie gibt Studierenden und Arbeitgebern eine verlässliche Orientierung und schafft Transparenz über Studienangebote und Abschlüsse in Deutschland. Das deutsche Akkreditierungssystem ist dezentral organisiert. Die Akkreditierung von Studiengängen bzw. von hochschulinternen Qualitätssicherungssystemen erfolgt durch Akkreditierungsagenturen. Diese benötigen hierfür eine Zulassung des Akkreditierungsrates.

Akkreditierungsrat

Der Akkreditierungsrat ist das zentrale Beschlussgremium der "Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland". Zu den Aufgaben des Akkreditierungsrates gehören:

  • die zeitlich befristete Akkreditierung von Agenturen
  • die Überwachung der Aufgabenerfüllung durch die Agenturen
  • die Re-Akkreditierung der Agenturen
  • die Definition der Mindestanforderungen an die Akkreditierungsverfahren
  • die Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs der Agenturen untereinander
  • die Förderung der internationalen Kommunikation und Kooperation der Akkreditierungseinrichtungen

Die Mitglieder des Akkreditierungsrates werden von der Kultusministerkonferenz und der Hochschulrektorenkonferenz für die Dauer von vier Jahren bestellt. Dem Akkreditierungsrat gehören an: 4 Hochschulvertreter, 4 Ländervertreter, 5 Vertreter der Berufspraxis, 2 Studierende, 2 ausländische Vertreter, 1 Vertreter der Agenturen mit beratender Stimme.

Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland

Die "Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland" mit Sitz in Bonn hat den gesetzlichen Auftrag, das System der Qualitätssicherung in Studium und Lehre durch Akkreditierung von Studiengängen zu organisieren.

Organe der Stiftung sind der Akkreditierungsrat, der Vorstand und der Stiftungsrat. Dem Stiftungsrat gehören 6 Vertreter der Länder und 5 Vertreter der Hochschulrektorenkonferenz an.

Systemakkreditierung

Die bewährte Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen wird durch die sogenannte Systemakkreditierung ergänzt. Dabei werden hochschulinterne Qualitätssicherungssysteme im Bereich von Studium und Lehre überprüft und zertifiziert. Es werden die European Standards and Guidelines for Quality Assurance in Higher Education (ESG), die Vorgaben der Kultusministerkonferenz und die Kriterien des Akkreditierungsrates angewendet. Hochschulen können sich einer Systemakkreditierung unterziehen, wenn sie über eine hinreichende Anzahl erfolgreich durchgeführter Studiengangakkreditierungen verfügen. Ziel der Systemakkreditierung ist es, den Verfahrensaufwand der Hochschulen bei Nachweis eines verlässlichen hochschulinternen Qualitätssicherungssystems zu reduzieren und die Zertifizierung zu beschleunigen. Die Hochschulen haben die Wahl, ihre Studiengänge einzeln oder ihr internes Qualitätssicherungssystem akkreditieren zu lassen.

Akkreditierungsagenturen

Akkreditierungsagenturen

Folgende Agenturen sind berechtigt, das „Gütesiegel“ des Akkreditierungsrats zu vergeben:

  • Akkreditierungs-, Certifizierungs- und Qualitätssicherungs-Institut (ACQUIN)
  • Akkreditierungsagentur für Studiengänge im Bereich Gesundheit und Soziales (AHPGS)
  • Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung kanonischer Studiengänge (AKAST)
  • Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria (AQ Austria)
  • Österreichische Qualitätssicherungsagentur (AQA)
  • Agentur für Qualitätssicherung durch Akkreditierung von Studiengängen (AQAS)
  • Akkreditierungsagentur für Studiengänge der Ingenieurwissenschaften, der Informatik, der Naturwissenschaften und der Mathematik (ASIIN)
  • Evaluationsagentur Baden-Württemberg (evalag)
  • Foundation for International Business Administration Accreditation (FIBAA)
  • Organ für Akkreditierung und Qualitätssicherung der Schweizerischen Hochschulen (OAQ)
  • Zentrale Evaluations- und Akkreditierungsagentur Hannover (ZevA)

European Approach

Im Zuge der Internationalisierungsbestrebungen deutscher Hochschulen werden immer häufiger Studienprogramme in Kooperation mit ausländischen Hochschulen angeboten. Sie werden mit dem Oberbegriff „joint programmes“ bezeichnet. Die politisch-kulturellen Disparitäten und die Heterogenität der Vorgaben der beteiligten Länder führten bislang zu hoher Komplexität und überdurchschnittlichem organisatorischen Aufwand im Verfahren zur Akkreditierung von „joint programmes“. Bisher war es in Deutschland zwar möglich, ausländische Akkreditierungen anzuerkennen, aber es war stets noch eine zweite, durch den deutschen Akkreditierungsrat akkreditierte Agentur zu beteiligen, die die Vergleichbarkeit von Akkreditierungskriterien und Verfahren prüft und die Einhaltung der deutschen ländergemeinsamen Strukturvorgaben sicherstellt. Im Rahmen der Internationalisierungsstrategie von Bund und Ländern sollte der Akkreditierungsaufwand durch ein gemeinsames Verfahren mit einer Agentur für den gesamten Studiengang beschränkt werden.

Auf der Bologna-Ministerkonferenz im Mai 2015 wurde daher der „Europäische Ansatz zur Qualitätssicherung von Joint Programmes“ („European Approach for Quality Assurance of Joint Programmes“) verabschiedet. Er sieht vor, dass jede im European Quality Assurance Register for Higher Education (EQAR) gelistete Agentur Verfahren zur Akkreditierung von Joint Programmes durchführen kann und dabei ausschließlich ESG-basierte Qualitätsmaßstäbe anwendet. Damit ist nun sichergestellt, dass keine zusätzlichen nationalen Kriterien angewandt werden.

Der deutsche Akkreditierungsrat erklärte nachfolgend auf der Grundlage der entsprechenden KMK-Beschlüsse den European Approach für solche internationalen Studiengänge für anwendbar, die zu einem gemeinsamen Abschluss führen (Joint Degrees).